Leitungswechsel an der Musikschule Landsberg

Lothar Kirsch geht, Birgit Abe kommt

Lothar Kirsch und Michael Asam
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Noch-Musikschulleiter Lothar Kirsch (rechts) mit Michael Asam, dem früheren Vorsitzenden des Fördervereins der Musikschule Landsberg.

Landsberg – Seit 15 Jahren leitet Lothar Kirsch die Musikschule Landsberg. Nun gibt es einen Wechsel. Zum 1. März verabschiedet er sich in den Ruhestand. Das hat Kirsch in einem Gespräch mit dem KREISBOTEN bestätigt. Seine Nachfolgerin steht schon fest: Birgit Abe, die das Jugendsinfonieorchester sowie das Kammerorchester der Musikschule leitet, wird nahtlos sein Amt übernehmen. 

„Meine Rente wartet auf mich“, sagt Lothar Kirsch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Bis Ende Februar ist er noch „im Dienst“. Bis dahin zu warten, war wichtig für ihn. Denn im März 2021 findet der Landeswettbewerb ‚Jugend Musiziert‘ in Kempten statt. „Den wollte ich unbedingt noch organisieren und die Vorbereitungen betreuen“, sagt Kirsch, für den der Wettbewerb schon immer eine große Bedeutung hatte.

Eigentlich ist Lothar Kirsch aus der Musikschule fast gar nicht mehr wegzudenken. Insgesamt mehr als 30 Jahre war er hier tätig. 1986 hat er als Lehrer mit dem Hauptfach Gitarre begonnen. Seine Aufgabe habe er immer wichtig genommen und fortlaufend ausgebaut. Zum Beispiel Reisen mit seinen Schülern getätigt oder CDs aufgenommen. 2005 übernahm er schließlich die Leitung der Musikschule Landsberg. Und löste damit Karel Zepnik ab, der damals auf die Bayerische Musikakademie nach Marktoberdorf wechselte. Zepnik machte sich sehr für die Gesangsausbildung stark. „Durch ihn war es hier sehr chorlastig damals“, erzählt Kirsch. Er habe die Schule wieder etwas breiter aufstellen wollen.

Das gelang ihm. Zum einen, indem er viele Kooperationen einging, etwa mit Kulturprojekten wie dem RuethenFestSpiel. Aber auch mit verschiedenen Landsberger Kindergärten im Bereich musikalische Früherziehung sowie mit der Grundschule in der Katharinenvorstadt, in der Chorklassen aufgebaut wurden. 2007 gründete er die Streicherklasse an der Grundschule am Spitalplatz, die später an die Grundschule Platanenstraße wechselte. Zeitgleich stellte er Birgit Abe als Lehrkraft ein. „Mit solchen Aktionen haben wir Kinder erreicht, die sonst keinen Bezug zur Musik bekommen hätten“, sagt Kirsch.

Großes hatte Lothar Kirsch gemeinsam mit dem damaligen musikbegeisterten Oberbürgermeister Ingo Lehmann vor. „Ein Haus der Musik, einen Konzertsaal, eine ganze Stadt der Musik wollten wir aufbauen“, berichtet Kirsch. Allerdings seien diese Ideen mit Lehmanns finanzieller Verkalkulierung im Jahr 2012 schnell weggespült worden. Nun habe man im Gegenteil alles herunterfahren und Einsparpotenziale suchen müssen. „Da haben wir wirklich an allen Schrauben gedreht“, sagt Kirsch, „und sind nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Schule im Aufwind

Nach und nach hat er die Musikschule wieder auf die Beine gebracht. Mit derzeit mehr als 1.000 Schülern und 24 Lehrkräften. Mit der ganzen Palette an Bord, Instrumentalklassen von Flöte über Klavier, Schlagwerk bis hin zu den Bläsern und Streichern. Äußerst motivierte und engagierte Lehrkräfte hätten ihm dabei geholfen. „Es kam plötzlich eine unheimliche Qualität in unser Haus“, erzählt Kirsch. Eine „riesige Streicherfamilie“ sei etwa entstanden – bis hin zu den beiden Orchestern, dem Kammer- und dem Jugendsinfonieorchester, die mittlerweile von Birgit Abe geleitet werden.

Birgit Abe als Laudatorin bei der Verleihung des Kulturförderpreises im Stadttheater. Sie übernimmt Kirschs Amt.

Dass Abe nun seine Nachfolge antritt, freut Lothar Kirsch. Zum einen, „weil sie weiß, wie es hier läuft“. Zum anderen weil er sie schon immer als ausgesprochen engagiert und mit vielen neuen Ideen im Gepäck erlebt habe.

Die Musikschulleiterin in spe, die 1971 in Wiesbaden geboren wurde, begann als Sechsjährige mit dem Klavierspiel. Einige Jahre später kam die Geige hinzu – für die sie sich letztendlich entschied. Sie studierte an der Hochschule für Musik in Detmold. Nach einem Praktikum im Gewandhausorchester zu Leipzig und einer einjährigen Tätigkeit als Geigerin bei den Augsburger Philharmonikern beschloss sie, sich hauptsächlich der pädagogischen Tätigkeit zu widmen. Von ihren Violin- und Violaschülern sind viele als erste Preisträger bei dem Wettbewerb Jugend Musiziert hervorgegangen. Seit 2010 leitet sie das Jugendsinfonieorchester sowie das Kammerorchester der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg.

Kirsch blickt auf erfolgreiche Zeiten sowie viele schöne Veranstaltungen und Auftritte zurück, mit ganz unterschiedlichen Programmen, die er nicht missen möchte. Aber Aufhören, wenn‘s am Schönsten ist – das treffe für ihn gerade nicht zu. Gerade in der letzten (Corona-)Zeit sei es nicht leicht für ihn gewesen. Insgesamt 60 Veranstaltungen mussten abgesagt werden, die alle schon mit Herzblut organisiert waren. Das habe ihn getroffen. Diese letzte Phase sei eine echte Herausforderung gewesen und auf seine Kräfte gegangen, meint er. Birgit Abe werde Anfang März in dieser Situation keinen leichten Start haben.

Dann packe ich die E-Gitarre aus

Lothar Kirsch

Abe selbst ist aber froh, dass sie die Möglichkeit hat, jetzt schon in verschiedene Aufgaben hineinschnuppern zu dürfen. „Es ist ein großes Amt, das ich übernehme“, sagt sie. Sie freut sich auf die neue Aufgabe. „Ich möchte offen auf die Dinge zugehen und der Musikschule den Platz zuweisen, den sie in Landsberg verdient.“

Es seien viele Herausforderungen, die sie gerne annehme. Zunächst schaue sie sich alle Bereiche an – einige könne man sicherlich stabilisieren oder sogar erneuern. Da hoffe sie auch auf ein Entgegenkommen der Stadt. Natürlich müsse man jetzt zunächst sehen, wie es weitergehe mit Corona. Damit zurechtkommen und trotzdem offen sein für neue Ideen – das sei ihr wichtig. „Und vielleicht erweitert es ja auch den Horizont“, meint sie. Auch wenn Veranstaltungen abgesagt würden – wie jetzt etwa das Streicher-Konzert im Rathaussaal. Man brauche auf jeden Fall immer Ziele.

Die hat auch Lothar Kirsch weiterhin. Und Träume. Er könne sich sogar nochmal ein Studium vorstellen, sagt er, Psychologie vielleicht. Ideen gebe es genügend. Und als Musiker sowieso. Bei ihm Zuhause gebe es eine Gitarre, eine Violetta und eine Renaissancelaute, die nur darauf warten, bespielt zu werden. „Vielleicht packe ich aber auch meine E-Gitarre wieder aus“, schmunzelt Kirsch. „Damit war ich in meiner Jugend heftiger unterwegs.“
Andrea Schmelzle

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