Mit 3,35 Promille unterwegs

Lechrainer muss nach Trunkenheitsfahrt ins Gefängnis

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Ein 50-Jähriger fuhr mit 3,35 Promille von Apfeldorf nach Kinsau - und baute einen Unfall. Dafür muss er jetzt ins Gefängnis.

Lechrain – Sichtlich bestürzt war der Angeklagte über das Urteil vor dem Amtsgericht Landsberg. Ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe. Keine Bewährung. Der Grund war, dass der 50-Jährige im April dieses Jahres mit 3,35 Promille einen Unfall gebaut hatte. Obwohl “nur“ ein Sachschaden entstanden ist, waren für Richter Alexander Kessler eine Bewährungs- oder Geldstrafe keine Option. Was vor allem mit den Vorstrafen des Angeklagten und dessen ungünstiger Sozialprognose zu tun hatte.

„Haben Sie ein Alkoholproblem?“ Die knappe Antwort des Angeklagten: „Jo.“ Seit etwa drei bis vier Jahren trinke er. Auslöser war, wie der 50-Jährige vor Gericht erklärte, das Ende seiner Ehe. Nach 14 Jahren. „Das hat Ihnen das Genick gebrochen“, mutmaßt Richter Kessler. „Ja, das hat schon ziemlich weh getan.“

2015 folgt die erste Trunkenheitsfahrt. Er hatte dabei „weit mehr als das Doppelte der zugelassen Höchstgrenze“ an Promille in seinem Blut, wie der Vorsitzende sich äußert. Damals ist der Mann noch mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. 2018 stieg er wieder betrunken hinters Steuer. 2,76 Promille hatte er da. Diesmal lautete das Urteil, ebenfalls von Richter Kessler gesprochen, Bewährungsstrafe. Der Vorsitzende stellte dem 50-Jährigen damals eine gute Sozialprognose aus. Er war geständig, wollte sein Alkoholproblem in den Griff kriegen. Machte ein Therapie, kümmerte sich um die Nachsorge bei der Caritas.

Richter Kessler ging davon aus, dass der Mann keine weiteren Straftaten mehr begehen würde. „Da ist das Gericht wohl schief gelegen.“ Denn im April 2019 folgte die dritte Alkoholfahrt. Diesmal mit dem „wahnsinnigen Wert“ von 3,35 Promille. Der Angeklagte schaffte es trotzdem von Apfeldorf nach Kinsau. Dort endete die Fahrt an einer Gartenmauer. Der Sachschaden laut Anklageschrift: rund 3.500 Euro. „Ich bin nur froh, dass niemand verletzt wurde“, zeigte sich der Angeklagte reumütig. Er gab die Vorwürfe vollumfänglich zu. Auch die Beleidigungen gegen die beiden hinzugerufenen Polizisten.

Einen 33-jährigen Beamten betitelte er fortwährend mit „Arschloch“ oder „kleiner Pisser“. Die Polizistin berichtete indes: „Wir sind eigentlich ganz gut klar gekommen. Nur meinen Kollegen mochte er irgendwie nicht.“ Allerdings sei der 50-Jährige wenig kooperativ gewesen. Im Krankenhaus habe er „nicht still gehalten“ und man habe ihn immer wieder zurück auf die Liege drücken müssen. Die Polizeibeamtin bezeichnete er mehrfach als „geil“. „Ich wollte bestimmt niemanden beleidigen. Die Frau hat einfach gut ausgeschaut“, versuchte sich der Angeklagte zu entschuldigen. Er fügte hinzu: „In dem Augenblick war‘s wahrscheinlich nicht so passend.“

Nach der Blutentnahme bat der 50-Jährige dann darum, im Krankenhaus bleiben zu dürfen, weil er ein Alkoholproblem habe. Die Beamten brachten ihn auf die Station. Der männliche Polizist musste sich während der Fahrt weiter beleidigen und bedrohen lassen. „Das geht gar nicht, dass Polizeibeamten beleidigt werden“, stellt Richter Kessler klar. Er sei es leid, dass er jede Woche „hier sitzen und das jedem Angeklagten erklären muss.“

Bei der Gerichtsverhandlung sagte der Angeklagte aus, er habe eine kalten Entzug hinter sich. Seit rund zehn Tagen sei er trocken. Dennoch konnte sowohl die Staatsanwaltschaft noch das Gericht eine positive Sozialprognose stellen. Davon sei man fernab, wie der Vorsitzende in seiner Urteilsverkündung erklärte. Nicht nur diverse Rückfälle, sondern auch die insgesamt zehn Vorstrafen – die letzten drei davon einschlägig – waren wohl ein Grund dafür. Dass der Mann unter Alkoholunterfluss stand, wirkte sich in diesem Fall auch nicht strafmildernd aus. Das Gegenteil war der Fall. „Der Alkoholwert war so exorbitant hoch, dass es sich strafverschärfend auswirkt“, erläuterte Richter Kessler. „Sie wissen, wenn Sie saufen, bauen Sie Scheiß‘.“ Eine Bewährung sei unter diesen Umständen „nicht mehr zu vertreten.“ Deshalb lautete das endgültige Urteil ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe für fahrlässige Trunkenheit im Straßenverkehr und Beleidigung. Zudem wird der Führerschein, den der Angeklagte schon bei seiner letzten Trunkenheitsfahrt nicht mehr hatte, für drei Jahre gesperrt. Wobei der Vorsitzende darauf hinwies, dass es sich dabei nur um eine Zahl auf dem Papier handele. Er bezweifelte, dass die Verwaltungsbehörde überhaupt jemals wieder den Führerschein freigeben würde.

Für den Angeklagten war die Strafe sichtlich ein Schock. Schon beim Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr und acht Monate forderte, sagte er: „Das ist heftig. Ich bin doch kein Schwerverbrecher.“

Richter Kessler widersprach: „Nicht das Strafmaß ist heftig, sondern was Sie sich hier geleistet haben.“ Der 50-Jährige wollte das Urteil noch nicht annehmen, sondern sich stattdessen mit seiner Verteidigerin besprechen. Er hat damit noch die Möglichkeit auf Revision oder Berufung.

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