Eine Art Liebesgeschichte

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„Schneeweiß und schneeblau“ nennt der Ernst Heckelmann seine Bergbilder-Serie. Vergangenen Freitag wurde ihm der Kunstpreis des Landkreises überreicht.

Landsberg – Großformatige blau-weiße Bilder schmücken die Wände des Foyers im Landratsamt, dazu passend weiße Tischdecken mit blauen Servietten. Es geht nicht um Bayern – oder doch irgendwie, denn der Maler Ernst Heckelmann, dem am Freitagabend der Kunstpreis des Landkreises Landsberg verliehen wurde, mag seine Heimat – zumindest die Berge in schneeweiß-schneeblau: „Das ist eine Art Liebesgeschichte für mich: Der Schnee schmilzt, alles fließt, den Lech hinunter.

Raue Berge in groben, teils pas­tösen Pinselstrichen blicken auf den Betrachter, wild, manchmal fast einschüchternd, ganz sicher nicht lieblich heimatlich. Ernst Heckelmann arbeitet selten auf Leinwand: „Ich liebe Papier!“ Die Arbeiten im Foyer sind nicht gerahmt: Großformatige Plakate, mit Klebeband an die Wand gehängt. Heckelmann geht es in seinen Bildern um Schönheit, denn „ohne Schönheit ist die Welt völlig unattraktiv.“ Wenn er malt, so geschieht das meistens schnell und dynamisch, große Farbflächen, die er auch mit den Händen aufträgt. Zumindest am Anfang eines Bildes, denn da steht für ihn „das kurze Verlieben. Und dann geht diese scheiß Arbeit los.“

In seiner Rede zur Preisverleihung verweilt er lange bei den Eltern: Ein Foto seiner Mutter in einem Bugatti, ein Brief seines Vaters aus New York. Auch heute lebt er wieder auf dem elterlichen Grundstück, eine alte Mühle in Dornstetten. Was er erzählt, wirkt im Gegensatz zu seinen Bildern vage und vorsichtig tastend: Er selbst habe erst kurz vor der Preisverleihung etwas aufgeschrieben, „aber es ist mir nicht gelungen, das in ein sinnvolles Ganzes zu bringen.“ Mit seinen Eltern war er oft in den Bergen: „Das war eine rauschhafte Verbindung.“ Schon Heckelmanns Großvater arbeitete mit am Bau der Zugspitzbahn, und eigentlich, so wollte es sein Vater, sollte aus Ernst Heckelmann ein Skirennfahrer werden. Als sein Vater, ebenfalls Maler, stirbt, ist Heckelmann noch jung: „Da kamen auf uns erst einmal sehr dunkle Zeiten zu“, erzählt er. Aber ab diesem Punkt ist er sich sicher, dass auch er Maler werden will.

Konkreteres zu Heckelmann hatte der ehemalige Oberbürgermeister Landsbergs Franz Xaver Rößle in seiner Laudatio zu berichten: Schon vor 47 Jahren habe er den 1948 in Wartaweil geborenen Heckelmann kennengelernt: „Er hat direkt neben der Metzgerei meiner Eltern ausgestellt.“ Der Künstler male nicht nur Berge, sagt Rößle, und erzählt von einem roten Frauenakt, der zu Rößles Bürgermeisterzeiten in der Stadtbücherei Landsberg hing. Doch als eine Mutter protestierte, musste Rößle ihn abhängen lassen: „Heckelmanns Kommentar dazu war, sein Werk gelte wohl als entartet.“ Seit 1978 hat Heckelmann regelmäßig Ausstellungen.

Anfang der 90er ist er Stadtmaler, hoch oben in Bremervörde. Er illustriert ein Buch, malt für das Programmheft der Bayerischen Staatsoper. Und inzwischen sind seine Arbeiten weltweit zu sehen, „wobei jedes einzelne Bild besser als tausend Worte ist“, urteilt Rößle: „Der Rhythmus seiner Hand gibt Landschaften eine Gestalt, macht sie lebendig. Seine Bilder tragen das Pulsieren des Lebens und zeigen auch die Haltlosigkeit des modernen Menschen.“ Heckelmann dekonstruiere nicht, er komponiere. Und ab und zu füge er ein Wort ein, damit es nicht allzu ernst werde. Bei einem Bild ist das zum Beispiel „Nebel“ – rückwärts gelesen ergibt das „Leben.“

Ernst Heckelmann dankte der Dießener Künstlerin Annunciata Foresti, die den mit 4000 Euro dotierten Kunstpreis angeregt hatte: „Das war eine sehr gute Idee, liebe Annunciata!“ Mit dem von der Sparkassenstiftung Landsberg finanzierten Preis sollen ab nun jährlich bildende Künstler ausgezeichnet werden, da sie beim Kulturförderpreis kaum berücksichtigt werden. Gerne sei der Kulturbeirat und der Kreisrat Forestis Anregung gefolgt, betonte Landrat Thomas Eichinger: „Kunst begleitet unser Leben. Sie kommuniziert ohne Worte und ist Vermittler der Gegenwart für die Nachwelt.“ Und mit Ernst Heckelmann habe man einen würdigen ersten Preisträger dieser Auszeichnung gewählt.

Susanne Greiner

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