Unfallhelfer beleidigt

Auf "Scheißkerl" und "Arsch" folgen zwei Monate Fahrverbot

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Damit so ein riesiger Abschleppwagen durch einen Stau kommt, ist die Rettungsgasse unerlässlich. Wer die nicht freihält und dann die Unfällhelfer auch noch beleidigt, muss sich dann eben vor Gericht verantworten.

Landsberg – Fahrverbot wegen einer Beleidigung? Das ungewöhnlich erscheinende Urteil von Richter Michael Eberle am Amtsgericht Landsberg lässt sich aber durch die besonderen Umstände erklären.

Im Oktober vergangenen Jahres hat sich auf der A96 Richtung Lindau zwischen Landsberg West und Buchloe Ost ein Unfall ereignet. Das leidige Thema mit der Rettungsgasse hat dabei mal wieder für Frust gesorgt. „Wir haben uns peu à peu durch den Stau gekämpft. Wir sind dabei immer wieder von Autos, die nicht zur Seite gefahren sind, behindert worden“, erklärte der Inhaber eines Landsberger Abschleppdienstes vor Gericht. Einer, der nicht zur Seite fuhr, soll der 48-jährige Angeklagte gewesen sein. Dieser stand mit seinem Lkw auf der rechten Fahrbahn. Nach Aussage des Abschleppdienst-Inhabers sei er allerdings soweit links gestanden, dass die beiden Abschleppfahrzeuge nicht vorbei kamen. Nachdem die Autos auf der linken Seite noch etwas vor und zur Seite fuhren, habe man die Fahrt fortsetzen können.

Der Inhaber des Abschleppunternehmens, der in einem dritten Fahrzeug hinterherfuhr, entschied sich daraufhin vor dem Lkw anzuhalten und den Fahrer zu bitten, weiter auf den Standstreifen zu fahren. „Da war ja genügend Platz.“ Statt zur Seite zu fahren habe der Angeklagte lediglich durch das halb geöffnete Fenster gerufen: „Was willst du Scheißkerl? Hau ab du Arsch!“ Und dann habe er den Abschleppfahrer angespuckt.

„Ich bin wieder in mein Auto gestiegen und habe mein Handy geholt.“ Ein Foto vom Kennzeichen habe er machen wollen. Doch dann sei der Angeklagte aus seinem Lkw „gesprungen“. Eine Zeugin meinte, der Mann sei so wuchtig ausgestiegen, dass die Fahrerkabine gewackelt habe. Gespuckt habe der Angeklagte auch nochmal. „Ich dachte, der will verprügeln“, erklärte der Abschleppfahrer. Er hat daraufhin die Szene mit einem Foto festgehalten und ist dann wieder in sein Auto gestiegen „bevor das eskaliert“.

Der Geschädigte informierte die Beamten am Unfallort und diese hielten dann den Lkw-Fahrer und die Zeugin an, um die Personalien aufzunehmen.

Der Angeklagte selbst bestritt vor Gericht, dass er gespuckt oder den Geschädigten beschimpft haben soll. Stattdessen sei er selbst beschimpft worden. Auf Nachfrage des Richters konnte der Mann allerdings nicht sagen, welche Beleidigungen gefallen waren. Zudem behauptete der 48-Jährige bei der Personalienangabe nochmal beschimpft worden zu sein. Der als Zeuge geladene Polizist meinte, der Geschädigte sei zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Meter entfernt gewesen.

Die Rettungsgasse habe er auch nicht blockiert, so der Angeklagte. Seit 30 Jahren fahre er schon Lkw. „Ich weiß wie man sich bei einem Unfall zu verhalten hat“, lässt der 48-Jährige durch seine Dolmetscherin wissen. Er kommt ursprünglich aus Bosnien-Herzegowina und lebt derzeit mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern in Freising.

Die geladene Zeugin bestätigte die Auseinandersetzung der beiden Männer. Wobei sich ihre Aussage mit der des Geschädigten deckt. Einzig die Behinderung des Abschleppdienstes durch den Lkw-Fahrer habe sie nicht gesehen.

Die Staatsanwaltschaft glaubte den Ausführungen des Geschädigten und forderte drei Monate Fahrverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 2.250 Euro. Der Anwalt des 48-Jährigen, Martin Koppe, sah hingegen einen Freispruch als angemessen an. Da die Zeugin nicht bestätigen konnte, dass sein Mandant tatsächlich den Abschleppdienst behindert habe, unterstellte er dem Geschädigten „Gschaftlhuberei“. Er habe zweifelsfrei falsche Aussagen gemacht. Zudem habe sein Mandant nicht weiter nach rechts fahren können, weil es gar nicht erlaubt sei, den Pannenstreifen zu befahren. Der Richter konterte, dass man im Notfall durchaus darauf ausweichen dürfe.

Die Glaubwürdigkeit des Angeklagten zweifelte der Richter an. Zu dessen Vorteil sah er nur, dass der Mann nicht vorbestraft ist. Aber da sein Verhalten zum Nachteil eines Unfallhelfers ging, setzte Eberle eine Geldstrafe von 3.000 Euro fest. Zudem erteilte er ein Fahrverbot von zwei Monaten. Im ursprünglichen Strafbefehl war es nur ein Monat – den wollte der Angeklagte aber nicht akzeptieren. Anwalt Koppe kündigte an, das Urteil vom Landgericht Augsburg überprüfen zu lassen. Eberle riet davon ab, das Strafmaß könne dann durchaus noch anwachsen.

Stephanie Novy

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