Gesucht: Mieter für die Passage

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Vor allem Leerstände: Ein trostloses Bild gibt im Moment die Zederpassage ab.

Landsberg – Jetzt auch das Café „Remmy's“ – Ende September schließt ein weiteres Geschäft in der Zederpassage. Dann sind gerade noch drei Läden offen. „So, wie es hier aussieht, hetzen die Leute nur noch durch“, sagt Ursula Vogt, die im Café arbeitet, „es gibt keinerlei Anreiz mehr, hier stehenzubleiben und etwas zu konsumieren.“

Angesichts der geschlossenen Fronten vermuten unter anderem ehemalige Ladenbesitzer, dass der Eigentümer andere Pläne mit der Immobilie habe und überhaupt nicht mehr am klassischen Geschäft interessiert sei. Eine Spekulation, der Peter Gain energisch widerspricht. Der Wirtschaftsprüfer ist Vorstand der „Stiftung Zukunft Mensch“, die die Passage im März vergangenen Jahres gekauft hat. „Wir suchen händeringend Mieter“, beteuert Gain, „warum sollten wir denn an irgendetwas anderem Interesse haben?“

Ohnehin sind der gemeinnützigen Stiftung bis auf weiteres die Hände gebunden. Sie muss die Passage aus steuerlichen Gründen mindestens zehn Jahre betreiben. Auch eine andere Nutzung – der Textilmarkt H&M würde dort gerne erweitern – ist schon wegen eines eingetragenen Wegerechts nicht möglich. Unter anderen Voraussetzungen könnte der Weiterbestand allerdings tatsächlich gefährdet sein, wie der Rechtsanwalt offen einräumt. „Man muss ganz ehrlich sagen, dass es am wirtschaftlichsten wäre, die Immobilie zu schließen.“

Gain spricht auch frank und frei an, dass es ein Fehler gewesen sei, das Objekt überhaupt zu kaufen. „Das war eine Fehleinschätzung des Vorstandes, also von mir. Wir haben sonst nur Triple-A-Immobilien, wir haben nicht geahnt, dass wir gerade da so viel Theater haben würden.“ Drei Läden waren geschlossen, als die Stiftung die Passage erwarb. „Dass es bei mehreren anderen schon seit längerem Probleme mit der Miete gab, war uns da nicht bekannt“, so Gain. Danach begann sich die die Abwärtsspi­rale zu drehen und ein Laden nach dem anderen schloss.

Miete reduziert

Die Schuld dafür machten einige Besitzer unter anderem an den angeblich zu hohen Mieten fest, von bis zu 60 Euro pro Quadratmeter war die Rede. Beträge, die der Vorsitzende des Stiftungsrates zurückweist. „Wir haben die Miete nach der Übernahme um 30 Prozent gesenkt und verlangen zwischen 20 und 25 Euro, das ist für einen Marktstand nicht viel. Und wir kommen den Mietern auch noch entgegen, soweit es geht.“ Wenn aber über sechs Monate keine Miete bezahlt werde, seien die Konsequenzen unausweichlich. „Wir haben als Stiftung gemeinnützige Ziele, aber das ist nicht die Subventionierung von Marktständen in Landsberg.“ Ohnehin würden die Läden „das Geschäft über den Umsatz und nicht über Kosteneinsparungen machen.“

Dass die Passage renoviert werden muss, um wieder attraktiver zu werden, stellt Peter Gain nicht in Abrede, dass man hier auf Zeit spiele, wie von Ladnern bemängelt, sei aber nicht wahr. „Wir haben die Immobilie im letzten Jahr gekauft, dass man nicht sofort mit der Renovierung anfängt, sollte verständlich sein.“

Inzwischen liegen Pläne eines Architekten vor, bis zum kommenden Frühjahr sollen die Arbeiten möglichst abgeschlossen sein. Dabei ist noch offen, ob die Läden wieder mit Holzverschlägen oder mit Glasfronten ausgestattet werden. Gain: „Das ist nicht nur eine Kostenfrage. Bei einer Glasscheibe muss ein Laden ja auch innen schön aussehen und vor allem belegt sein.“ Zudem will man mit Heizmatten dem Problem zuleibe rücken, dass es bisher im Winter ungemütlich kalt in der Passage ist.

Mit Zwischenmieter?

Die Baumaßnahme dürfte mit über 50000 Euro zubuche schlagen – Geld, das in der Passage vermutlich kaum wieder zu erwirtschaften ist. Darin liege aber auch gar nicht das Hauptinteresse der Stiftung, wie Gain klarstellt: „Wenn das Null auf Null aufginge, wären wir schon herzlich zufrieden. Wir wollen nur nicht, wie im Moment, jeden Monat über 10000 Euro zuschießen.“ Zudem sei das Objekt auch mit zu großem Aufwand verbunden. „Wir haben Immobilien im Wert von über 30 Millionen Euro, aber 80 Prozent der Arbeit haben wir mit Landsberg.“ Um das zu ändern, denkt man inzwischen darüber nach, einen gewerblichen Zwischenmieter zu installieren und ist bereits in Gesprächen mit der Immobilienverwaltung, die den nebenan liegenden Zedermarkt betreut. „Das muss jemand machen, der jeden Tag vor Ort ist“, sagt Gain.

Der Stiftungsvorstand setzt derweil seine Hoffnungen auch auf das Ende des Hauptplatz-Umbaus. „Wenn der Platz fertig ist, sollte es auch wieder Chancen geben, zu vermieten.“ Von der These eines beauftragten Marketing-Experten, man müsse sich als Eigentümer zwischen Lebensmittelläden oder einer „Fressgasse“ entscheiden, hat man sich bei der Stiftung inzwischen wieder verabschiedet. „Ich denke, dass das sehr gut zusammen geht, nur der Mix muss stimmen“, meint Peter Gain, der als wichtigsten Mieter zunächst einen Brotladen sieht.

Und das Gerücht, dass die Stiftung nur noch kurz laufende Verträge anbiete oder eine Unterschrift gleich ganz verweigere? Laut Gain reiner Unsinn: „Noch einmal: Dass dort so viele Läden geschlossen sind, ist nicht durch uns verursacht worden und von uns auch nicht gewünscht. Ein Mieter kann bei uns morgen einen Zehn- oder Fünfzehn-Jahres-Vertrag unterschreiben, wir würden uns sehr freuen.“

Christoph Kruse

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