Zurück in die reale Welt

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Hamlet (gespielt von Marc Schnittger) mit König Claudius und Ophelia.

Landsberg – Größer könnte der Kontrast kaum sein: Nach der „Macbeth“-Inszenierung in der letzten Woche, die eher auf laute, schrille Töne setzte, nun am Dienstag Marc Schnittgers „Hamlet“ – eine eindringliche Reise in die Psyche des Dänenprinzen.

Shakespeares „Hamlet“: ein Fundus an Zitaten und geflügelten Worten, die längst Eingang in die Alltagssprache gehalten haben. „Sein oder Nicht-Sein“, „Es ist etwas faul im Staate Dänemark“ und und und… Wie bringt man diese auf die Bühne, ohne banal zu klingen? 

Der Puppenspieler Marc Schnittger in seiner Rolle als Hamlet löst das Problem, in dem er sie als Tagebuchaufzeichnungen zettelweise auf den Bühnenboden klebt („Schreibtafel her…“) oder den berühmten Monolog als Dialog mit der Ophelia-Puppe interpretiert. Hamlet (Marc Schnittger) hat sich von der Hochzeitsfeier seiner Mutter mit dem verhassten Onkel und Königsmörder Claudius auf den Dachboden zurückgezogen, aus einer Luke klingen Musik und Gelächter herauf. 

Hier oben schafft er sich seine eigene Realität mit lebensgroßen Figuren, die seine Mutter, Claudius, den Oberkämmerer Polonius, seine Geliebte Ophelia und deren Bruder Laertes darstellen, ein Kopf ist der Geist des Vaters. Mit ihnen tanzt er, kämpft, spricht, streitet und liebkost sie so virtuos, dass der Zuschauer leicht vergessen kann, dass es sich „nur“ um Figuren handelt. Doch bald wird klar, nicht Hamlet beherrscht die Puppen, sondern die Puppen ergreifen Besitz von seiner Psyche, er gleitet immer weiter ab in den Wahnsinn, bis er die fiktive Realität verlässt und aktiv wird. 

Mit blutverschmiertem Hemd taucht er wieder auf, treibt die Handlung mit den Figuren weiter bis hin zum Endkampf mit Schwert und vergiftetem Trank. Lachend „stirbt“ Hamlet, die Figuren liegen in Einzelteilen herum, bevor sie flüsternd wieder zum Leben erwachen und Hamlet den Dachboden verlässt, zurück in die reale Welt, aus der die Festgeräusche längst verstummt sind. 

Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler und Figurenspieler Marc Schnittger und sein Regieteam Katja Hensel und Christiane Pohle haben Shakespeares berühmtes Drama perfekt auf die Mittel des Figuren- theaters zugeschnitten, stark verknappt, verdichtet, die Essenz gebildet. Voll Tiefe, Dramatik und mit Humor. So ist der „Rest nicht Schweigen“, sondern lang anhaltender Applaus.

Patricia Eckstein

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