Dießen setzt der Orga eine Frist:

Hausaufgaben für die Magic Lake Festival-Macher

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Sind guter Dinge, dass das Magic Lake Festival hier in den Dießener Seeanlagen (Hintergrund) über die Bühne gehen wird: Die Organisatoren Jürgen Farenholtz, Julia Bohn, Jörg Lattek und Tom Bohn.

Dießen – Eine dreitägige Veranstaltung wie das Magic Lake Festival, das vom 22. bis 24. September mit tausenden von Besuchern auf dem Festplatz am See stattfinden soll, ist eine Premiere für die Gemeinde Dießen, und in diesem Format auch für das Veranstaltungsteam um Regisseur und Drehbuchautor Tom Bohn. Dass die Atmosphäre vor Premieren gelegentlich etwas angespannt ist, ist ein altbekanntes Phänomen, das auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung spürbar wurde. Der Rat setzte den Veranstaltern eine Frist: Bis zum 11. August müssen alle Formalitäten erledigt und Unklarheiten beseitigt sein, erst dann gibt es eine Genehmigung.

In seinem Sachstandsbericht erinnerte Verwaltungschef Karl-Heinz Springer an den Beschluss vom 19. Juli, wonach das Festival genehmigt werden kann, sobald alle offenen Fragen geklärt sind. Unstimmigkeiten gäbe es beispielsweise noch hinsichtlich der Besucherzahlen. Bei einer von den Veranstaltern prognostizierten Besucherzahl von täglich bis zu 5.000 Personen seien 50, und nicht wie im Konzept der Veranstalter vorgesehen, nur 16 Sicherheitskräfte notwendig. Ebenso seien 20 Toiletten nicht ausreichend, die Verwaltung fordert mindestens 60. Und: die Anzahl der Parkplätze sollte mindestens bei 1.800 liegen.

Außerdem benötigt die Gemeinde bis zum 11. August eine aktualisierte Versicherungspolice. Vorgelegt werden muss weiterhin der Mietvertrag mit dem Staatsgut Achselschwang für die Wiese am nördlichen Ortseingang, die als Parkplatz genutzt werden soll. „Kniffelig“ sei auch das Gastrokonzept, da jeder Wirt eine eigene Genehmigung benötige, so Springer. Vom Veranstalter zu unterzeichnen ist schließlich auch noch der von der Gemeinde ausgearbeitete und vom Gemeinderat für gut befundene Mietvertrag für das Festivalgelände am See. Plakatieren darf das Magic Lake-Team erst nach Erteilung der Genehmigung gemäß der örtlichen Plakatierungssatzung. Der Abbau auf dem Festivalgelände ist, so der aktuelle Ratsbeschluss, für Montag nach der Veranstaltung vorgesehen. „Da hängt noch viel Arbeit drin, aber grundsätzlich sind wir guter Dinge“, fasste Springer zusammen.

Grundsätzlich wohlwollend, aber in einzelnen Punkten etwas irritiert, zeigten sich die Gemeinderäte: Michael Fuchs-Gamböck (parteifrei) kritisierte, dass Eintrittskarten verkauft werden, obwohl noch keine offizielle Genehmigung für das Festival vorliegt. Auf die Erich Schöpflings (SPD) Frage nach Zeltplätze oder Übernachtungsmöglichkeiten, erklärte Springer: „Die Veranstalter räumen abends das Gelände. Wo die Besucher übernachten ist nicht bekannt.“

Dass manche Sorgen womöglich unbegründet seien, ließen Martin Brink (Freie Wähler) und Petra Sander (Grüne) anklingen. Auch beim (kleiner dimensionierten) MusicSummerAmmersee unter der Regie von Johannes Dornhofer, der vor zwei Wochen zum fünften Mal am Dampfersteg stattfand, habe es keine Probleme oder Beschwerden gegeben, betonte Brink. „Ich denke wir sollten es einfach miteinander probieren“, meinte Petra Sander mit Blick auf Tom Bohn und dessen erfahrenes Veranstaltungsteam, das seit Jahren in Landsberg das Snowdance Filmfestival durchführt. Snowdance, so Springer auf Nachfrage, sei allerdings nicht mit Magic Lake zu vergleichen, da es in überschaubaren Räumlichkeiten mit wesentlich weniger Besuchern stattfinde.

Aufgrund aktueller Vorkommnisse bei großen Veranstaltungen mache das Innenministerium und die Polizei ab 1.000 Besuchern zunehmend strengere Vorschriften, denen nachzukommen sei, betont Springer. Vor diesem Hintergrund müsse sich die Gemeinde auch im Hinblick auf etablierte Veranstaltungen, wie den Dießener Töpfermarkt oder den MusicSummer erneut Gedanken machen. Grundsätzlich hafte bei Zwischenfällen der Veranstalter, aber unter Umständen auch die Behörde, die die Genehmigung erteilt habe.

Ursula Nagl

5 Fragen an Creative Director Tom Bohn

Herr Bohn, wie finden Sie die Debatten um das Magic Lake Festival im Dießener Gemeinderat? Hat das Auswirkungen auf die Stimmung im Team?

Bohn: „Es gibt keine Debatten im Gemeinderat, sondern wir erarbeiten gemeinsam Wege und Möglichkeiten, in schwierigen Zeiten ein neues Festival auf die Beine zu stellen. Dazu erhalten wir von allen möglichen Seiten sehr viel Bestätigung, Unterstützung und Mut zugesprochen – was unser gesamtes Team sehr motiviert.“

Sind die Forderungen der Gemeindeverwaltung Ihrer Meinung nach überzogen?

Bohn: „Nein, sie sind gerechtfertigt. In anderen Städten werden Veranstaltungen wegen der aktuellen Sicherheitslage gestrichen. Und jetzt kommen wir und wollen etwas Neues aufziehen. Das mitzumachen braucht viel Mut und Willen. Dass dies in Diessen vorhanden ist, ist großartig. Aber, weil wir diese Veranstaltung das erste Mal machen, gibt es natürlich auch eine ganze Reihe von Erfahrungen, die wir alle miteinander völlig neu machen müssen.“

Bis 11. August haben Sie noch Zeit, die strittigen Punkte zu klären bzw. entsprechende Nachweise vorzulegen – ist das noch zu schaffen?

Bohn: „Ohne Probleme. Es geht nur noch um Detailfragen. Wir sind uns alle grundsätzlich einig und dem Anderen gegenüber positiv eingestellt. Das ist das was zählt. Auch wenn es Kollegen in der Landsberger Presse gibt, die gerne einen Konflikt herbeischreiben würden.“

Gibt es am Ammersee eine vergleichbare Veranstaltung, an der Sie sich orientierten können?

Bohn: „Nein, es gibt am Ammersee keine vergleichbare Veranstaltung – und wir wollen uns auch gar nicht vergleichen, sondern etwas Eigenständiges, etwas Besonderes, machen. Unser Ziel ist es, ein wunderschönes, unverwechselbares Festival zu kreieren. Und sowas entsteht aus sich selbst heraus, wenn man dafür ein passendes Konzept hat; ein Vorbild, das wir immer genannt hatten war Tollwood, wie es ganz am Anfang mal gewesen ist.“

Wie läuft denn der Vorverkauf?

Bohn: „Der Vorverkauf läuft zwar schon – er ,beginnt‘ aber heutzutage erst richtig zwei bis drei Wochen vor dem Festival. Die Leute entscheiden sich seit einiger Zeit viel kurzfristiger, als noch vor Jahren.“

Toni Schwaiger

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