Bauernregel verheißt nichts Gutes

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Das Modell St. Leonhard auf dem Weg zum Original. Die Uttinger Kirche im Miniformat wurde beim traditionellen Leonhardi-Ritt bestaunt. Leider hielt das schlechte Wetter viele Stammzuschauer vom Besuch ab.

Utting – Wenn man der alten Bauernregel glauben will, dann haben wir die nächsten Wochen Regen und Schnee zu erwarten: „Wie‘s Wetter an Leonhardi is, bleibt‘s bis Weihnachten g‘wiß“. Alles andere als gnädig zeigte sich nämlich der Wettergott beim traditionellen Leonhardi-Ritt in Utting. Kälte, Dauerregen und dazwischen erste Schneeflocken hielten viele Uttinger davon ab, zur St. Leonhard-Kirche zu kommen, die traditionsgemäß dreimal von den Reitergruppen und Motivwagen umrundet wurde. Gerade mal ein paar Hundert dick eingemummte Zuschauer mit Regenschirmen bestaunten den wetterbedingt abgespeckten Zug. Auch der geplante Weg durchs Dorf wurde kurzfristig abgesagt.

Auftakt der Leonhardi-Feierlichkeiten war der Festgottesdienst in der Kirche St. Leonhard, den erstmals Pater Xaviour Namplampara zelebrierte. Unter den Gläubigen: Landrat Thomas Eichinger, Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger und die Landtagsabgeordneten Thomas Goppel und Alex Dorow. Währenddessen formierte sich in der nahen Industriestraße der Zug mit Reitern, Kutschen und Motivwagen der Teilnehmer aus Utting, Peißenberg, Unterbeuern, Burggen, Etting, Holzhausen, Dettenschwang, Bernbeuren und Wengen. Die Pferde wurden dem Anlass entsprechend aufgehübscht: Die Mähne geflochten und in den Schweif ein farbiges Band eingefädelt.

Uttinger Leonhardi-Ritt bei erstem Schnee

Nach dem Gottesdienst erwartete die Geistlichkeit auf einem extra errichteten Podium den Zug, angeführt von Vorreitern mit Kreuz und den Standarten des Leonhardi-Vereins Utting und des Patenvereins Burggen. Die Segnung der Pferde und das gemeinsame „Vaterunser“ von Beteiligten und Zuschauern beendete den offiziellen Teil. Musikalisch wurden die Umrundungen der Kirche begleitet von den Blasmusikfreunden Utting und den Uttinger Jagdhornbläsern.

Michael Bauer, rühriger Vorstand des Leonhardi-Vereins, fungierte als Moderator und erklärte die aufwendig geschmückten Motivwagen wie „Erntedank“, „Hl. Josef“ oder „Die sieben Werke der Barmherzigkeit“. Wie immer dabei die diesmal wetterbedingt geschlossene „Ehrenkutsche“ mit Landrat, Bürgermeister und Pfarrer. Und der Wagen mit der wertvollen Figur des Hl. Leonhard. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde vom Landsberger Künstler Lorenz Luidl (1645 bis 1719) angefertigt. Die kostbare Requisite wird in der Ortskirche Maria Heimsuchung aufbewahrt und bekam vor einigen Jahren eine Plexi­glashülle, damit sie bei schlechtem Wetter geschützt ist.

Wie jedes Jahr wurde das Modell der Kirche St. Leonhard bestaunt, als es das Original aus dem Jahr 1719 umrundete. Die Kirche hat übrigens zwei seitliche Eingänge an Haupt- und Nebenstraße. Bei den ersten Uttinger Leonhardi-Feiern ab 1780 ritten die Teilnehmer nämlich quer durch die Kirche und holten sich vor dem Altar ihren Segen ab.

Seit 1982 hält der Uttinger Leonhardi-Verein die Tradition aufrecht, die an den im sechsten Jahrhundert gestorbenen Leonhard von Limoges erinnert. Er galt erst als Schutzpatron und Fürsprecher der Gefangenen, später als „Bauernherrgott“ für alle Belange des bäuerlichen Lebens sowie für Hornvieh und Rösser. Landwirte und Fuhrmannsleute riefen ihn an und baten um Schutz für ihre unentbehrlichen Last- und Arbeitstiere. Daraus entwickelte sich der Bauernspruch „Nach der Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“.

Der Uttinger Leonhardi-Ritt am Ammersee-Westufer gehört neben Bad Tölz, Kreuth, Warnau und Fürstenfeldbruck zu den sog. „großen Umritten“ und wird in allen Fremdenverkehrsführern wegen seiner ideenreichen Motivwagen gerühmt.

Den Abschluss des Leonhardi-Festes bildete wie jedes Jahr eine zünftige Brotzeit in der nahen Reithalle Sedlmeir, wo Teilnehmer, Honoratioren und Gäste den Vormittag gesellig ausklingen ließen.

Dieter Roettig

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