Manchmal gibt es eine besondere Tafel

Auf den ersten Blick war am letzten Ausgabetag vor Weihnachten alles wie immer. In dem großen Theatersaal des Jugendzentrums an der Spöttinger Straße verteilten routiniert zupackende Helfer die angelieferten Nahrungsmittel an die rund 150 Menschen, die regelmäßig zur Tafel kommen. Insgesamt wurden damit rund 250 Menschen versorgt. Doch wer genauer hinsah, konnte die vielen weißen, mit Spielsachen voll gepackten Plastiktüten am hinteren Ende des Raumes sehen.

Obwohl die Landsberger Tafel grundsätzlich nur Lebensmittel verteilt, durften vor Weihnachten die Geschenke für die Kinder der Not leidenden Familien nicht fehlen. Die Spielsachen, Bücher, Stifte und Malblöcke stammen zum Teil aus einer RTL-Spendenaktion. Den weitaus größten Teil haben Schulkinder sowie einige Firmen aus dem Landkreis eigens für diesen Zweck gesammelt. Und wer das sonst übliche Angebot kennt, weiß, dass die Mengen an Butter, Fischkonserven und Schokolade dem bevorstehenden Fest geschuldet waren. Zu besonderen Gelegenheiten kauft der Verein von Spendengeldern Lebensmittel hinzu. Rund 6000 Euro sind in der Vorweihnachtszeit auf dem Konto der Landsberger Tafel eingegangen. Ein weiterer, nicht unbeträchtlicher Teil des zur Verfügung stehenden Geldes, kommt von den Bedürftigen selbst. Für jede Lebensmittelausgabe müssen sie einen Euro entrichten. „Es ist kaum zu glauben, aber auf diese Weise nimmt der Verein jährlich rund zehntausend Euro ein“, sagt Vorstandsmitglied Martin Berg. Ein Blick in seine Augen reicht, um zu erkennen, dass diese Summe für ihn und seine Mitstreiter kein Grund zur Freude darstellt. Denn hinter jedem Euro steht ein Tag, an dem es sich ein Mensch nicht leisten konnte, für sich und seine Familie Essen zu kaufen. Von einer Tafel Schokolade, die bei vielen von uns ohne zu überlegen regelmäßig im Einkaufswagen landet, ganz zu schweigen. Geistige Nahrung Besonders freute es die Mitglieder der Landsberger Tafel, allen voran die Vorsitzende Marlies Klocker, dass sie von dem Geld für alle Kinder einen Büchergutschein kaufen konnten. Er kann bei den Landsberger Buchhandlungen nur für Kinderbücher eingelöst werden. Die geistige Nahrung darf auch in dieser für die Bedürftigen schwierigen Situation nicht zu kurz kommen. Ganz besonders bei den Kleinen nicht. Um die Lebensmittelausgabe vorzubereiten, ist viel zu tun: Da werden Kisten geschleppt, Waren inspiziert und manche entsorgt. Wenn alles ausgepackt und auf den Tischen gestapelt daliegt, hat man tatsächlich den Eindruck, vor einer Tafel zu stehen. Einer Tafel die gleichzeitig ein Ausdruck für Überfluss und Mangel ist. Man merkt den Helfern an, dass sie ihr Tun ernst nehmen, mit Freude ans Werk gehen und aus Überzeugung helfen. Es ist für sie selbstverständlich. Denn trotz Zeitdruck und vorweihnachtlicher Hektik haben fleißige Hände die gespendeten Spielsachen nicht einfach in die schmucklosen weißen Plastiktüten gepackt. Auf jeder Tüte steht „Frohes Fest“ oder „Schöne Weihnachten“. Einige sind sogar mit weihnachtlichen Motiven bemalt. Als schließlich eine Frau kurz bevor sie mit vollen Taschen den Raum verließ mit lauter Stimme allen Helfern für ihren Einsatz dankte und ein frohes Fest wünschte, hielten diese kurz inne, und gingen gleich wieder an die Arbeit. Es war eben eine ganz gewöhnliche Lebensmittelausgabe mit kleinen Extras. bas

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