Leiser Abschied durch die Hintertür

Leiter der Mittelschule Landsberg Christian Karlstetter im Ruhestand

Christian Karlstetter
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Nach 42 engagierten Jahren im Schuldienst jetzt im Ruhestand: der langjährige Schulleiter der Mittelschule Landsberg Christian Karlstetter.

Landsberg – Seit vier Monaten ist Christian Karlstetter, langjähriger Leiter der Mittelschule Landsberg, im Ruhestand. Einen offiziellen Abschied gab es für ihn nicht. Corona machte das nicht möglich. Aber auch seitens der Stadt Landsberg gab es keinerlei Information zu seinem Ausscheiden. Kommissarisch vertritt ihn derzeit Anja Schweikert. Auch das wird eher zufällig, in einer Pressemeldung, bekannt. 

Gegangen ist Karl­stetter schon früher, zum Beginn vergangenen Jahres. „Die Belastung insbesondere der letzten sieben Schuljahre mit zwei Schulhäusern hat selbst meine Kraft an die Grenzen gebracht, so dass ich ab Februar in den Krankenstand getreten bin“, sagt er. Seit Mitte September ist Karlstetter nun nach 42 Dienstjahren – 25 Jahre davon in der Schulleitung – offiziell im Ruhestand.

Im Jahr 1979 trat der heute 63-Jährige seinen Dienst als Lehramtsanwärter im Landkreis Fürstenfeldbruck an. Vier Jahre Mobile Reserve, Umzug nach Landsberg, bis 1995 Lehrer an der Volksschule Weil, gleich im Anschluss Konrektor der Schlossbergschule und schließlich weitere zwei Jahre später deren Leiter. Wichtige Stationen: die Einrichtung von M- und Kooperationsklassen sowie der Offenen Ganztagsschule. In all den Jahren gelang es Karlstetter durch vielfältige Projekte und Aktionen sowie die Gestaltung der Schulumgebung – etwa die Anlage eines schuleigenen Gartens –, die Schule zu einem lebensfrohen Arbeitsplatz für Schüler und Kollegen zu machen.

„Mir war es immer wichtig, dass meine Schüler möglichst viel Kunst und Kultur mitbekommen konnten“, sagt er. Realisiert hat er das durch regelmäßige Theater- und Kinoveranstaltungen, die Zusammenarbeit mit Schauspielern, Künstlern und Kulturvereinen sowie die Teilnahme an Wettbewerben oder Schulpartnerschaften.

Hinzu kamen seine „Nebentätigkeiten“: Referent für Verkehrs­erziehung, Fachberater für Unfallverhütung, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, Ausbilder in der Ersten Hilfe beim Roten Kreuz, Autor bei Verlagen und zuletzt Kurator bei der Europäischen Holocaustgedenkstätte, mit der er das Projekt „Schüler führen Schüler“ entwickelte.

Aus zwei mach eins

2013 dann die Idee der Stadt Landsberg, Ost und West, also Schlossberg- und Fritz-Beck-Schule, organisatorisch zu vereinigen – zur Mittelschule Landsberg. Ab da sei es schwierig geworden, so Karlstetter. Der organisatorische Aufwand habe sich nahezu verdoppelt, wie auch die Kollegen- und Schülerzahl. „Es ist nicht immer leicht gewesen, die unterschiedlichen Kollegien auf ein gemeinsames Ziel einzus­chwören“, meint er. Gleiches Niveau in beiden Häusern hinzubekommen, sei eine „Herkulesaufgabe“ gewesen.

Bis zur räumlichen Zusammenlegeung der Schulen dauerte es noch. Sechs Jahre musste Karl­stetter einen Stundenplan für zwei Schulgebäude schreiben, täglich bis zu dreimal zwischen den Schulhäusern hin- und herpendeln.

Die Zeit war geprägt von Bauplanungen, Baustellen und Umzügen. „Die letzten drei Jahre war ich nicht länger als eine Woche von Landsberg und der Schule weg“, sagt Karlstetter. Anders sei eine Inbetriebnahme des Hauses im September 2019 nicht denkbar gewesen. Und die generierte weitere Herausforderungen: Das neue Gebäude sei zum Zeitpunkt des Schulbeginns „vorne und hinten nicht fertig gewesen“, so Karl­stetter. Der in seinen letzten Monaten noch die Infrastruktur sowie die Anschaffung der Geräte ermöglicht hat – somit die Grundsteine der Digitalisierung legte. Dass das so schnell so wichtig wird, habe er da noch nicht geahnt. Und ist froh, dass er Entscheidungen im Zuge von Corona als Schulleiter nicht mehr tragen muss.

Nicht selten habe er eine 60-Stundenwoche gehabt. Das seien oft physische, aber auch psychische Belastungen gewesen. „Meine Energie hat zum Schluss nicht mehr ausgereicht, den eigenen Vorstellungen gerecht zu werden,“ sagt er. Gleichzeitig habe es viele schöne Momente und freundschaftliche Begegnungen gegeben. Auf „salbungsvolle Worte“ zum Abschied verzichte er jedoch gern.

„Corona hat es mir möglich gemacht, meinen Posten lautlos, durch die Hintertür, zu verlassen“, sagt er. Der leise Abgang sei ganz in seinem Sinne: „Ich habe viel bewegt, da brauche ich nicht noch einen bewegenden Abschied.“ Karlstetter genießt nun seine ehrenamtliche Arbeit im Klostergarten. „Das ist heilsam für mich.“ Endlich habe er mehr Zeit für seine Frau und seinen Enkel. Und mit Schule und Erziehung – da habe er nun „nichts mehr am Hut“.
Andrea Schmelzle

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