Leises Geheul in Unterdießen

Über einen zu­nächst absonderlich scheinenden Antrag hat sich der Gemeinderat jüngst befasst. Die Feuerwehr Oberdießens wünschte sich eine zweite Sirene. „Im engeren und weiteren Umkreis gibt es kein Dorf, das über zwei Sirenen verfügt“, wunderte sich Bürgermeister Dietmar Loose über diesen Antrag.

Was macht ein Feuerwehrmann eigentlich nachts? Normalerweise schläft er, wie jeder andere Bürger. Jetzt will es aber der Zufall immer wieder, dass Feuer gerne nachts ausbricht oder Unfälle auf einer Bundesstraße sich ereignen. Dann soll ein möglichst lautes Signal den süß Schlummernden unsanft aus dem Bett werfen, damit er hastig in die bereitliegende Kleidung schlüpfe und zum Feuerwehrhaus eile. Ein solches Signal ist ein ohrenbetäubendes Sirenengeheul. Es ist in der Regel weithin hörbar. Selbst nicht in der Feuerwehr Aktive holt sie rüde aus ihrem Tiefschlaf. Wenn nun aber, wie in diesem Fall, die bewusste Sirene an dem einen Ende des Ortes angebracht ist, unser Floriansjünger jedoch am entgegengesetzten Ende wohnt? Da kann es schon vorkommen, dass er das Signal schlichtweg überhört. Die baulichen und landschaftlichen Gegebenheiten verhindern den Weg der vom Schallorgan aus gesendeten Wellen an das schlafende Ohr. Über SMS? Ein ungewollter Umstand, der in Oberdießen laut Feuerwehrkommandant wohl häufiger vorkommt – zuletzt bei dem entsetzlichen Brand eines Hofes in Leeder. Was liegt also näher als eine zweite Sirene im Ort zu installieren? Zunächst debattierte man im Gemeinderat ausgiebig über Kosten und mögliche Alternativen. Der Vorschlag, über SMS den Alarm zu kommunizieren, fiel sofort durch, das sei keine zu­lässige Alarmierung. Alle Aktiven mit Piepsern auszustatten wie Ärzte fand auch nur wenig Gegenliebe. Bei einem durchschnittlichen Preis von 150 Euro sei das keine wirkliche Wahl­möglichkeit. Eine nagelneue Sirene, hatte Loose eruiert, koste mindestens 10000 Euro – indiskutabel, angesichts der knappen Haushaltslage der Gemeinde. Allerdings hatten sich die Floriansjünger gut vorbereitet. Ihre Erkundigungen erbrachten weit geringere Kosten. Zwischen 2000 und 3000 Euro müsse man für ein general­überholtes, gebrauchtes Gerät inklusive Anschluss hinlegen. In die Dorfmitte! Wieso verlegt man die Sirene nicht einfach ins Dorf, am besten auf den Kirchturm? Ob die Kirchenverwaltung darüber so glücklich sei, wagte Bürgermeister Loose zu bezweifeln. Nachdem man also eine Weile alle Argumente abgewogen und bedacht hatte, entschied sich die Mehrheit der Ratsmitglieder gegen die Anschaffung und dafür, den Bürgermeister mit der Suche nach einem neuen Standort in der Ortsmitte zu beauftragen. So soll in Zukunft gewährleistet sein, dass die Feuerwehrmannschaft vollzählig und wie gewohnt rechtzeitig am Ort des Geschehens eintreffe.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"

Kommentare