Neue Arbeitswelten

Wird Dießen Teil einer „Kleinstadtakademie“?

Hans-Peter Sander - Dießen - Kleinstadtlabor Neue Arbeitswelten
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Hans-Peter Sander vom Dießener Denkerhauses mit CoWorkingSpace wird die Pilotphase „Kleinstadtlabor Neue Arbeitswelten“ zur Entwicklung einer Kleinstadtakademie leiten.

Dießen – Nein, Dießen bekommt natürlich keine „kleine Universität“. Da hat ein Besucher der Gemeinderatssitzung das Thema „Kleinstadtakademie“ völlig missverstanden. Was vielleicht daran lag, dass man vor der Anschaffung einer leistungsstarken Mikroanlage auf den hinteren Rängen der Carl-Orff-Turnhalle die Vorträge nur schwer verstehen konnte. Gleichwohl aber könnte die Marktgemeinde nach Bewältigung diverser Aufgaben Teil einer vom Innenministerium initiierten Kleinstadtakademie werden.

Darüber referierte Hans-Peter Sander, Chef des Dießener Denkerhauses und Mitglied des Projektleitungsbüros „CoWork­Land“, vor den Gemeinderäten, die sich einstimmig für eine Teilnahme aussprachen. Im Amtsdeutsch des Ministeriums geht es um „Kooperative Entwicklung kleinstädtischer Transformationspfade im Themenfeld Neue Arbeitswelten durch explorative Erkundungen, dialogische Verdichtungen und experimentelle Erprobungen“. Auf Deutsch: Wie wirkt sich das durch Corona bedingte veränderte Arbeitsverhalten zum Beispiel im Homeoffice auf alle anderen Lebensbereiche aus? Es geht im „Kleinstadtlabor Neue Arbeitswelten“ um Anpassung der eigenen Wohn- und Arbeitsbereiche, lokale CoWorking-Plätze, geändertes Einkaufsverhalten, Freizeitaktivitäten durch den eingesparten Arbeitsweg, Auswirkungen auf die Kommunen und vieles mehr.

Darüber müssen sich in den nächsten zwei Jahren neben der Marktgemeinde Dießen auch Wittenberge (Brandenburg), Oestrich-Winkel (Hessen), Dippoldiswalde (Sachsen), Mölln (Schleswig-Holstein), Eutin (Schleswig-Holstein) und Hitzacker (Niedersachsen) in einem praxisorientierten Forschungsprojekt ernsthafte Gedanken machen. Das daraus entstandene Wissen soll ab 2023 gebündelt über eine Kleinstadtakademie anderen Städten und Gemeinden zugänglich gemacht werden.

Trotz Förderung durch das Innenministerium müssen auch die teilnehmenden Kommunen ihren Obolus beisteuern. Im Falle von Dießen beläuft sich der Beitrag auf 16.724 Euro, die der Gemeinderat billigte und in den Haushalt 2021 einstellen wird.

Volker Vogel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundes­innenministerium, begrüßte die Auswahl der teilnehmenden Kommunen, „die in zentralen und peripheren Lagen über ganz Deutschland verteilt sind. Sie werden wichtige Anregungen zur Realisierung der Kleinstadtakademie geben.“ 2.100 Kleinstädte seien Heimat für über 24 Millionen Menschen. Ihre Stabilisierung und Entwicklung solle gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland fördern.

Im Rahmen des Projekts finden in jeder beteiligten Kommune drei über ein Jahr verteilte „temporäre Labore mit Erkundungen, Dialogen und Interaktionen“ statt. Experten erkunden die Potenziale neuer Arbeitswelten, verdichten und konkretisieren sie. Daraus sollen sich kurz- und mittelfristige innovative Lösungsansätze für die örtliche Mitgestaltung neuer Arbeitswelten ergeben.

Das bedeutet für Hans-Peter Sander viel Organisationsarbeit in den nächsten Monaten. Als erstes wird er die Bürgermeister aller beteiligten Kommunen zum Kennenlernen über eine Videokonferenz einladen. „Schade, ich hätte sie lieber persönlich an den Ammersee eingeladen. Aber vielleicht klappt das ja zum Finale, wenn das Virus bis dahin hoffentlich gebändigt ist.“
Dieter Roettig

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