Literatur ganz privat

Literaturlesungen mal anders: Im Wohnzimmer von Erika Winterer las Matthias Spandl „Skurriles und Grusliges“. Foto: Eckstein

Ein wenig ungewohnt ist das schon: einfach im Wohnzimmer eines Unbekannten Platz zu nehmen, inmitten seines privaten Refugiums. Und umgekehrt haben zahlreiche Gastgeber ihre Räume geöffnet, fremde Menschen eingeladen, den Lesungen der „landsberger bühne“ zu lauschen.

Insgesamt zehn Lesungen umfasste das Programm „Literatur in den Häusern der Stadt“, acht davon fanden in privater Umgebung statt, in Wohnzimmern, auf Terrassen oder in Ateliers. Die Texte erzählten von Landsberg, seiner Geschichte, seinen Menschen und natürlich seinem Fluss. So las Matthias Spandl, langjähriges Ensemblemitglied der landsberger bühne in einem Wohnzimmer vis a vis zum Inselbad Texte von Peter Dörfler, Herbert Regele, Ricarda Winterswyl und Hans Herlin – nicht immer bequeme Texte, traurige und nachdenkliche aus der Zeit des Schwedeneinfalls und den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Zum „Schulbesuch am Berg“ hatten Franz Krauß (ebenfalls landsberger bühne) und Herbert Mulzer geladen. Der Schauspieler, bekannt aus vielen Fernsehrollen, hatte gemeinsam mit Krauß die Schule besucht, die noch im ehemaligen Jesuitenkolleg und heutigen Museum untergebracht war – ebenso wie viele Besucher, was die Lesung zu einer Art Klassentreffen machte. Und so befassten sich ihre Texte besonders mit schulischen Anekdoten, aber auch der Zeit, als die Jesuiten mit ihrem Schultheater die Kultur der Lechstadt prägten. Sämtliche Akteure des Abends, viele Gastgeber und Gäste trafen sich anschließend zu einer „Nachlese“ im Foyer des Stadttheaters, wo die Schauspieler Monika Vivell (Gesang) und der kurzfristig eingesprungene Oliver Meskendahl (Stadttheater Osnabrück, Piano und Gesang) Liebeslieder zum Besten gaben. Die Gäste tauschten und verglichen ihre Erlebnisse und Eindrücke, wobei sich bei vielen der Wunsch herauskristallisierte, mehr Lesungen hören zu können, da es zeitlich nur möglich war, zwei von zehn zu besuchen. Zudem wurde der lange „Leerlauf“ zwischen den Veranstaltungen angemerkt, doch insgesamt war der Eindruck ein sehr positiver. Die landsberger bühne hat mit diesem Projekt interessantes Neuland beschritten, mit einem originellen, noch ausbaufähigen Konzept, guten Lesern und Schauspielern und nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung der engagierten Gastgeber.

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