Wenn Hilfe illegal ist

Mann baut für seine Mutter Cannabis an – Freiheitsstrafe auf Bewährung

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Weil er für seine Mutter Cannabis zur medizinischen Behandlung angebaut hat, hat sich ein 25-jähriger vor Gericht verantworten müssen.

Landsberg – Gestern hat sich ein 25-jähriger Mann vor dem Amtsgericht verantworten müssen, weil Polizisten mehrere Cannabispflanzen in seinem Garten fanden. Daraufhin wurde er zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Angeklagt war er ursprünglich wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Insgesamt vier Pflanzen mit einer Wuchshöhe von circa 170 Zentimetern fanden die Polizisten im September 2017 bei dem 25-Jährigen im Garten seiner Wohnung. Wie bei der späteren Untersuchung herauskam, besaß er damit um die drei Kilo Cannabis. Ein Polizeibeamter sagte vor Gericht aus, dass er aufgrund dieser großen Menge nicht von reinem Eigenkonsum, sondern von einem Handelstreiben ausging. Allerdings hätten er und seine vier Kollegen keinerlei Verpackungsmaterial, Waagen oder Ähnliches, was auf einen Verkauf hindeute, finden können: „Ich konnte die Situation nicht so richtig einschätzen.“

Wie sich aber während des Verfahrens herausgestellte, wollte der 25-Jährige das Cannabis nie verkaufen. Stattdessen hatte er es für seine 65-jährige Mutter angepflanzt, die unter schweren gesundheitlichen Problemen leidet. Schlaganfall, Schilddrüsenkarzinom, Probleme mit den Bandscheiben und starke Schmerzen – „Ich konnte meine Mutter einfach nicht mehr länger leiden sehen“, gibt der Angeklagte als Grund für sein Handeln an.

Aus den Blättern der Cannabispflanzen habe seine Mutter Tee gekocht. Sobald die Pflanzen dafür reif gewesen wären, wollte der junge Mann Öl ziehen, damit seine Mutter es als Medizin anwenden könne. Doch dazu kam es nicht mehr.

Richter Kessler sprach den legalen Weg an, medizinisches Cannabis zu bekommen. Der Angeklagte, der sich zurzeit mit Aushilfstätigkeiten über Wasser hält, gab an, dass sie ein Gespräch beim Hausarzt gehabt hätten. Der habe ihnen allerdings erklärt, dass es mit einer Genehmigung „nicht so einfach“ und das Ganze mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden wäre. Die Erfolgschancen seien hingegen gering. Für Mutter und Sohn kam daher der legale Weg nicht mehr in Frage. Der Richter machte jedoch deutlich, dass es nicht sein könne, dass man eine Straftat begeht, nur weil einem der legale Weg zu mühsam ist. „Dann würde unser Rechtssystem bald zusammenbrechen.“

Verteidiger Radke hatte auch die Mutter zu dem Gerichtstermin eingeladen. Sie bestätigte die Aussagen ihres Sohnes. Seh emotional berichtete sie außerdem von ihren gesundheitlichen Problemen und wie sehr sie und ihr Sohn da-

runter litten. Auch gibt sie zu: „Es ist meine Schuld, dass er das gemacht hat.“ Sie habe ihn mehrmals darum gebeten, Cannabis anzupflanzen, wobei ihr Sohn immer ablehnte und ihr erklärte, dass das strafbar sei. Irgendwann habe er aber doch nachgegeben und sich die Samen für medizinisches Cannabis im Internet bestellt. „Ich habe mich so gefreut, dass wir bald Öl ziehen können, und dann haben sie mir meine Medizin weggenommen“, gab die 65-Jährige sichtlich aufgewühlt an.

Obwohl Richter Kessler Verständnis für die emotionale Situation der beiden aufbringen könne, ändere das nichts daran, dass der junge Mann sich strafbar gemacht habe. Ein Freispruch, wie ihn der Verteidiger forderte, wäre nicht möglich. In der Urteilsverkündung machte Kessler deutlich, dass die Strafe gerade noch so zur Bewährung ausgesetzt wurde. „Sie sind ein Überzeugungstäter, der nicht einsieht, dass er was falsch gemacht haben soll. Sie haben den Ernst des Lebens noch nicht verstanden.“ Zum Vorteil wirkte sich das Motiv aus und dass der Angeklagte keine Vorstrafen hat.

Neben dem einen Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung muss der 25-Jährige 100 Stunden Sozialdienst innerhalb von drei Monaten in einer Einrichtung seiner Wahl ableisten. Außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens.

Stephanie Novy

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