Von Liebe und Sehnsucht

Georgette Dee sang von Liebe, Leidenschaft und Melancholie – wunderbar und mit Gänsehautfaktor. Foto: Eckstein

Georgette Dee ist ein Phänomen: als Kunstfigur, die ein Geheimnis um ihre bürgerliche Identität macht, ist er/sie eine der großen Diven der Chansonszene. Nach langer Pause gastierten sie und ihr langjähriger Pianist Terry Truck mit wunderbaren Interpretationen deutscher Kunstlieder im Stadttheater.

Mit wallendem Gewand betritt die Diva die Bühne, ein Glas Wasser in der Hand, stellt sich vor das Micro und beginnt mit einem Lied von Brahms. Und sofort setzt der „Dee-Faktor“ ein: bereits nach wenigen Takten knistert die Atmosphäre, hat sie das Publikum in ihren Bann gezogen. Die Sängerin beherrscht nicht nur ihr Handwerk (unterrichtet sie doch seit 1996 Chanson an der Otto-Falckenberg-Schule in München), sondern haucht mit ihrer ganzen Persönlichkeit den manchmal zu Unrecht angestaubten Liedern neues Leben ein. Wohl sind Schubert, Brahms und Schumann schon stimmlich und technisch perfekter gesungen worden, aber kaum mit solchem Ausdruck und Intensität. Sehnsucht, Melancholie, Leidenschaft – Dee kostet die ganze Gefühlsskala aus. Schuberts Serenade „Leise flehen meine Lieder“ oder Schumanns „Ich grolle nicht“ (wunderbar im Duett mit Terra Truck) trafen von der Bühne aus direkt ins Herz. Dee schaffte es, auch einen „Klassiker“ wie „Am Brunnen vor dem Tore“ ganz neu, ganz echt klingen zu lassen. Auch zwei Eigenkompositionen hatte das Duo dabei, die aber „einfach so schön reinpassen“, so Dee. Dazwischen erzählt Georgette Dee gewohnt charmant-frivol-schnodderig von ihrer Kindheit in der Lüneburger Heide, von amourösen Abenteuern in den Städten Europas, Anekdoten, rezitiert Rilke, wenn sie auch deutlich weniger raucht als in vergangenen Zeiten und das obligatorische Sektglas durch Wasser ersetzt hat. Georgette Dee ist in Landsberg keine Unbekannte: im Stadttheater war sie bereits mehrmals zu Gast. Wenn der Künstler auch um seine Identität ein Geheimnis macht, ist die Kindheit in der Lüneburger Heide belegt, wo er 1958 zur Welt kam. In den 80er Jahren bekam er Kontakt zur Hamburger Kleinkunstszene und begann, als Frau aufzutreten. Doch anders als Travestiekünstler wie Georg Preusse verzichtet sie auf schrille Accessoires und Imitation; dezentes Make-Up, ein Kleid, mehr braucht sie nicht. Mann oder Frau – es ist völlig egal. Seit 1981 arbeitet sie mit dem Pianisten Terry Truck zusammen, den sie in London kennenlernte. Seit Anfang der 90er füllten beide Häuser wie das Wiener Burgtheater, das Berliner Schillertheater, die Deutsche Oper Berlin und gaben Konzerte im Ausland. 1993 erhielten sie den Deutschen Kleinkunstpreis. Neben ihren Soloprogrammen spielt sie immer wieder Theater, beispielsweise als „Marlene“ 2008 am Nationaltheater Mannheim. Drei Zugaben Eine Kostprobe daraus lieferte sie in einer der Zugaben: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Und ganz still wurde es, als sie ihre Version von „Guten Abend, gut Nacht“ zum Besten gab. Erst nach drei Zugaben ließen die Zuschauer die Sängerin gehen, die die „Zeit“ zur Recht einmal als „Deutschlands größte lebende Diseuse“ bezeichnet hat.

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