Zwischenergebnisse aus Projekt "Links-4-Soils":

Landkreis-Wälder: Es fehlt am Laubholz

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„Wir brauchen mehr laubholzreiche Dauerwälder, um die Bodenqualität in den Wäldern nachhaltig zu verbessern“, sagt Förster Ludwig Pertl (links). Bei einer Exkursion zeigte Pertl eine Versuchsfläche im Fuchstaler Eichenwald Fachleuten und Politikern (v. links): Iglings Bürgermeister Günter Först, Kauferings Bürgermeister Erich Püttner, Michael Kießling (MdB) und die Doktorandin Sophia Neuner von der Universität Innsbruck, die das EU-Projekt wissenschaftlich begleitet.

Landkreis – Es war ein etwas ungewöhnlicher Anblick. Im Fuchstaler Eichenwald waren Wäscheleinen zwischen den Bäumen gespannt. Daran hingen wissenschaftliche Diagramme. Allerdings nur temporär zur Fachtagung zum „Tag des Bodens“. Vor einem Jahr wurde von den Gemeinden Kaufering, Igling, Fuchstal, Scheuring und Obermeitingen ein von der EU gefördertes mehrjähriges Forschungsprojekt gestartet, das sich mit der Lebensgrundlage der Böden beschäftigt (der KREISBOTE berichtete).

Die ersten Zwischenergebnisse konnte der für den Bereich zuständige Förster Ludwig Pertl zuletzt den Bürgermeistern und vielen Umweltfachleuten präsentieren. Der Dipl.-Forstingenieur hatte das Projekt entwickelt, das im Nachhaltigkeitskonzept der Marktgemeinde Kaufering seinen Niederschlag gefunden hat. Auch für Denklingens ehemaligen Bürgermeister Michael ­Kießling, der heute für die CSU im Bundestag sitzt, ist eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung wegen der Zusammenhänge mit dem Klimawandel ein wichtiges Thema.

Ludwig Pertl hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, der hohe Anteil der Nadelwälder sowie hohe Schadstoffeinträge hätten zu einer schlechten Bodenentwicklung in den heimischen Wäldern geführt. Die Folge seien unter anderem die Versauerung, nicht funktionsfähige Humusformen, geringe Regenwurmpopulationen sowie ein schlechtes Puffervermögen gegen Witterungsextreme. Pertl räumte aber auch ein, der steinreiche Lechfeldboden werde nie auf die Schnelle ein Hochleistungsboden werden. Um das zu erreichen, bräuchte man mindestens einige tausend Jahre.

Ziel müsse es sein, die Böden zu verbessern, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und damit dem Klimawandel und die resultierenden Witterungsextreme abzudämpfen.

Das vorherrschende Hauptproblem sei, so Pertl bei der Exkursion in den Fuchstaler Eichenwald, das Fehlen von laubholzreichen Dauerwäldern. Diese sind aber im Sinne der Holzwirtschaft nicht wirtschaftlich. Er appellierte an die Politik, monetäre Anreize zu schaffen, um entsprechende Ökosystemleistungen zu verbessern. Dann könne man auch Waldbesitzer zur Umstellung auf laubholzreiche Dauerwälder ermuntern. Das sei aber kein alleiniges bayerisches Problem.

„Wir brauchen zukunftsfähige Wälder“. Reine Nadelwälder seien dafür nicht geeignet, sagte Ludwig Pertl. Auf Dauer angelegte laubholzreiche Mischwälder seien der bessere Weg.

„Ein gesunder lebendiger Boden mit einem hohen pflanzenverfügbaren Wasserspeicher könne in der Vegetationsperiode mehr Biomasse produzieren und dadurch eine höhere Klimaleistung erzielen. Dies könne dann wiederum zu einem erhöhten Niederschlag sowie zu einem geringeren Temperaturanstieg führen. Die Gleichung laute: Bodenleistung  ­Biomassezuwachs – Ökosystemleistung. Im Umkehrschluss werde nach Pertls Ansicht steigende ­Witterungsextreme durch den anhaltenden Klimawandel langfristig zum Zusammenbruch der Biomasseproduktion und damit der Ökosystemleistung führen.

Das Projekt, das unter dem Namen „Links-4-Soils“ geführt ist, wird wissenschaftlich durch die Universität Innsbruck begleitet. Sophia Neuner, angehende Doktorandin der Innsbrucker Uni leitete die Podiumsdiskussion. Mit dabei war auch Dominik Landerer, der heuer seine Masterarbeit über das Projekt geschrieben hat.

Für den Bundestagsabgeordneten Michael Kießling ist klar, dass man viel mehr über das Thema Böden aufklären müsse. „Die Böden sind unsere Lebensgrundlage. Das ist vielfach noch nicht angekommen“, sagte Kießling. Er sieht auch eine Reihe von Ansätzen, um einen nachhaltigen Waldumbau zu fördern. Kießling sagte seine Unterstützung zu.

Siegfried Spörer

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