Mängelbericht mit sieben Seiten

In einer dreistündigen Sondersitzung hat sich der Gemeinderat kürzlich mit dem geplanten neuen Feuerwehrhaus befasst. Zweifel an der Notwendigkeit des Neubaus bestehen nicht mehr, nur hinter der Finanzierung steht ein großes Fragezeichen. Die Planer gehen von rund 2,3 Millionen Euro Kosten aus, die sich dank staatlicher Zuschüsse und Eigenleistung im günstigsten Fall auf rund 1,5 Millionen Euro drücken ließen. Trotzdem ist vielen Gemeinderäten bei dem Gedanken an so viel neue Schulden mulmig zumute.

Das bisherige Feuerwehrhaus in der Neuenstraße ist den Anforderungen längst nicht mehr gewachsen. Thomas Roselt vom Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV) trug einen siebenseitigen Bericht über die Gefahren für die Gesundheit und Sicherheit der Feuerwehrleute und Anwohner vor, „und das sind nur die wesentlichsten Mängel“. Das Gebäude liegt im Wohngebiet in einer Tempo-30-Zone. Ausrückende Einsatzfahrzeuge gefährden in der unübersichtlichen Lage Fußgänger und spielende Kinder. Im Feuerwehrhaus selbst drängen sich die Einsatzkräfte wegen fehlender Umkleideräume auf engem Raum zwischen Garagenwand und Löschfahrzeugen. Treibstoffe und Schaummittel, die eigentlich in ein Gefahrgutlager gehören, sind aus Platzmangel in der Fahrzeughalle gelagert. Kurzum: „Es besteht starker Hand­lungsbedarf“, so Roselt. Sollte es wirklich zu einem Unfall kommen, würden der Gemeinde im schlimmsten Fall finanzielle und sogar strafrecht­- liche Konsequenzen drohen – dann nämlich, wenn der Missstand bekannt war und nichts dagegen unternommen wurde. Detaillierte Aufstellung Immerhin: Ein Grundstück für das neue Feuerwehrhaus hat die Gemeinde bereits erworben. Das geplante Gebäude an der Türkenfelder Straße soll fünf Fahrgassen bekommen und mo­dernen Standards entsprechen. Kommandant Ewald Kapf­hammer präsentierte dem Gremium ein umfassendes Konzept samt detaillierter Kostenaufstellung. Der Einzelkostennachweis listet sämtliche Posten von der Verlegung der Fundamente bis zur Installation der Steckdosen auf. CSU-Gemeinderat Christian Engelstädter lobte die „vorzügliche Vorarbeit“ und forderte seine Ratskollegen auf, „jetzt endlich in die Puschen zu kommen“. Die Frage sei, ob die Bausumme finanziert oder erwirtschaftet werden solle, „auch da gibt es Ideen“. Christian Scheifele (CSU) äußerte sich enttäuscht darüber, dass die Kämmerin nicht zur Sitzung geladen worden war und noch keine Finanzierungsvorschläge der Verwaltung vorlagen. Die Feuerwehr bietet für das Projekt umfangreiche Eigenleistungen sowie einen finanziellen Beitrag des Feuerwehrvereins an. Staatliche Zuschüsse seien dem Projekt sicher und würden unter Umständen sogar schon während der Bauarbeiten in Raten ausgezahlt, erklärte Kreisbrandrat Johann Koller. Der Verkaufserlös des alten Gebäudes würde ebenfalls einfließen. Dennoch blieb die Frage, wo die finanzielle Belastbar­- keit der bereits hoch verschuldeten Gemeinde endet. Nun soll das Projekt im Finanz­ausschuss des Gemeinderates mit Kämmerin Andrea Pleintinger weiter beraten werden.

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