Liebe und Tod

„Hast Du auch geheult?“ fragt ein Mädchen ihre Freundin beim Verlassen des Theatersaals. Ein schöneres Kompliment konnte sie dem Schauspieler Ferdinand Pregartner, der am Dienstag den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ altersgerecht für Kinder erzählte, überhaupt nicht machen.

Waren auch einige Kinder enttäuscht, dass sie kein „richtiges Theaterstück mit vielen Leuten“ gesehen hatten, schaffte es der österreichische Schauspieler vom Theater Pantarhei, den jungen Zuschauern den „Liebeskrimi“ nahezubringen. Er tut dies im Stil der Vaganten, mit einem Karren, auf dem sich kleine Requisiten und Bilder befinden. Seine Sprache wechselt zwischen altersgerechter Prosa und Blankvers, schlüpft in die verschiedensten Rollen, auf Szenenwechsel stimmt er mit Mundharmonika-Melodien ein. Dabei legt er besonderes Augenmerk darauf, dass die vermeintlich alte Geschichte nicht abstrakt bleibt. Rollbilder zeigen Portraits der Hauptpersonen, Fotos Ansichten von Verona mit den Originalschau- plätzen, und um den Fluchtweg Romeos zu zeigen, zückt Pregartner einen Stadtplan. Mit seiner einfühlsamen Erzählung zaubert er Shakespeare’sche Stimmung auf die Bühne, erspart aber den Kindern die weniger angenehmen Seiten des damaligen Lebens nicht; Pest, Kämpfe und Tod. Mittels eines Abreißblocks illustriert er das Dahinschwinden der Figuren: Mercutio, ratsch; Tybalt, Paris, Romeo, Julia - Seite für Seite liegt am Boden. Doch auf den dramatischen Höhepunkt folgt ein positives Ende, ein Aufruf zu Liebe und Toleranz.

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