Der ganz normale A96-Wahnsinn?

Tickende Zeitbombe auf der Autobahn bei Landsberg

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Völlig genervt von der Nötigung eines 31-jährigen Irakers zückte ein Landsberger auf der A96 das Handy und filmte das unglaubliche Geschehen – mit Folgen.

Landsberg – Zwei Autofahrer, die sich übereinander ärgern und ihre Auseinandersetzung auf der Autobahn austragen – da kann einiges schiefgehen. Im vorliegenden Fall kam es zwar lediglich zu einem harmlosen Auffahrunfall, doch ein gerichtliches Nachspiel gab es trotzdem.

Im März vergangenen Jahres wollte ein 39-Jähriger bei Buchloe auf die A96 Richtung Landsberg auffahren. In der Zufahrt stand – ohne erkennbaren Grund – das Auto eines 31-Jährigen. 30 bis 60 Sekunden habe er gewartet, berichtete der 39-Jährige vor dem Amtsgericht. Dann fuhr er an dem stehenden Fahrzeug vorbei – und zeigte dabei dem Fahrer einen Vogel.

Kurze Zeit später sah er den Hyundai des 31-Jährigen von hinten herannahen. Man befand sich mittlerweile auf der Autobahn zwischen den Anschlussstellen Buchloe-Ost und Landsberg-West. Der 31-Jährige setzte sich vor den Mitsubishi des 39-Jährigen und soll diesen durch fortlaufendes Bremsen und Beschleunigen am Überholen gehindert haben. „Er wechselte wie verrückt die Spur, ohne zu blinken“, sagte der in Innsbruck lebende Landsberger aus. Er wiederum habe, zunehmend entnervt, mit dem Handy die Fahrmanöver des anderen gefilmt.

Nahe der Ausfahrt Landsberg-­Nord kam es zum Showdown. Der 31-Jährige bremste sein Fahrzeug aus einem Tempo von etwa 100 Stundenkilometern bis zum Stillstand ab. Der hinter ihm fahrende 39-Jährige musste nach eigener Aussage Fuß- und Handbremse gleichzeitig betätigen, um eine größere Kollision zu vermeiden. Letztendlich touchierte nur sein Nummernschild die Stoßstange des anderen.

Beide Kontrahenten fuhren daraufhin auf den Standstreifen. Der 31-Jährige stieg aus, der andere bekam es mit der Angst, verriegelte seine Türen und fuhr davon. Der 31-Jährige versuchte ihn noch am Wegfahren zu hindern, indem er sich dem Mitsubishi in den Weg stellte – und dem Fahrzeug einen Tritt versetzte.

Beide Männer riefen unabhängig voneinander die Polizei. Der 39-Jährige meldete die diversen Nötigungen, der andere das, was er als Fahrerflucht nach dem leichten Zusammenstoß wertete. Die Beamten der PI Landsberg trafen die Kontrahenten auf dem Parkplatz des InCenter im Landsberger Osten. „Als wir ankamen, fuhren beide Autos wild über den Kaufland-Parkplatz“, berichtete die ermittelnde Beamtin im Zeugenstand. „Die Situation war sehr hitzig.“

Beide Fahrer wurden per Strafbefehl zu Geldbußen verurteilt – der 39-Jährige unter anderem wegen des Vogelzeigens, der 31-Jährige wegen Nötigung. Auch ein viermonatiges Fahrverbot wurde gegen ihn verhängt. Während der 39-Jährige die Strafe annahm und bezahlte, erhob der 31-Jährige Einspruch und ließ es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen. Einen Gefallen tat er sich damit nicht, zumal er vor Strafrichter Michael Eberle auch noch maximal uneinsichtig auftrat. Der gebürtige Iraker gab die schlimmste der Nötigungshandlungen – das Abbremsen auf der Autobahn bis zum Stand – zwar zu, vermochte darin aber kein Problem zu erkennen. „Ich wollte, dass er aufhört mich zu filmen.“

Dass er damit seine Beifahrer – Ehefrau, Kind und Schwiegermutter – sowie andere Verkehrs­teilnehmer gefährdet hatte, dass es gar zu einer Massenkarambo­lage hätte kommen können, „das scheint Ihnen nicht klar zu sein“, tadelte Staatsanwältin Julia Ehlert. Auch Eberle konstatierte: „Man ist manchmal fassungslos, was Leute auf der Autobahn so treiben.“

Die Aussage des 31-Jährigen, er habe vor dem filmenden 39-Jährigen Angst gehabt, glaubte der Richter nicht. Schließlich hätte es zweimal die Möglichkeit gegeben, die Auto­bahn zu verlassen – an der Anschlussstelle Landsberg-West und an der Raststätte Lechwiesen. Gerade das habe der Angeklagte aber nicht getan. Er habe den anderen stellen wollen, um ihm zu zeigen, „wo der Hammer hängt“.

Vorstrafen brachte der 31-jährige Inhaber einer Umzugsfirma nicht mit, wohl aber vier Einträge im Fahreignungsregister wegen Tempo- und Abstandsverstößen. Der Vater zweier Kinder hat den Führerschein seit 2017 und befand sich zum Tatzeitpunkt noch in der Probezeit. Nun wurde er zu einem viermonatigen Fahrverbot verurteilt, ist für ein Jahr seinen Führerschein los und muss eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 40 Euro (6.000 Euro) bezahlen.

Er hoffe, dass der 31-Jährige den Führerschein nie zurückbekommen werde, gab Richter Eberle dem Verurteilten mit auf den Heimweg. „Sie sind auf der Autobahn eine tickende Zeitbombe.“
Ulrike Osman

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