„Man braucht einen langen Atem“

Lockvögel fürs Landsberger Taubenhaus?

Landsberger Taubenhaus
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Noch ist das Landsberger Taubenhaus an der Saint-Laurent-du-Var-Promenade leer. Aber innen sind immerhin schon Federn gefunden worden.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Rund ums Taubenhaus an der Saint-Laurent-du-Var-Promenade gurrt es. Die Tiere picken das vor dem Holzhäuschen ausgestreute Futter mit Begeisterung. „Das Taubenhaus kommt generell gut an“, sagt eine der ehrenamtlichen Betreuerinnen. Schaut man ins Innere des seit Mitte Juli stehenden Häuschens, bietet sich aber ein entmutigendes Bild: In allen Nistfächern an der Rückwand herrscht gähnende Leere. Und auch vor dem Haus geben einige Erdlöcher – eventuell von Ratten gegraben – zu denken. Funktioniert das denn überhaupt mit dem Taubenhaus? Und wenn ja, wann?

Der Schwarm, der im Taubenhaus ansiedeln soll, ist der des Peter-Dörfler-Weges mit 60 bis 80 Tieren, lässt eine der Betreuerinnen über die Pressesprecherin der Stadt Susanne Flügel wissen. Namentlich möchte die Betreuerin nicht genannt werden. Vielleicht, weil Tauben immer noch als „Ratten der Lüfte“ gelten, als unerwünschtes Geschmeiß. Ein Taubenhaus, das auf den ersten Blick nicht funktioniert, erzeugt da vielleicht noch mehr Unmut.

Dabei ist der Mensch selbst schuld an den teilweise überhand nehmenden Populationen in den Städten: Stadttauben sind ehemalige Brief-, Haus- und Hochzeitstauben. Sie brüten aufgrund des angezüchteten Brutzwangs bis zu sieben Mal im Jahr – weniger oft, wenn sie gesund sind, weil der Bestand dann nicht in Gefahr ist. Zudem sind sie enorm standorttreu: Spikes oder Netze bringen rein gar nichts. In der Landsberger Altstadt sind laut Schätzungen Schwärme mit insgesamt rund 400 Tieren. Die beiden größten Schwärme leben am Hellmair- und am Hauptplatz.

Das Taubenhaus braucht offenbar Zeit. „Das kann manchmal über ein Jahr lang dauern, bis sich die Tauben in dem Haus ansiedeln“, sagt die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg Sabina Gaßner, die das dortige Stadttaubenkonzept mit zehn Taubenschlägen und zwei Taubentürmen betreut. Wie lange es bis zum Erfolg des Projekts dauere, hänge davon ab, wie nah das Taubenhaus am bisherigen Zuhause der Tiere liege, wie ruhig es an dem neuen Standort sei und wie gut der betreut werde.

In Landsberg sei man gerade in der Anfütterungsphase, informiert Flügel. Jeden Morgen um die gleiche Zeit werde dort Futter ausgestreut. „Teilweise warten die Tiere inzwischen schon auf ihre Futtergeber.“ Noch brüte keine Taube im Haus. „Aber es wurden dort schon Federn gefunden“ – die Tiere sind also zumindest schon einmal ins Innere vorgedrungen.

Regelmäßig zu füttern sei enorm wichtig, sagt Gaßner. Allerdings solle im Inneren des Taubenhauses gefüttert werden, nicht außen. Genau das wird aber in Landsberg gemacht: Dort liegen die Körner direkt vor dem Haus. „Das kann am Anfang notwendig sein, um die Tauben zum Haus hinzulocken“, räumt Gaßner ein. Denn Tauben blieben solange an einem Ort wie möglich. Mit dem Umziehen der Tiere zu einem neuen Standort tue man sich generell schwer.

Damit der Umzug funktioniere, solle ein Taubenhaus maximal 200 Meter vom alten Standort entfernt sein. In Landsberg ist das gerade so noch erfüllt – allerdings mit dem Lech dazwischen. „Am idealsten wäre ein Dachboden in der Stadt“, urteilt Gaßner. Alles andere sei ein Kompromiss. Vielleicht könnte man ein oder zwei ‚ortsfremde‘ Taubenpärchen im Taubenhaus einquartieren, um den Prozess zu beschleunigen: sozusagen als wortwörtliche Lockvögel.

Neben Buchfinken schmeckt auch Ratten das Taubenfutter.

Ratten und Co.

Dass in Landsberg vor dem Taubenhaus gefüttert wird, lockt auch andere Tiere an: Buchfinken, Spatzen – natürlich auch Ratten, immerhin sind wir am Lech. Die Löcher neben und vor dem Holzhaus sprechen für eine gewisse Rattenaktivität. „Wir haben aber kein Rattenproblem“, lässt Flügel wissen. Dass die Ratten mitfressen, verhindere man durch das morgendliche Füttern – Ratten seien ja nachtaktiv. Offensichtlich läutet der Wecker der Ratten am Taubenhaus aber auch schon am Nachmittag. Zu diesem Zeitpunkt sind nämlich viele der Tiere zu sehen, die genüsslich, gemeinsam mit Buchfinken, Spatzen und Enten, die Taubenkörner auffressen. „Das lässt sich nicht vermeiden“, sagt Gaßner. Eventuell sollte man das Futter vor dem Haus nach der Fütterung am Morgen wegkehren. Oder generell weniger Futter ausstreuen.

Für Stadtbewohner, die in ihrem Hinterhof oder auf der Terrasse Probleme mit Tauben haben, hat Gaßner keine guten Nachrichten: Da Konstruktionen wie Netze und Spikes nichts nützten, müsse man sich mit den Tieren arrangieren. „Am besten wäre es, direkt vor Ort einen Taubenschlag aufzustellen, in dem dann auch die Eier gegen Kunststoffeier getauscht werden können.“ In so einem Schlag blieben die Tiere auch größtenteils – und mit ihnen ihr Kot.

Der ändert sich auch, werden die Tiere artgerecht gefüttert: Bei Mangelernährung ist er grün und dünnflüssig, mit hervorragender Kleb-Eigenschaft. Gut gefütterte Tiere hinterlassen braune Kringel, die man wegkehren kann. Aber in welchen Mengen Taubenkot auch immer da ist: Er sei nicht schädlicher als die Ausscheidungen anderer Tiere, beruhigt Gaßner. Zum Beispiel die von Amseln oder niedlichen Eichhörnchen. Einige der Mitarbeiter beim Augsburger Taubenprojekt seien schon 25 Jahre dabei. „Und bisher ist niemand von ihnen krank geworden.“

Ein Fütterungsverbot in der Stadt würde dazu führen, dass viele der Tauben unter Mangelerscheinungen litten, sind die Betreuer des Landsberger Taubenhauses überzeugt. Und das führt, wie bereits beschrieben, zu vermehrtem Brüten – und somit noch mehr Tauben. Auch Gaßner empfiehlt ein Fütterungsverbot nicht. Tauben holten sich ja auch Meisenknödel und anderes Vogelfutter. „Und warum sollte man zwischen einer Amsel und einer Taube einen Unterschied machen?“

Einen hundertprozentigen Erfolg bei den Taubenhäusern gebe es eigentlich nie, schließt Gaßner. Man müsse eben Kompromisse machen, mit den Tieren und nicht gegen sie leben. „Für das Taubenhaus braucht man einen langen Atem. Aber ich bin sicher, früher oder später klappt es.“

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