Perfekte Musik

"Lovebrain and Diskotäschchen" im Blauen Haus

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Drei der sechs Musiker von „Lovebrain and Discotäschchen“ (von links): Micha Acher, Andy Haberl und Mathias Götz.

Dießen – Heimelige Stimmung im Blauen Haus: Rund 60 Zuhörer sitzen dicht an dicht im Café, voller Vorfreude. In der Veranstaltungsreihe „Die letzten Sonntage“– vormals letzte Montage – von Sebastian GOY gibt es heute Töne. Und zwar vom Feinsten: Die sechsköpfige Formation „Lovebrain and Discotäschchen“ verwöhnt die Ohren. Mit Musik, die gefällig die Trommelfelle streichelt – bevor sie bricht, aufhorchen lässt. Und pure Hörfreude mit Ungehörtem bringt.

Die drei Geigen starten mit einer klassisch anmutenden Melodie. Bevor Bläser und Schlagwerk das Thema übernehmen, rhythmisiert, mit mehr Energie und Spannung. Untermalt von abgehackten Einwürfen der Streicher. Die anfangs sanfte und gefasste Melodie entfesselt sich, bricht ins Unheimliche, Spannungsvolle, lässt diffuse Bilder im Kopf, eine ganz eigene Fantasiewelt entstehen. Die ganz sicher nicht rosarot ist.

Urheber dieser großartigen Musik ist Posaunist Mathias Götz. „Die meisten Stücke habe ich in Anlehnung an Filme komponiert. Eher düstere Filme“, gibt er zu. In denen der menschliche Charakter offenbart wird, in all seinen Tiefen. Wie beispielsweise in Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Die Stücktitel betonen das Unheimliche noch: Eines heißt „Mutabor“, das Wandelwort aus „Kalif Storch“. Ein anderes „Dragon Dreaming“ oder auch „Es nebelt sehr“.

Die Musiker – neben Götz Evi Keglmaier, Maria Hafner und Andreas Höricht an den Saiten, Micha Acher am mal stampfenden, mal agilen Sousaphon und der energiegeladene Andy Haberl am Schlagzeug – sind alle in unterschiedlichsten Formationen zuhause – im Bierzelt oder auf dem Jazzfestival. Während des Spiels scheinen sie miteinander zu sprechen, Fragen zu stellen, die der andere beantwortet. Ein perfektes Aufeinander-Hören.

Der passend zur Musik prägnante Name der Formation „Lovebrain and Discotäschchen“ ist indessen nur die Kurzform: von „Lovebrain’s Rose of Agra, Stringlane and Diskotäschchen, Mount Blakelock und die Orden der Nacht, supported by 85/86 CC, unspoken Space at Kreuz Giesing“ – nicht leicht zu merken. „Ich hatte mehrere Titelvorschläge“, erzählt Götz grinsend. Keiner wurde akzeptiert. Aber das Konzert in der Münchener Milla drängte. „Und dann hab ich eben einfach ein ‚Best of‘ der Titel genommen.“ Mit „Kreuz Giesing“ wegen des lokalen Bezugs. Und weil da auch Trikont ist. „Nach dem Discotäschchen hatte mich meine Frau vor einer Reise nach Mailand gefragt“, lacht der studierte Jazzer.

Humor ist allen sechs Musikern zu eigen, auch in ihrer Musik. Die ist nie verbissen, sondern immer Spiel im doppelten Sinn. Was wohl ansteckend ist: Ein kleines Mädchen auf den Schultern ihres Vaters stimmt, nach leichtem Headbanging, gesanglich mit ein. Eine perfekte Ergänzung zu Musik, die eigentlich schon perfekt ist. 

Susanne Greiner

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