Lieber 4-B-Typen als Triple-A-Lehrer

Der neue AK-Vorstand mit dem Referenten (von links): Thomas Krautwald, Autor Michel Felten, Geschäftsführerin Alexandra Kahlert und Rudolf Schönauer. Foto: Osman

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen hat der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft seinen neuen Vorstand vorgestellt. Er besteht aus Thomas Krautwald, Direktor der Sparkasse Landsberg-Dießen, und Schulrat Rudolf Schönauer. Sie folgen auf den scheidenden Sparkassendirektor Hans Reiter und Schulamtsdirektor Konrad Lemnitzer. Neue Geschäftsführerin ist Alexandra Kahlert.

Da Reiter als Sparkassenchef in wenigen Tagen in den Ruhestand geht, sah auch Lemnitzer die Zeit gekommen, im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft „den Weg für Nachfolger frei zu machen und neuen Ideen Raum zu geben“. Die Mitglieder wählten den neuen Vorstand per Briefwahl und segneten die vorgeschlagenen Personen einstim­mig ab. Krautwald wird im Arbeitskreis für den Bereich Wirtschaft zuständig sein, Schön­- auer für den Bereich Schule. Informationsaustausch, Dialog und gleichberechtigte Interessenvertretung sind die Hauptanliegen der losen Vereinigung, die nach Reiters Worten eine Nahtstelle zwischen Beschäftigungsmarkt und Bildungssystem darstellt. In der Lechstadt organisierte der Arbeitskreis den ersten Berufs-Infomarkt und eine Last-Minute- Ausbildungsbörse. Auch setzten sich die Vertreter nachdrücklich für die Gründung der Fachoberschule (FOS) in Landsberg ein und ließen sich auch von anfänglichen Absagen aus dem Kultusministerium nicht beeindrucken. Innerhalb weniger Wochen sammelte man 2500 Unterschriften und reichte Stellungnahmen von regionalen Unter­- nehmen ein, um eine neuerliche Prüfung des Bedarfs durchzusetzen, erinnerte Reiter. Diese fiel schließlich positiv aus. Der Erfolg der FOS Landsberg ist inzwischen unbestritten. Den Austausch zwischen Schulen und Betrieben hält Reiter auch künftig für unverzichtbar. „Der Arbeitskreis muss weitermachen.“ Dies vor allem vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung, des Lehrlings- und Fachkräftemangels sowie der anhaltenden Diskussionen über den richtigen Weg in der Bildungspolitik. Zu diesem Thema hatte der Arbeitskreis einen Referenten eingeladen: den Kölner Gymnasiallehrer und Buchautor Michael Felten. Er sprach im Vor­- tragssaal der Sparkasse zum Thema „Auf die Lehrer kommt es an – für eine Rückkehr der Pädagogik in die Schule“. Felten war froh über die Gelegenheit, seine Positionen nicht nur vor Bildungs-, sondern auch vor Wirtschaftsvertretern vorbringen zu können. Ein Gremium wie der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft bilde eine Gelenkstelle zwischen den beiden Bereichen, „von dort kommen die Einsprüche der Reali­- tät“. Bildungspolitik leide vielfach an der Praxisferne derer, die die Entscheidungen treffen. Statt Triple-A-Lehrern, die für „Akzeptanz, Angebot und Autonomie“ stehen, plädiert Felten dafür, dass Lehrer „4-B- Typen“ sein sollen – nämlich Begleiter und Brückenbauer, aber auch Bürde und Bändiger. „Ich wünsche mir eine Rehabilitierung der Pädagogik.“ Lehrer sollen nach Feltens Ansicht „Leitwolf“ der Klasse sein, freundlich und unterstützend, aber durchaus auch streng und konsequent. Kinder in der Schule zu sehr sich selbst zu überlassen und auf Freiwilligkeit zu setzen, sei eine Verwechslung von Weg und Ziel. „Selbstständigkeit in der Schule ist nicht der Königsweg zu Selbstständigkeit im Leben.“ Dass Kinder die Führung durch den Lehrer durchaus begrüßen, bestätigte die Kauferinger Mittelschulrektorin Renate Kindermann. Sie lasse seit 30 Jahren jede neue Klasse am Anfang des Schuljahres aufschreiben, wie der ideale Lehrer aussehen soll. „An erster Stelle wünschen sich die Kinder Humor. Gleich danach kommt, dass der Lehrer streng und konsequent sein soll.“

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