Helfer wird zum Opfer

Mann wird verurteilt, weil er einem Rettungsassistenten ins Gesicht schlug

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Weil er einen Rettungshelfer ins Gesicht schlug, muss ein 56-Jähriger 1.800 Euro Strafe zahlen.

Landsberg – Mit der Faust ins Gesicht. Oder doch nicht? Der 56-jährige Angeklagte konnte sich vor dem Amtsgericht in Landsberg jedenfalls nicht daran erinnern, dass er volltrunken einem Rettungsassistenten ins Gesicht geschlagen haben soll. Das Gericht sah das anders und verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro.

Laut Strafbefehl hätten es 90 Tagessätze à 15 Euro, also 1.350 Euro, sein sollen. Aber der Angeklagte, der ursprünglich aus Kasachstan stammt, wollte das nicht akzeptieren. Weil er nach eigener Aussage unschuldig sei.

Im März dieses Jahres wurde der Geschädigte zu einem Notfalleinsatz in Landsberg gerufen. Zusammen mit seinem Kollegen fand er den stark alkoholisierten Angeklagten mit einer Platzwunde am Kopf vor. Laut Notruf war er bei dem Versuch, die Haustüre aufzusperren, rückwärts von einem Absatz gefallen. Der Angeklagte beschrieb das anders. Vor dem Amtsgericht sagte er aus, dass er gestürzt sei, weil er kaputte Kniegelenke und Probleme mit der Bandscheibe habe.

Die Rettungshelfer wollten den Mann für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus bringen. Da sich der Angeklagte aber nicht selbstständig bewegen konnte, legten sie ihn auf eine Trage. Der BRK-Mitarbeiter gab an, dass der 56-Jährige ihm daraufhin mit der Faust auf die Nase geschlagen habe.

Ganz anders ist die Geschichte des Angeklagten. Der habe den Rettungsassistenten lediglich weggeschoben, weil er keine Hilfe wollte. Geschlagen habe er niemanden.

Ein Zeuge, der das Ganze beobachtet hatte, will zwar keinen Faustschlag gesehen haben, aber er beobachtete, wie der auf der Trage Liegende wild mit den Händen um sich schlug. Da die Mutter des Zeugen eine Nachbarin des Angklagten ist, konnte er aber bestätigen, dass der Mann öfters trinkt.

Letztlich glaubten Richter Michael Eberle und Staatsanwältin Andrea Lieb dem Rettungshelfer und verurteilten den 56-Jährigen zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro – sprich 1.800 Euro. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Obwohl damit das ursprüngliche Strafmaß von 90 Tagessätzen nochmals angehoben wurde, ist er glimpflich davon gekommen. Bei vorsätzlicher Körperverletzung wären bis zu fünf Jahre Gefängnis möglich gewesen.

„Ich war kurz davor Ihnen sechs Monate Freiheitsstrafe zu geben“, mahnte Eberle. Denn der arbeitslose Angeklagte wurde bereits viermal zu Geldstrafen verurteilt. Jedes Mal wegen Trunkenheit am Steuer. Zweimal sogar mit Körperverletzung.

Der gebürtige Kasache, der in seiner alten Heimat Bergarbeiter war, gab zu, alkoholkrank zu sein. Für eine dreitägige Entgiftung wäre er schon einmal im Krankenhaus gewesen. Eine Therapie lehnte er aber auf Nachfrage des Richters ab. Nicht unbedingt ein Zeichen von Reue. Der Richter folgte trotzdem dem Antrag der Staatsanwältin, da der Rettungshelfer keine schwerwiegenden Verletzungen davontrug und auch kein Interesse an einer Strafverfolgung hatte.

„Eines ist klar: Das nächste Mal sind Sie wegen fahrlässigem Vollrausch dran und das heißt Gefängnis“, mahnte Eberle.

Möglich wäre aber, dass der Angeklagte schon früher einsitzen muss. Der Mann wolle nämlich in Berufung gehen. Eberle betonte jedoch, dass das Landgericht in Augsburg ihn noch härter bestrafen könnte. Freiheitsstrafe nicht ausgeschlossen.

Stephanie Novy

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