Der Mut der Herzlichkeit

Kreiskulturtage 2019: Carl Orff und Konstantin Wecker

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Mit Mitte 20 begegnet der Liedermacher Konstantin Wecker zum ersten mal Carl Orff – seinem musikalisches Vorbild.

Landkreis/Hurlach – Im Carl Orff Museum in Dießen hängt ein Foto. Darauf zu sehen ein noch junger Konstantin Wecker am Klavier, hinter ihm aufmerksam lauschend der bereits über 80-jährige Carl Orff. Für Wecker ein großer Moment: „Carl Orff hat meine Musik geprägt – ohne dass er es wusste.“ Weshalb das Foto mit Wecker und Orff nicht nur in Dießen zu sehen ist. Sondern auch dort, wo die meisten Texte und Melodien Weckers entstehen: in seinem Haus in der Toskana.

„Das Foto hat in Italien einen Ehrenplatz“, erzählt der in München geborene Liedermacher: „Direkt über dem Schreibtisch. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich aufstehe und es dann vor Augen habe.“ Seine Verehrung für Orff ist groß. Schon in den 70ern lernt Wecker Orffs Musik lieben. Zwar liegt dem Liedermacher mit Anfang 20 auch der Soul, insbesondere Janis Joplin am Herzen. Aber aufgewachsen ist er mit der klassischen Musik. Und so tourt Wecker in der Hochzeit des anarchischen Punk mit einem Kammermusikensemble durch die Lande. „Das Publikum ist gekommen – ich sage jetzt mal: trotz meiner Musik.“

Dass Orff für Wecker ein Vorbild ist, hört man in einigen seiner frühen Lieder. Zum Beispiel im „Hexeneinmaleins“ oder auch in „Frieden im Land“. Wecker selbst sieht seine Kunst als Kombination aus Poesie und Musik – ein Aspekt, der auch für Orff entscheidend war. Ein Werk Weckers zeigt schließlich ganz deutlich seine Verehrung: die „Carmina Bavariae“, die er 2010 anlässlich des 20-Jährigen der Bayerischen Philharmonie komponierte. Und die er mit den Worten kommentierte: „Ich trage eine Idee, die mein geliebter Meister in die Welt gesetzt hat, weiter.“

Orffs Schüler war Wecker nicht. Aber beide haben sich mehrmals getroffen. Und über Musik und auch über ihre Texte gesprochen. „In gewisser Weise war ich also sein Schüler.“ Bis es zu diesen Gesprächen kommt, muss Wecker aber erst einmal eine gewisse Scheu überwinden. Denn als er Anfang der 80er dank eines Freundes endlich seinem großen Vorbild begegnen darf, erschauert er anfangs fast vor Ehrfurcht.

Und staunt als er hört, dass sich sein Vorbild auf das Treffen mit ihm, dem Jungspund, vorbereitet hat: „Er hat meine Gedichte gelesen und sich einige meiner Lieder angehört.“ Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie beide Puccini verehren. Vor allem dessen letzte Oper, der „Turandot“, hat es den Musikern angetan.

Schließlich sagt Orff zu Wecker: „Spiel was.“ Wecker wählt sein sehnsuchtsvolles „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“. Das Lied über die breite, satte und fette Welt mit aufbrausender Klavier-Begleitung. Orff habe aufmerksam gelauscht. Sei hinter ihm hin und hergelaufen. Sein Kommentar: „Du spielst komisch Klavier.“ Und dann macht Orff dem jungen Wecker „das schönste Kompliment, das ich jemals bekommen habe: ‚Du bist kein Mozart, du bist kein Schubert. Du bist der Wecker.‘“

Orff habe ihn auch als Mensch begeistert, erzählt der Liedermacher. Er habe ihn als „wahnsinnig witzig“ erlebt, mit einem leisen Humor, unglaublich gebildet, „sehr charmant und auch liebevoll“. Ein Mensch, der zu seiner Herzlichkeit stehe – eine Charaktereigenschaft, zu der viel Mut gehöre. Vor allem heutzutage, gibt Wecker zu bedenken, in einer Zeit, in der Politiker Rationalität über jegliche Menschlichkeit stellten. „Wir erinnern uns noch an diese wunderbare Willkommenskultur. Und auch daran, wie schnell sie von diesen Populisten kaputtgemacht wurde.“

Sich die Herzlichkeit zu bewahren, ist auch für Wecker persönlich wichtig. Mut fordere aber noch mehr: „Dass ich für meine Überzeugung einstehe, egal, ob sie gerade im Zeitgeist liegt oder nicht.“ Dass er als Künstler etwas wage, was dem Publikum vielleicht nicht gefalle. Und dass er sich auch politisch für seine Überzeugungen einsetze, Zivilcourage zeige. Ein Punkt, für den er bereits mehrmals ausgezeichnet wurde – letztes Jahr erst mit dem Göttinger Friedenspreis. Seine Poesie und Musik könne vielleicht nicht die Welt verändern, sagt Wecker. „Aber sie können denen Mut machen, die sie verändern wollen.“

Am 18. Mai spielt Konstantin Wecker in der Kulturhalle Hurlach mit dem Pianisten Jo Barnikel im Rahmen der Kreiskulturtage. Das Programm: „Solo zu zweit“. Wer noch nicht hat, sollte sich beeilen: Einige wenige Karten für dieses Konzert gibt es noch – beim KREISBOTEN Landsberg am Rossmarkt.

Susanne Greiner

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