"Triple" beim LTG 61 in Penzing

"Das klappt aufs erste Mal!"

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Auch der Transall-Nachfolger A400M wird am 10. Juni beim "Triple" des Lufttransportgeschwaders 61 in Penzing zu sehen sein.

Penzing/Landsberg – Wenige Monate vor dem Abzug der Transall aus Penzing ist Kaser­nenkommandant Hauptmann Peter Hammer noch einmal richtig im Stress. Er organisiert drei Ereignisse, die am 10. Juni 2017 am selben Ort zur selben Zeit stattfinden: der Tag der Bundeswehr, der 60. Geburtstag des Lufttransportgeschwaders 61 (LTG)und das letzte Fest, das Bürger und Soldaten auf dem Fliegerhorst Penzing zusammen feiern. Hammer koordiniert dazu 100 Mitarbeiter, die das „Triple“ bereits seit Monaten in neun Arbeitsgruppen vorbereiten. Am Veranstaltungstag werden sich mindestens 1.000 Helfer um über 40.000 Besucher kümmern. Dabei steckt der Teufel im Detail.

Ehrlich gesagt: An die Toiletten auf den Parkplätzen, an die hätten wir nicht gedacht. Peter Hammer glücklicherweise schon. Er hat ja Recht: Wer am 10. Juni aus weiter Entfernung anreist, um eine der sieben dezentralen Parkflächen anzufahren, freut sich nicht nur über Einweiser, die ihm zeigen, wo noch Platz fürs Auto ist, sondern weiß wahrscheinlich auch ein WC zu schätzen, bevor er in einen der (kostenlosen) Shuttle-­Busse steigt.

Hauptmann Peter Hammer hat derzeit alle Hände voll zu tun: Er koordiniert das „Triple“ des Lufttransportgeschwaders 61 – ohne Generalprobe.

Dort wo das LTG 61 Parkmöglichkeiten reserviert hat, gibt es aber keine öffentliche „Örtlichkeit“ – nicht bei Hirschvogel in Denklingen (P7), nicht auf dem „Stillen Acker“ an der B998 (P5), nicht vor der Welfenkaserne im Frauenwald (P3/P4) und nicht an den anderen vier Orten, die in den Gemeindeblättern, Zeitungen und Flyern bekanntgegeben werden, teils mit QR-Code zum Einscannen und Direkt-dorthin-Navigieren mit Google Maps.

Also hat Hammer „mobile Toi­letten“ auf die Excel-Liste gesetzt. Arbeitsgruppe 1 wird sich darum kümmern: Sie ist für „Verkehr und Sicherheit“ zuständig und damit für das, was im Hinblick auf den 10. Juni vielleicht am meisten Bauchschmerzen macht. Diese Arbeitsgruppe „Blaulicht“, die mit den freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Gemeinden, dem Bayerischen Roten Kreuz und dem Fahrradclub ADFC zusammenarbeitet, leitet Hammer selbst.

Kein Megaphon, bitte!

Sicherheit sei diesmal von viel größerer Bedeutung als früher, erläutert der Offizier im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Deswegen seien Kontrollen wie in einem Fußballstadion vorgesehen. Wer Waffen, Laserpointer oder Glasflaschen mit sich führt, wird das Gelände nicht betreten können. Auch ist die Bundeswehr an diesem Tag nicht an Megaphonen und Transparenten interessiert; alternative Verteidigungskonzepte mögen bitte ein anderes Mal vorgetragen werden. „Verkehr“ ist deswegen ein so großes Thema, weil sich eine wetterbedingte Absage aufgrund aufgeweichter Parkflächen wie vor zehn Jahren nicht wiederholen soll. Hammer war damals im Geschwader, aber noch nicht Kasernenkommandant. Dennoch „sitzt der Stachel tief“.

Acht weitere Arbeitsgruppen kümmern sich um alles, was für den Tag mit seinem vielfältigen Programm nötig ist. Arbeitsgruppe 2 koordiniert die Flugvorführungen und Jet-Überflüge (vom Lechfeld aus) sowie die Flugzeugbesichtigungen unter Einschluss von Transall-Vorgänger Noratlas und Transall-Nachfolger A400M. Auch der Hubschrauber Bell UH1D wird noch einmal zu sehen sein. Mit dabei sind Besatzungen aus dem eigenen Geschwader, Soldaten aus anderen Einheiten der Bundeswehr und Verbündete von Partnern aus der NATO.

Profi-Kinderprogramm

Arbeitsgruppe 3 bereitet sich darauf vor, die Technik zu illustrieren, ohne die in Penzing kein Flugzeug starten und landen würde. Warum fliegt eine Transall? Warum ist sie so sicher? Wie wird sie betankt und beladen? Wie fühlt man sich als Soldat an Bord? Und wie als Pilot im Cockpit? Wer Glück hat, kann im Simulator das Kommando übernehmen und virtuell zur Platzrunde über den Landsberger Westen abheben.

Arbeitsgruppe 4 hat den Namen „Gästebetreuung“ und kümmert sich nicht nur um die 200 eingeladenen Ehrengäste, sondern vor allem um die Kinder. „Wir wollen, dass der Tag ein Tag für Familien wird“, sagt Peter Hammer, „dann müssen wir auch den Kindern ein Programm bieten“. Dafür sind professionelle Kindergärtner(innen) vom Familienbetreuungszentrum München engagiert. Mit im Angebot ist eine Fahrt übers Gelände mit der „Lilli-Lok“.

Arbeitsgruppe 5 macht Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei geht es um die Berichter­stattung im Vorfeld und „am Tag der Tage“. Selbst dabei hat Peter Hammers Mannschaft an außergewöhnlichen Service gedacht: Am Donnerstag, 8. Juni, erhalten 220 angemeldete „Spotter“ exklusiv die Möglichkeit, die Anflüge der Gastmaschinen zu fotografieren. Erstens weil „der Spotter an sich“ die Maschinen in der Luft ablichten will, nicht am Boden. Und zweitens, weil dann niemand das Blickfeld versperrt und die Fotos, die auch bei der Bundeswehr geschätzt werden, besser gelingen.

Arbeitsgruppe 6: Catering. Das LTG biete Essen und Getränke „zum Selbstkostenpreis“. Die „traditionelle Gulaschkanone“ ist in den Flyern schon angekündigt; kein Geheimnis ist auch, dass es die berühmte Erbsensuppe geben wird. 40.000, an einem schönen Tag vielleicht 50.000 Gäste, das schaffe die Heimbetriebsleiterin freilich nicht allein; sie arbeite mit externen Partnern zusammen, berichtet Hammer.

Arbeitsgruppe 7 verantworte Beschaffungen und Bestellungen von außerhalb. Das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum sei intensiv damit beschäftigt, Verträge zu schließen und Ausschreibungen auf den Weg zu bringen. Die normalen Vergaberichtlinien seien für diesen Tag ja nicht außer Kraft gesetzt. Arbeitsgruppe 8 kümmere sich um das Gleiche, aber auf „S4-Ebene“, will heißen: um Material und Dienstleistungen, die aus der Bundeswehr selbst kommen.

Arbeitsgruppe 9 befasse sich schließlich mit Informationstechnik und Kommunikation. Dabei geht es zunächst um den Aufbau eines eigenen digitalen Tetrapol-Funknetzes, das leistungsfähig genug ist, um auch entfernte Standorte wie die Parkplätze einzubeziehen. Hammers Team hat aber auch daran gedacht, die Provider Telekom, Vodafone und Telefonica über die zu erwartende Belastung der Funkzellen in Penzing zu informieren: Da wollen Tausende von Menschen gleichzeitig Fotos über WhatsApp verschicken oder auf Instagram posten – und das soll auch gelingen.

Keine Generalprobe

Seit Oktober 2016 arbeiten die neun Gruppen fast permanent an diesen Themen. Es sei oft Klein-Klein-Arbeit; die tägliche Frage laute: „Wo liegt der Fehler im Detail?“ Manche gute Idee habe sich aus solchen Problemen heraus einfach nicht verwirklichen lassen, zum Beispiel der angedachte Sonderzug von Geltendorf oder Kaufering ins Kasernengelände hinein. Das Schienennetz innerhalb des Fliegerhorstes, das ursprünglich zur Kraftstoffversorgung mit Tankkesselwagen diente, sei zwar immer noch intakt. Da das öffentliche Schienennetz außerhalb der Kaserne aber so belastet sei, dass es nur einen zusätzlichen Zug pro Stunde verkrafte, habe man den Gedanken schnell verworfen – auch wegen der Finanzen. „Der Tag darf zwar etwas kosten, aber es muss verhältnismäßig sein“. Nun setze das LTG Shuttle-Busse vom Bahnhof Kaufering ein.

Plattform für alle

Die Koordinierung der Arbeits­gruppen erledigt Peter Hammer neben seiner Tätigkeit als Kasernenkommandant. In dieser Funktion „bietet er den am Standort beheimateten Dienststellen eine funktionierende Plattform“. Er ist für die Zugangskontrolle zuständig, stellt das Verkehrs- und Parknetz sowie die Gebäude, Hallen und Werkstätten zur Verfügung und ist das operative Bindeglied zwischen dem, was in der Kaserne und was draußen geschieht –ähnlich wie der Standortälteste, zurzeit Oberst Daniel Draken, auf der eher politischen Ebene. Das sei bereits ein anspruchsvolles Programm, sagt der Apfeldorfer; glücklicherweise habe seine Familie Verständnis für die derzeitige Mehrfachbelastung. „Sie weiß, dass das irgendwann auch wieder vorbeigeht“.

Gibt es für das „Triple“ auf dem Fliegerhorst eine Generalprobe? Peter Hammers Antwort kommt spontan: „Nein, das klappt aufs erste Mal.“ Deswegen schlafe er auch noch gut: Die Menschen, die den Tag vorbereiten, leisteten professionelle Arbeit. Sein Hauptgefühl sei Vorfreude.

Werner Lauff

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