Geplanter Steg am Landsberger Papierbach-Areal: Architekten konkretisieren die Wettbewerbsergebnisse

Der Landsberger Lechsteg wird luftig

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Der neue Lechsteg soll ein luftiges Sprengwerk und ein nahezu unsichtbares Geländer bekommen. 

Landsberg – Fünf Minuten Beratung, ein einstimmiger Beschluss - so unkompliziert war die Vorberatung des neuen Lechstegs, der das Papierbach-Areal mit der Altstadt verbindet, am vergangenen Mittwoch im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss. Heute entscheidet noch der Stadtrat und dann kann es losgehen. Alle sind sich einig: Das Brückerl hat Charme.

„Die Verwaltung wird beauftragt, die Errichtung des Lechsteg gemäß der vorgestellten Planung, der Kostenschätzung und der Zeitplanung durchzuführen“. Das ist eine gute Nachricht für den aus Deutschland stammenden Architekten Dirk Krolikowski vom Londoner Architekturbüro DKFS, der das Vorhaben nun wie geplant gemeinsam mit dem Münchener Ingenieurbüro Mayr Ludescher durchführen kann. Das Team hatte Anfang Dezember 2016 den interdisziplinären Realisierungswettbewerb der Stadt Landsberg für sich entschieden. 

Schon damals war klar: Das sind Profis. DKFS entwarf unter anderem die Eye-Bridge in Linz und die River Douglas Bridge in West Lancashire. Mayr Ludescher gewann 2016 den Deutschen Brückenbaupreis; zu den realisierten Bauwerken gehören die Eiserne Brücke in Regensburg, die Petuelpark-Brücke in München und der Regnitzsteg in Bamberg. Auch die neue Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen stammt von ihrem Büro. 

Der Entwurf falle besonders durch eine einfache Linienführung, ein zurückhaltendes Geländer und einen Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten mitten auf der Brücke auf, der ein Verweilen mit Blick auf den Mutterturm erlaube, hatte die Jury damals festgehalten. 

Drahtseilnetz als Geländer

Nun haben die Planer diese Eigenschaften konkretisiert. Das Gelände wird aus einem Polymer-beschichteten Drahtseilnetz gebildet. Die Maschen sind so klein, dass kein Kinderfuß durchpasst, aber so groß, dass man das Geländer aus der Ferne praktisch nicht sieht. „Es tritt in den Hintergrund“, sagte Ingenieur Hubert Busler am Mittwoch im Ausschuss. Ein weiterer Vorteil: Das Drahtseilnetz lässt sich vor Ort montieren und braucht kaum Wartung, ebenso wenig wie der wetterfeste Stahl, aus dem die Brücke besteht. Vom Handlauf mit integrierter LED-Beleuchtung konnten sich die Stadträte anhand eines Musters ein Bild machen. Diese Kombination haben die Ingenieure schon einmal in München verbaut. Die Münchener Stadtverwaltung hatte zunächst Bedenken, ob es nicht riskant sei, die teure LED-Technik so „greifbar“ zu montieren. Doch so sehr der städtische Bauhof mit Werkzeugen und Feuerzeugen Vandalismus simulierte - es gelang ihm nicht, die LEDs zu zerstören oder zu entwenden. 

Der Handlauf des neuen Lechstegs.

Der Steg ist auf der ganzen Länge fünf Meter breit, so dass die gemeinsame Nutzung durch Radfahrer und Fußgänger problemlos möglich ist. Die Formung der Brücke war schon im ersten Planungsstadium der Jury zufolge eine stringente Aufnahme des geplanten städtebaulichen Bogens vom Papierbach zur Altstadt. „Der Entwurf hat eine zeitlose und minimalistische Formensprache, die sich nicht in den Vordergrund drängt, vielmehr reduziert und zurückhaltend den städtebaulichen Raum unterstreicht. Durch eine geschickte Materialwahl und eine optimale Positionierung des Pfeilers erreicht der Entwurf ein filigranes äußeres Erscheinungsbild“, begründet die Jury im Dezember 2016. 

Maritime Formensprache 

Auch insofern haben Architekt und Ingenieure nun noch einmal Präzisierungen vorgenommen. Der Boden des Steges wird an der Schnittstelle mit dem einzigen Pfeiler durchlässig. Das spart ein wenig Material und führt zu einer gewissen Leichtigkeit - die Brücke hat an dieser Stelle eine fast maritime Formensprache. Deutlich voluminöser wirken da schon der Aussichtsbalkon auf der Papierbach-Seite und die Rampe neben der Lechturnhalle. Die Stadträte erbaten sich hierzu 3D-Zeichnungen. Der Bachlauf am Inselbad wird durch die Rampe allerdings nicht tangiert. 

Unproblematisch ist auch die Bauzeit. Die reine Montagezeit wird wohl kaum länger als drei Monate betragen. In diesem Zeitraum steht die Skater-Anlage nicht zur Verfügung. Ob vorübergehend Ersatz geschaffen werden kann, ist noch offen. Die Eröffnung soll im Dezember 2019 erfolgen. Die Baukosten betragen 4,7 Millionen Euro. Sie werden durch Eigenmittel, Zuschüsse und Zahlungen von Papierbach-Investor ehret + klein finanziert.

Werner Lauff

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