Eine knappe Million zu Lasten der Anlieger

In Leeder und Welden werden Straßen erschlossen – Anlieger müssen zahlen

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Eine der vier Straßen, die zur Baustelle werden: Auf der Halde oberhalb von Leeder. Diese Anliegerstraße mündet in die Weldener Straße.

Leeder/Welden – Vier dicke Ordner, ordentlich in einer Plastikbox verstaut, hatte Planer Bertram Mooser aus Kaufbeuren zur Gemeinderatssitzung im Fuchstaler Rathauskeller mitgebracht. Das hatte seinen Grund: Es sind nämlich vier Straßen und Wege, die erstmals und endgültig hergestellt werden. Das Büro Mooser Ingenieure ist für die Planung zuständig.

Anders als bei der politisch kontrovers bewerteten Straßenausbaubeitragssatzung gibt es bei der Erschließungsbeitragssatzung kein Aussetzen oder einen Aufschub. Sie greift dann, wenn Straßen erstmals komplett fertiggestellt werden. An drei Quartieren in Leeder und an einer Straße in Welden ist das heuer oder 2019 der Fall. Das Ingenieurbüro Mooser hat den Auftrag für die Ausschreibung der endgültigen Herstellung der Buchstraße, des Lindenwegs und der Stichstraße Auf der Halde sowie für die Straße, die in Welden zur „Forellenstube“ führt, erhalten. Im März wurde auf Anliegerversammlungen die Planung für den Ausbau vorgestellt. Bertram Mooser hatte einen „positiven Eindruck“ aus diesen Gesprächen mitgenommen, wie er im Gemeinderat resümierte. Bürgermeister Erwin Karg konnte dem angesichts der einen oder anderen Kontroverse nicht ganz beipflichten. „Sie san ned so sensibel wie i“, wandte er sich ironisch an den Chef des Planungsbüros.

Alle vier Straßen werden gemeinsam ausgeschrieben. Bei der Fertigstellung wird den Firmen ein großes Zeitfenster eingeräumt: von Oktober 2018 bis Oktober 2019. Damit will die Gemeinde den Firmen ermöglichen, die Arbeiten dann vorzunehmen, wenn sie Kapazitäten frei haben. Um so bei der gegenwärtigen Baukonjunktur preisgünstigere Angebote zu erhalten.

Der Lindenweg im Südosten der Gemeinde wird in einer Breite von 4,75 Meter hergestellt. Es ist aber noch ein Bodengutachten erforderlich. Die Kosten, die zum großen Teil auf die Anlieger umgelegt werden, betragen 280.000 Euro. Bei der Buchstraße wird mit netto 190.000 Euro kalkuliert. Notwendig wird laut Planer Mooser die Neupflanzung der Dorflinde an der Weitung zur Sonnenstraße.

Auf der Halde im Westen der Ortschaft wird zur höher gelegenen Weldener Straße hin eine Stützmauer erforderlich. Die bereits bestehende Mauer vor dem Anwesen des Altbürgermeisters Franz Haibl am westlichen Wendehammer kann bleiben. Zudem werden zwei Fußwege am Hang Richtung Süden angelegt, was freilich die Gemeinde übernimmt. Die Baukosten werden dort auf 240.000 Euro beziffert.

In Welden sind am Weg zur Forellenstube laut Bürgermeister Karg zwei Anlieger nicht bereit, ein Teil ihres Grundstücks für eine Verbreiterung der Straße herzugeben. Daher wird die Fahrbahn im nördlichen Abschnitt nur auf drei Meter Breite ausgebaut. Der Schulbus kann deswegen nicht mehr in das Quartier reinfahren und hat künftig keine Wendemöglichkeit, hieß es im Gemeinderat. Die Haltestelle wird verlegt. Der Buss muss an einer Einmündung wieder rückwärts auf die Straße zurückstoßen. Baukosten in Welden: 225.000 Euro. Beachtet werden müssen in Welden unterirdische Wasserläufe; sie speisen die Teiche einer nahegelegenen Fischzucht.

Auf die betroffenen Anlieger kommen bei den vier Ausbaumaßnahmen meist fünfstellige Beträge zu. Insgesamt summieren sich die Erschließungsarbeiten an den vier Straßen auf mehr als 900.000 Euro, wobei die Mehrwertsteuer und die Planungskosten noch extra berechnet werden.

Der Eschenweg in Asch, an dem auch Bürgermeister Karg zu Hause ist und als betroffener Anlieger mitzahlen darf, soll als fünfte Ausbaumaßnahme über das Ingenieurbüro Buchner betreut und separat angegangen werden.

Johannes Jais

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