Letzte Ruhe unter dem Baum

Wenn’s doch in der Friedhofssatzung steht… Cartoon: Pfeffer

Was auf den meisten großen Gottesäckern der Republik längst Standard ist, soll ab August endlich auch im Waldfriedhof möglich sein: die Bestattung unter Bäumen. Auf drei ausgewiesenen Arealen ist Platz für insgesamt 634 Urnen. Ein „bisserl absurd“ findet es OB Ingo Lehmann, dass die neue Bestattungsform nur auf jenen Bereichen erlaubt ist, die im Flächennutzungsplan nicht als Wald ausgewiesen sind.

Mit einem Engpass auf dem Waldfriedhof ist dennoch nicht zu rechnen. Da schon jetzt rund 80 Prozent aller Begräbnisse als Urnenbestattung erfolgen, werden mittelfristig Grabflächen auch für neue Formen frei, betonte Lehmann am Mittwoch im Finanzausschuss. Er rechnet mit einem „erheblichen Rückbau“ herkömmlicher Grabstätten in 20 Jahren. Um die bislang 62 ausgewählten Laub- und Nadelbäume des Waldfriedhofes können jeweils bis zu zwölf Urnen in einem Abstand von rund 2,5 Metern beigesetzt werden. Aus biologisch abbaubarem Material müssen sie sein, daher ist eine Umbettung auch ausgeschlossen. Die Ruhezeit liegt zwischen zehn und 20 Jahren und kann danach verlängert werden. Bei den sogenannten Gemein- schaftsbäumen kann man einzelne oder mehrere Plätze bereits im Voraus erwerben. Soll unter einem Baum ein Familien­grab entstehen, dann müssen vorab alle dort vorhandenen Plätze gekauft werden. Nach der neuen Satzung beträgt die Herstellungsgebühr pro Urnengrab 154 Euro, die Nutzungsge­bühr jährlich 33 Euro. Der Name sowie das Geburts- und Sterbedatum der bestatteten Person kann für 20 Euro auf ein Messingschild (10x6 Zentimeter) graviert und am entsprechenden Baum angebracht werden. Letzteres obliegt allein der Friedhofsverwaltung, was auch für Gestaltung, Unterhalt und Pflege der Gräber unter Bäumen gilt. Grabdenkmale und -lichter sind ebenso unzulässig wie christliche oder andere religiöse Symbole. Die Einführung der Bestattung unter Bäumen erfordert noch eine Änderung der Friedhofs- sowie der Friedhofsgebühren, die der Stadtrat heute zu beschließen hat. Die Bezeichnung „Baumbestattung“ möchte Lehmann darin nicht mehr vorfinden, „wir bestatten wir ja keine Bäume“.

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