Erst 2022, aber immerhin

Lüftungsanlagen für Kauferinger Schulen und Kitas

Luftfiltergeräte sind in einem Klassenraum vor Schülern aufgebaut, die am Platz Maske tragen
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In Kaufering sollen keine mobilen Luftfilter wie dieser zum Einsatz kommen. Die Marktgemeinde setzt auf dezentrale Lüftungsanlagen.
  • VonAndrea Schmelzle
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Kaufering – Nun ist es entschieden: Schulen und Kindergärten der Marktgemeinde werden mit dezentralen Lüftungsanlagen ausgestattet. Auf mobile Luftreinigungsgeräte soll nach Möglichkeit verzichtet werden. Der Marktgemeinderat hat dem auf der letzten Sitzung vorgestellten Konzept der Verwaltung zugestimmt. Die Umsetzung der Maßnahmen kann allerdings erst Anfang nächsten Jahres erfolgen. Bis dahin heißt es noch: Fenster auf. 

Dass etwas zur Reduzierung der Virenlast beigetragen werden muss, war längst klar: Denn aufgrund steigender Covid-Zahlen und immer wieder neu auftretender Varianten müsse man Kinder in Kindergärten und Schulen bestmöglich schützen, führte Kauferings Geschäftsstellenleiter Dominic Jödicke diesen Tagesordnungspunkt ein. Weiteres Ziel: uneingeschränkter Präsenzunterricht – möglichst ohne Masken- und Testpflicht.

Offen blieb bisher noch die Frage des ‚Wie‘: dezentrale Lüftungsanlagen oder mobile Luftreinigungsgeräte? Hier galt es zunächst Vor- und Nachteile abzuwägen – einer der Gründe, weshalb das Thema erst jetzt zum Beschluss gebracht werden konnte. Aber auch andere Punkte mussten im Vorfeld geklärt werden: etwa die Lärmverträglichkeit für Kinder und Lehrer oder die Grundlagen für eine Stromversorgung vor allem in älteren Schulgebäuden.

Problematisch bei den Luftfiltergeräten: Die uneingeschränkte Sicherheit für die Kinder, insbesondere bei Geräten mit erheblicher UV-Belastung, fehle gänzlich, so Daniel Gritl vom für die Sanierung der Mittelschule beauftragten Ingenieurbüro P+G, das nun auch die ‚Belüftungsplanung‘ für den gesamten Gebäudekomplex der Grund- und Mittelschule sowie der Mittagsbetreuung übernehmen soll. Das freigesetzte Ozon könne die Atemwege der Kinder belasten.

Solche mobilen Geräte seien zudem mit bis zu 62dB sehr laut. Zum Vergleich: Flüstern habe 30 dB, normaler Straßenlärm 60dB, erklärte Gritl. Ein höherer Wartungsaufwand solch mobiler Geräte und eine unzureichende Stromversorgung in alten Schulgebäuden komme erschwerend hinzu.

Damit ‚gewannen‘ klar die dezentralen Lüftungsanlagen: „hohe Luftqualität, geringer Wärmeverlust, keine Zugerscheinungen, und ein Schallpegel von 30 dB – das heißt, sie laufen sehr leise“, so Gritl. Auch die zuvor eingeholten Stellungnahmen der Schulleiter ergaben ein klares Votum für stationäre Anlagen. Im Sommer seien mobile Geräte, die zu einer weiteren Wärmequelle werden, in den Räumen der Schule absolut ungeeignet, da es hier sowieso schon sehr warm sei, hieß es darin. Zudem mache eine weitere Geräuschquelle bei zum Teil eh schlechter Akustik in den Räumen ein normales Unterrichten kaum möglich.

Daher will Kaufering auf mobile Luftreinigungsgeräte möglichst verzichten. Stattdessen wird auf den Einbau von dezentralen raumlufttechnischen (RTL) Anlagen ohne Umluftanteil gesetzt.

Rund 30 solcher Anlagen sollen nun in der Mittelschule eingebaut werden. Ebenso 30 – trotz anstehender Sanierung – in der Grundschule. Nach der Sanierung ist geplant, die Geräte weiter zu verwenden. Zudem soll es zwei Lüftungsanlagen im Bereich der Mittagsbetreuung geben. Weitestgehend ohne Lüftungsanlagen bleiben allerdings die sieben Containerprovisorien. Die Kindergärten Don Bosco und Maria Himmelfahrt sind bereits mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. In den Kindergärten St. Johann sowie Paul und Paulinchen muss der Ein- beziehungsweise Nachbau noch geprüft werden.

Die Kosten: mit Einbau rund 12.500 Euro je Gerät. Das ergebe einen Gesamtaufwand von rund 1.045.000 Euro, inklusive Elektroinstallation, erklärte Jödicke. Allerdings profitiere der Markt hier von einer Bundesförderung in Höhe von 80 Prozent. Die Umsetzung der Maßnahmen werde – nach Planung und Ausschreibung sowie unter Berücksichtigung von Lieferzeiten – aber erst Anfang 2022 möglich sein.

„Das ist ein Problem für mich“, entgegnete Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Strickstrock. Zwar befürworte er das Konzept, wolle jedoch sicherheitshalber gern zweigleisig fahren und zusätzlich zehn mobile Luftfiltergeräte anschaffen. Einen entsprechenden Ergänzungsantrag lehnten die Räte jedoch mehrheitlich ab.

Einen ganz anderen „Denkansatz“ schlug Sascha Kenzler (UBV) vor: Der Schwereverlauf von Corona sei bei Kindern geringer. Zudem würden Impfzulassungen weiter ausgeweitet. Da die Geräte im Winter eh noch nicht da sein würden, plädiere er dafür, die Geräte zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erwerben. Er blieb jedoch der einzige mit Gegenstimme, sodass das Konzept der Kauferinger Verwaltung beschlossen werden konnte.

Bürgermeister Thomas Salzber­ger betonte abschließend: „Wir haben eine europaweite Ausschreibung – das dauert seine Zeit.“ Man habe von vornherein geschaut, langfristig zu agieren. „Corona wird nicht das letzte Virus sein.“

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