Kabel miserabel:

Verlegechaos: Greifenberg klagt gegen Deutsche Glasfaser

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In Greifenberg muß künftig sehr vorsichtig gebuddelt werden, da die Deutsche Glasfaser ihre Leitungen zum Teil nur zwanzig bis dreißig Zentimeter tief verlegt hat.

Greifenberg – Bei der Akquise von Gemeinden und Endkunden für superschnelles Internet ist die Deutsche Glasfaser top. Als Flop allerdings bezeichnen viele Fachleute in den Bauämtern die mangelhaften Tiefbauarbeiten bei der Kabelverlegung. Da die Deutsche Glasfaser auf die Beschwerden nicht eingeht, ziehen immer mehr Kommunen vor Gericht. So wie jetzt auch Greifenberg.

In der jüngsten Gemeinderats­sitzung wurde die Verwaltung beauftragt, Klage zur Durchsetzung der Vertragserfüllung bzw. der Gewährleistungsansprüche der Gemeinde einzureichen. Und zwar gegen die DG Whole­sale GmbH und die DG Netz Operating GmbH im Firmenverbund der Deutschen Glasfaser. Rechtsanwalt Dr. Alexander Scholz von der Münchner Kanzlei Glock Liphart Probst & Partner betonte in seinen Ausführungen, die Gemeinde brauche mit der Klage eine Handhabe, um Regressansprüche einfordern zu können, wenn durch die unsachgemäß ausgeführten Tiefbauarbeiten Schäden durch Dritte entstehen.

Das sei durchaus möglich, wie Bürgermeisterin Patricia Müller erläuterte. Denn zum Teil wurden die Glasfaserkabel nur in 20 bis 30 Zentimeter Tiefe verlegt. Darüber hat die Deutsche Glasfaser weder wie üblich Leitungspläne noch eine Dokumentation angefertigt. Stehen im Gemeindegebiet weitere Tiefbauarbeiten an, müssen die beauftragten Firmen auf gut Glück graben und hoffen, keine Glasfaserleitung zu kappen. „Durch die Mindertiefen besteht ein erhebliches Risiko, wie weit sicher gegraben werden kann“, so Müller. Für eventuelle Schäden müsste die Deutsche Glasfaser aufkommen, da sie trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung durch die Gemeinde bezüglich der Leitungspläne nicht reagiert habe. Man spricht der Deutschen Glasfaser dabei nicht die Kompetenz als Netzbetreiber ab, sondern die Fähigkeit als Projektmanager im Tiefbau.

Schuld daran ist die Beauftragung von Generalunternehmen, die wiederum auf Subunternehmer zurückgreifen. Die kommen meist aus dem Ausland und sprechen oft kein Wort Deutsch. Das Netz ist voll von Beschwerden und abenteuerlichen Geschichten über die Installationsphase der Deutschen Glasfaser. Aufgebuddelte Löcher würden oft nicht verschlossen, so dass die Gemeinden selbst ran müssen. Die bundesweiten Erfahrungsberichte betreffen auch nicht fachgerechte Baustellenabsicherungen, nicht eingehaltene Zeitpläne oder massenhafte Miss­achtung von Bauvorschriften. Kundenbeschwerden würden „konsequent ignoriert“. Ein User bezeichnet die Firma gar als „Deutsche Chaos- und Lügenfaser“.

Bei der Deutschen Glasfaser ist man der Meinung, die Arbeiten in Greifenberg ordentlich beendet zu haben, wobei aber die Gemeinde die Abnahme „wegen erheblicher Mängel“ abgelehnt hat. Dazu gehören neben den fehlenden Leitungsplänen auch die unsachgemäße Wiederherstellung der Gehsteig- und Fahrbahndecken.

Laut Rechtsanwalt Dr. Alexander Scholz seien alle prozessualen Voraussetzungen vorhanden, um die Deutsche Glasfaser zur fachgerechten Nachbesserung bzw. zu einer Entschädigungszahlung zu verklagen.
Dieter Roettig

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