Lust auf Handwerk:

Die Kunst des Schuhemachens

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Luisa Grundmann in ihrer neu eröffneten Werkstatt im Vorderanger. Auf dem Schoß das Gesellenstück: Halbschuhe aus Wasserbüffelleder.

Landsberg – Ahle, Aufrauher und Putzholz hängen an der Wand. Daneben die alte Adler-­Nähmaschine, offensichtlich gerade in Gebrauch: Ein Faden steckt in der Nadel, auf der Stichplatte ein Stück Leder. Luisa Grundmann arbeitet konzentriert an einer Sohle, neugierig von Passanten vor der Ladenfront im Vorderanger beobachtet. „Ich bin es gewohnt, dass man mir über die Schulter schaut“, lacht die 27-Jährige. Das habe ihr Meister während der Lehre auch immer getan. Offensichtlich mit Erfolg: Luisa Grundmann hat die Gesellenprüfung in Frankfurt als Hessens Landessiegerin abgeschlossen – jetzt ist sie „Die Schuhmacherin“.

Ihr Gesellenstück sind ein Paar schwarze Halbschuhe, klassisch schön. Aus Wasserbüffelleder. „Das Einzige, was an diesem Schuh nicht aus Leder ist, ist die Gelenkfeder“, erklärt Grundmann. Sie beherrscht die Königsdisziplin des Schuhemachens. Und sollte sie mal Fragen haben, unterstützt sie ihr Lehrbetrieb, die Maßschuhmanufaktur Lenz in Frankfurt nach wie vor gerne. „Leben werde ich natürlich von Reparatur und Pflege“, räumt die Handwerkerin ein. „Ich putze Schuhe sogar gern.“ Deshalb wird sie einen Schuh-TÜV anbieten: „Desinfizieren, imprägnieren und putzen, dann ist der Schuh fit für jedes Wetter.“

Bis Luisa ihren Traumjob gefunden hatte, dauerte es. Nach dem Abi war sie sieben Monate in Neuseeland, „um mir klarzuwerden, was ich will“. Geklappt hatte das nicht wirklich. Sie fing ein Studium an, Germanistik und vergleichende Religionswissenschaften. Aber die Unzufriedenheit blieb. Kurz vor dem Bachelor schrieb sie ihrem Professor einen Brief: „Ich komme nicht wieder“. Per Hand. „Am nächsten Morgen habe ich Schuhmacherausbildung gegoogelt.“ Wie sie darauf kam, weiß sie nicht. Aber es ist ihr Traumberuf. Denn sie mag es, Menschen glücklich zu machen. Zum Beispiel durch die Reparatur der geliebten alten Treter.

Nach Landsberg gekommen ist sie der Liebe wegen. Aber dass dann gleich das Haus frei war, das früher die Schuhmacherei Schmid beherbergte, sei schon ein großer Zufall. Und als dann die alten Maschinen im Haus standen, habe sie „das große Wort Schicksal“ gedacht. Sie grinst. Denn sofort nach der Ausbildung einen eigenen Laden aufzumachen, ist nicht ohne. Aber es gibt schon Kunden. Und einige davon liebäugeln mit Maßschuhen. „Aber Vorsicht, wenn man einmal einen an hatte, will man nichts anderes mehr“, warnt Luisa Grundmann. Entscheidend dabei sei das exakte Schleifen der Rohleisten auf die Maße des Kunden. Denn kein Fuß gleiche dem anderen, auch der linke nicht dem rechten. Und das, sagt „Die Schuhmacherin“ sei die wahre Kunst: „Perfekt sitzende Schuhe, die von außen haargenau gleich aussehen.“

Susanne Greiner

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