Lohnende Hartnäckigheit

Würdiger Schlusspunkt der Pürgener Dorferneuerung: Diakon Florian Kopp segnete ein neu aufgestelltes Feldkreuz. Foto: Osman

Die Dorferneuerung ist ein jahre-, oft jahrzehntelanger Prozess, in dessen Verlauf Baumaßnahmen umge­setzt, das Gemeinwohl gefördert und die Dorfgemeinschaft gestärkt werden soll. Weil das in Pürgen gut gelungen ist, wurde am Samstag gefeiert. Gemeinde, Bürger und Vertreter des öffentlichen Lebens trafen sich nach mehr als 20 Jahren Dorferneuerung zu einem großen Abschlussfest. Um es mit den Worten von Bürgermeister Klaus Flüß zu sagen: „Heute fällt der letzte Vorhang eines Mehrakters.“

Er fiel unter freiem Himmel am Ummendorfer Becken, der letzten großen Maßnahme, die im Zuge des Dorferneuerungsprogamms umsetzt wurde. Das Rückhaltebecken mit Biotopvernetzung und Hochwasserdamm fasst im Falle eines 100- jährigen Starkregens gut 60000 Kubikmeter Wasser, „das ist so viel wie 5000 Badewannen pro Sekunde“, erklärte Ingenieur Stefan Steinbacher. Und da ein Damm zwar halten, aber möglichst nicht als solcher zu erkennen sein soll, „haben wir ihn so elegant in die Landschaft gesetzt, dass er nicht auffällt“. Tatsächlich geht die Auf­- schüttung problemlos als natürliche Geländeform durch. Erste Überlegungen zur Dorferneuerung in Pürgen gab es bereits in den 80er Jahren. 1991 besuchten interessierte Bürger und Gemeinderäte eine entsprechende Schulung, 1996 bildeten sich Arbeitskreise, die sich über wünschenswerte Projekte Gedanken machten. Schnell war klar, dass im Mittelpunkt des Programms gezielte Maßnahmen zur Wasserrückhaltung und Biotopvernetzung stehen sollten. Im Osten von Pürgen wurde ein Wallkammersystem angelegt, Gräben und Bäche gezogen beziehungsweise reaktiviert, unzählige Bäume und Sträucher sowie eine Streuobstwiese gepflanzt, Biotope geschaffen, der Dorfweiher saniert. Nach der Schließung des letzten örtlichen Gasthauses standen Dorfgemeinschaft und Ver­- einsleben mangels geeigneter Treffpunkte auf der Kippe. Abhilfe brachte das Kirchlich-Gemeindliche Zentrum, das aus dem umgestalteten denkmalgeschützten Pfarrhof und einem neugebauten Bürgerhaus entstand. „So wurde eine neue Begegnungsstätte geschaffen, die vielfältig genutzt werden kann“, sagte die Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Roswitha Karger. Insgesamt wurden im Rahmen der Dorferneuerung 3,3 Millionen Euro ausgegeben, 2,5 Millionen davon flossen als Zuschüsse vom Amt für Ländliche Entwicklung. Auf die letzte Zahlung – nämlich die des Zuschusses für das Ummendorfer Becken – musste die Gemeinde laut Bürgermeister Flüß bis 2011 warten. „Das hat uns fast an den Rand der Verzweiflung getrieben. Aber unsere Hartnäckigkeit hat sich gelohnt.“ Die ganze Gemeinde habe nun an Lebensqualität gewonnen. Ekkehart Linke, seit den 80er Jahren eine der treibenden Kräfte der Dorferneuerung und Vorstandsmitglied der Teilnehmergemeinschaft, verglich das Programm mit einer unbekannten Pflanze. „Der Gärtner, der sie einsetzt, weiß vorher nicht, was rauskommt.“ Im vorliegenden Fall könne man stolz sein. Man habe „verdammt viele Tage und Monate“ investiert und auch Rückschläge verkraften müssen. „Dorferneuerung funktioniert nur auf freiwilliger Basis.“ Mitunter seien Kompromisse notwendig gewesen. Viele Einzelmaßnahmen wurden nur durch die Bereitschaft der Grundstücksbesitzer er­mög­licht, Flächen zur Verfügung zu stellen, zu verkaufen oder zu tauschen. Linke wurde an diesem Nachmittag für sein großes Engagement mit der Goldenen Ehrennadel der Gemeinde ausgezeichnet. „Wir feiern eine große Leistung“, lobte Landrat Walter Eichner (CSU). „Pürgen hat ein neues, gutes Gesicht bekommen.“ Die Dorferneuerung lebe von der Bürgerbeteiligung und habe „dem Gemeinschaftsgefühl einen Ruck gegeben“. Zum Abschluss der Feier segnete Diakon Florian Kopp ein neu errichtetes Feldkreuz.

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