Ein Käfig voller Seele

"Soul Cage" und "Punktum" schmücken seit heute das Landratsamt

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Mitten im Tulpenfeld vor dem Landratsamt thront bis zum 6. Juni Thomas Lenharts „Soul Cage“. Der Künstler baute ihn heute mit seinem Sohn Felix (hinten) auf.

Landsberg – Zwei Objekte zieren seit heute das Landratsamt. Auf der einen Seite „Punktum“ von Nani Weixler, eine Fahne mit rotem Punkt. Ihr gegenüber ein Käfig im Käfig: zwei Rechtecke ineinander, außen 2 x 2 x 6 Meter, innen halb so groß. Keine Miniatur, aber dennoch scheinbar schwerelos, auch wenn der „Soul Cage“ von Thomas Lenhart rund 400 Kilo wiegt. Beide Objekte kündigen die Kreiskulturtage unter dem Motto „Mut“ an. Und den braucht man, wenn man sich auf die Stühle setzen will, die unter dem schwebenden Schwergewicht Platz finden sollen – „zum Diskutieren über Sinn und Unsinn der modernen Kunst“, lacht Lenhart.

„Es ist das erste Mal, dass ich den Käfig bei Sonnenschein aufbauen kann“, freut sich Lenhart, der mit seinem Sohn Felix das Merkmal das Signet für die Kreiskulturtage vor dem Landratsamt aufgebaut. „Tatsächlich habe es bisher immer geregnet, „eine Umbenennung zu Rain Cage stand schon parat“, lacht der Künstler. Mitten im Tulpenbeet liegt das Werk aus Stahl, eine Schlaufe um den Findling gelegt, um den Sechs-Meter-Turm mittels Seilwinde in die Vertikale hebeln zu können.

Das Wort ‚Seelenkäfig‘ lässt Raum für Interpretation: „Die Titel entstehen erst im Nachhinein“, sagt Lenhart. Am Anfang steht bei ihm der Wunsch, mittels Linien zu Flächen zu gelangen, um schließlich Raum zu gestalten: „Eine 3D-Umsetzung von grafischen Linien. Umspannen, bespannen, durchspannen.“ Und das nach Möglichkeit aus einem einzigen Stahlfaden. So ist auch beim „Soul Cage“ das Gitter, das das innere Rechteck umspannt, aus einem Faden konstruiert. „Es ist eine Riesenarbeit, diesen Stahlfaden durch die Ösen einzuspannen“, beteuert Lenhart. Damit alle Seiten unter gleicher Spannung stehen, ohne Knicke.

Zu sehen war der ‚Seelenkäfig‘ schon an anderen Plätzen. Zum Beispiel letztes Jahr im Kultursommer in Bad Wörishofen vor dem Kurtheater. In Lenggries auf dem Rathausplatz oder auch im Garten des ehemaligen Ateliers Lenharts in Schondorf.

Gesichert wird die Stahlkonstruktion mit Verankerungen im Boden. Obwohl, „auch ohne Verankerung hält die Skulptur zehn Windstärken gut aus“, versichert der Künstler. Das innere Rechteck hängt dabei schwingungsfest an vier Stahlseilen. Dennoch, bei ersten Aufstellungen waren die Menschen eher skeptisch, erzählt Lenhart. Weshalb er schließlich einen Stuhl drunterstellte und sich setzte, um zu zeigen: „Es passiert nichts.“

Trotzdem braucht man Mut, um sich an den Tisch unter das ‚Stahlmonster‘ zu setzen. Oder wie Lenhart fomuliert: „Um sich unter die Moderne zu setzen.“ Weshalb Kreiskulturtage-Initiatorin Annunciata Foresti auch auf die Idee kam, Lenharts Konstruktion als ‚Wegweiser‘ vor dem Landratsamt aufzubauen.

Ganz federleicht wirkt im Gegensatz zum „Soul Cage“ Nani Weixlers „Punktum“.

Der Käfig steht dabei in robustem Kontrast zu dem zweiten Objekt, das vor den Toren des Landratsamtes auf die Kreiskulturtage hinweist: „Punktum“, eine schimmernde Fahne der Dießener Textil- und Lichtkünstlerin Nani Weixler. Die 4 x 4 Meter große Fahne in zwölf Meter Höhe ist aus weißem Organza, auf der ein Kreis in orangeroter Seide prangt, und wiegt gerade mal ein Zehntel des Käfigs: 450 Gramm. Eine mutige Konstruktion der Künstlerin, denn der Stoff sieht äußerst ‚verletztlich‘ aus. Und weil das Organza auch so verletzlich ist, aber dennoch dem Wind trotzen soll, ist der rote Punkt an vielen Stellen durchbrochen, um weniger Angriffsfläche zu geben. Beide Werke werden bis zum 6. Juni vor dem Amt zu sehen sein.

„Den Käfig könnte der Landkreis auch gleich kaufen, der passt gut hierher“, sagt Lenhart mit Augenzwinkern. Der Preis: 28.000 Euro. Dafür gäbe es dann aber auch noch einen Edelstahlkäfig drumrum.

Jetzt bleibt abzuwarten, ob sich Mutige finden, die über Sinn und Unsinn der Kunst unterm Damokleskäfig und neben dem Punkt diskutieren wollen. Einer scheint bereits gefunden: Landrat Thomas Eichinger, der in seiner Funktion als Laienschauspieler unterm Seelen-Käfig zum Thema „Mut“ Literarisches lesen will. Der Termin für diese Mutprobe steht allerdings noch nicht fest.

Susanne Greiner

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