Milde Urteile

Lechrain-Feuerteufel: Das Urteil ist gefallen

Zwei brennende Holzstapel in Unterdießen
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Nach dem Brand eines Unterdießener Holzlagers (Foto) in der Nacht zum 17. Januar vergangenen Jahres schnappte die Falle der Ermittlungsgruppe „Feldscheune“ endlich zu: Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest, die sich jetzt vor dem Landgericht in Augsburg verantworten mussten.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Augsburg - Er genoss den Nervenkitzel und empfand Glücksgefühle, wenn die Flammen loderten. Der zweite und letzte Prozesstag gegen die beiden Feuerteufel vom Lechrain ließ erahnen, was den 25-jährigen Haupttäter motiviert hatte, als er gemeinsam mit seinem 26-jährigen Kumpel im vergangenen Winter Feldstadel, Holzlager und Müllcontainer im südlichen Landkreis und im benachbarten Weilheim-Schongau in Brand steckte. Nun ist das Urteil gegen die beiden gefallen.

Der 25-jährige Soldat muss wegen Brandstiftung, versuchter Brandstiftung und Sachbeschädigung für drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Sein ehemaliger Schulfreund erhielt wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Wie die Polizei den beiden aus dem Landkreis stammenden Männern auf die Spur kam, berichtete der Ermittlungsleiter der Kripo Fürstenfeldbruck. Die Auswertung von Funkzellen führte die Beamten nach den ersten Bränden zu dem 25-Jährigen. Und da dieser häufig seinen 26-jährigen Kumpel besuchte, geriet auch dieser ins Visier der Ermittler.

An den beiden Tagen vor der Festnahme im Januar 2020 fuhr der 25-Jährige offenbar unwissentlich mit einem polizeilichen GPS-Sender durch die Gegend. So konnte sein BMW an der letzten Brandstelle geortet und die Täter kurz darauf gestellt werden. Das Navi des 25-Jährigen tat ein übriges, ihn zu überführen. Die Auswertung ergab, dass dass Auto vor, während oder nach den Bränden immer in der Nähe der Brandorte gewesen war.

Der 25-Jährige legte bei der Polizei sofort ein Geständnis ab und sprach offenbar auch vom „Verlangen“, einen Brand zu legen, und vom anschließenden Belohnungsgefühl. Ein Verdacht auf Pyromanie – den krankhaften Drang, Feuer zu legen – bestehe deshalb, sagte der forensische Psychiater Dr. Felix Segmiller im Prozess aus. Eine psychiatrische Begutachtung hatte der 25-Jährige jedoch abgelehnt. Und selbst wenn man ihm Pyromanie bescheinigt hätte, wäre das allein noch kein Grund gewesen, von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.

Der zweite Angeklagte wollte lediglich aus Freundschaft bei den Brandstiftungen mitgemacht haben. Der 26-Jährige habe aufgrund zahlreicher Schulwechsel nie die Chance gehabt, stabile Beziehungen aufzubauen, führte sein Verteidiger Stefan Mittelbach aus. Als er dann endlich einen Freund gefunden hatte, habe er diesen „wertvollen Kontakt“ nicht aufgeben wollen.

Heftig gerungen wurde vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Augsburg um die Frage, ob die Strafe des 26-Jährigen zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Staatsanwalt Gregor Hohenadl hätte den mehrfach Vorbestraften gern hinter Gitter geschickt, denn eine positive Sozialprognose sei nicht auszumachen. „Er hat ein Drogenproblem. Er hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keinen Beruf, keine feste soziale Bindung und keinen Tagesrhythmus.“

Das Gericht schloss sich jedoch der Sicht der Verteidigung an. „Psychische Beihilfe ist fast die geringste Beihilfe, die man leisten kann“, so der Vorsitzende Richter Christian Grimmeisen. Beide Angeklagte hätten außerdem durch ihre Geständnisse das Verfahren erheblich beschleunigt. So konnte auf umfangreiche Zeugenvernehmungen verzichtet werden – was umso mehr wert war, als die Verhandlung wegen der notwendigen Lüftungspausen alle 19 Minuten unterbrochen werden musste.

Hinzu kam die lange Dauer der Untersuchungshaft. Beide Angeklagten sitzen bereits seit einem Jahr im Gefängnis – unter Corona-Bedingungen, die Verteidiger Mittelbach mit Isolationshaft verglich. Sein Mandant habe „wirklich richtig gelitten“.

Auch dem 25-jährigen Haupttäter wird die U-Haft auf die Strafe angerechnet. Positiv wertete das Gericht in seinem Fall, dass er 4000 Euro an Schadenswiedergutmachung gezahlt hat. Bei einer Schadenshöhe von knapp einer Million Euro war das für den Staatsanwalt zwar „ein Tropfen auf den heißen Stein“, doch der gute Wille zähle.

Die Bewährungszeit für den 26-Jährigen ist mit vier Jahren länger als üblich. Außerdem muss er aus einer anderen Verurteilung eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro zahlen, 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, künftig drogenfrei leben und eine ambulante Therapie machen.

All das wird allerdings noch warten müssen. Wie der Staatsanwalt dem 26-Jährigen eröffnete, läuft wegen des Verdachts auf eine weitere Straftat bereits ein neues Verfahren gegen ihn. Er wurde gleich wieder in Haft genommen.
Ulrike Osman

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