Leider nur Mathematik:

Was die Lockerungen in der Coronakrise bedeuten - ein Kommentar

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Den Mund-Nasenschutz zu tragen heißt auch, sich verantwortungsvoll gegenüber anderen zu verhalten.

Landkreis - In der vergangenen Woche starb die erst 41 Jahre alte Geschäftsführerin der niederbayerischen Unternehmensgruppe Bergler ohne Vorerkrankungen am Coronavirus. Marion Bergler gehört zu den mittlerweile rund 1.200 Menschen, die in Bayern durch die Epidemie ihr Leben verloren haben. Kein Bundesland ist so stark betroffen wie der Freistaat. Oberbayern steht mit fast 20.000 Erkrankungen und 400 Toten weit vorn.

Manche von Ihnen freuen sich auf die Lockerungen, die der Bund und die Länder vereinbart haben. Und viele Einzelhändler sehen in der Wiedereröffnung ihrer Geschäfte in dieser und der nächsten Woche einen Hoffnungsschimmer. Ja, es stimmt: Die Politik darf wirtschaftliche Tätigkeit nach dem Grundgesetz nur im absolut notwendigen Umfang beschränken. Und nachdem es gelungen ist, ein Krankenhaus-Chaos wie in Bergamo zu verhindern, darf sie den lauter gewordenen Ruf nach Öffnung nicht ängstlich ignorieren. Deswegen waren die neuen Regelungen alternativlos.

Aber diese Maßnahmen beruhen allein auf Mathematik: Die durch die Lockerungen zu erwartende steigende Zahl der Infektionen ist in den Kliniken verkraftbar. Mehr ist nicht gesagt. Ansteckend ist Covid-19 morgen nicht weniger als gestern. Elendig sterben werden die Menschen nach wie vor daran. Die Politik hat keine Entwarnung gegeben, sondern nur die Verantwortung an die Bürger zurück übertragen.

Damit kommt es jetzt auf Sie an. Bleiben Sie, wenn Sie krank sind, zuhause. Gehen Sie in ein Geschäft, dann handeln Sie bitte nach dem Prinzip: (M)aske aufsetzen. (A)llein hinein. (A)bstand halten. Hände-Desinfizieren vor und nachher wäre empfehlenswert. Ihre Maske - offiziell "Mund-Nasen-Bedeckung" - schützt Sie zwar nicht davor, sich mit dem Virus zu infizieren. Mit der Nutzung sind aber zwei wichtige Signale verbunden. Das eine heißt: "Ich handele anderen gegenüber mit Verantwortung." Das zweite ist: "Ich erwarte von jedem Besucher (und Mitarbeiter), ebenfalls eine Maske zu tragen und damit mein Infektionsrisiko zu reduzieren". Die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung vom Montag, eine Maskenpflicht beim Einkaufen und in Verkehrsmitteln einzuführen, war notwendig - der vorherigen "dringenden Empfehlung" wäre nicht jeder gefolgt.

Vielfach missverstanden wird die neue Regelung zur „weiteren Person“. Nach der Zweiten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung vom 16. April 2020 ist das Zusammentreffen „mit einer weiteren nicht im Hausstand lebenden Person“ ausschließlich während „Sport und Bewegung an der frischen Luft“ gestattet; auch dabei gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Diese Lockerung schafft nicht das Recht, Eltern oder Freunde auf ihrem Grundstück oder in ihrer Wohnung, etwa zum Kaffeetrinken oder Grillen, zu besuchen. Schon am Wochenende, also noch vor Inkrafttreten der neuen Bestimmung, sind hier Dämme gebrochen. Die „Hallo, Opa!“-Rufe von Kindern waren in den Gärten unüberhörbar.

Viele Landsberger handeln immer noch vorbildlich. Manche aber sind der Krise überdrüssig. Jüngere meinen, ihnen könne doch nicht viel passieren. Ältere machen geltend, sie müssten ja mal sterben. Aber jeder Infizierte mutiert zur Virenschleuder. Wer leichtsinnig wird, wird Virenwirt. Leichtsinn ist russisches Roulette und neuer Tode Anfang. Das darf man deutlich sagen – und zwar jedem, der es hören muss.
Werner Lauff

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