"Maria Mafiosi"-Premiere

Statisten erobern den Stadtrat

+
Zur Premiere von „Maria Mafiosi“ mit Schauspielerbesuch kamen über 260 Neugierige ins Olympia-Kino Landsberg. Regisseurin Jule Ronstedt (zweite von links) freute sich über den großen Zuspruch. Hier mit Hauptdarstellerin Lisa Maria Pothoff („Maria“, links), David Zimmerschied („Franz Brunner“) und Sabrina Khalil („Uscha Fröschl“).

Landsberg – Ein Polizeiauto am Lechwehr mit Landsberger Kennzeichen? Gibt es natürlich nicht. Was der Kinobesucher da sieht, ist der Dienstwagen von Protagonistin Maria ­Moosandl in „Maria Mafiosi“, dem ersten Langfilm von Regisseurin Jule Ron­stedt. Kinobesitzer Rudolf Gilk konnte sich bei der Premiere am Donnerstag über 260 Zuschauer freuen. Neben dem Film lockte vor allem der Besuch der Regisseurin sowie einigen Schauspielern wie Hauptdarstellerin Lisa Maria Pothoff. Und natürlich die Ansichten von Landsberg in Leinwandgröße. „Landsberg hat eben eine gewisse Patina, die mir gut gefällt“, begründet die Regisseurin ihre Wahl für den Drehort. „Und die Landsberger sind wundervoll, offen und hilfsbereit.“

Vor einem Jahr hat alles angefangen: Dreharbeiten am Lechwehr, in der Alten Bergstraße, im Rathaus für „Maria Mafiosi“. Im Film wird geliebt, geweint, bestochen und gemordet – eben alles, was eine bayerische Krimikomödie ausmacht. Die hochschwangere Maria Moosandl liebt Rocco. Doch der Familiengründung stehen Roccos Familie und deren Kungeleien mit der Mafia im Wege. Zudem ist da noch Süditalien-Schönheit Donatella, Sandkastengefährtin von Rocco und für ihn vorgesehene Braut. Es gibt Leichen in der Odelgrube, wehrhafte ältere Damen mit Gewehr und Wastl und den neapolitanischen Mafia-Bruder Fantuzzi, der nach korrekter italienischer Aussprache „Landsberg am Leck“ ins Navi des aufgemotzten Maserati eingibt.

Kabarettist Sigi Zimmerschied spielt naiv-gierig den Bürgermeister Landsbergs, der vom Pizzeria­besitzer Silvio, Roccos Vater, bestochen wird. Denn Silvio reicht sein Pizza-Himmel „Il Paradiso“ nicht mehr: Ein Hotel muss her, mitten in der Stadt. Mindestens so hoch wie die Heilig-Kreuz-Kirche: „Fünf Stockwerke, vier sehen aus wie Schuhkarton“, macht er dem Bürgermeister klar. Corleone lässt grüßen: „Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ausschlagen kannst.“ Denn Silvio und Bürgermeister sind noch durch andere Bestechungs- und Erpressungsmanöver verbunden. Und so wird der Hotelbaubeschluss durch den Stadtrat mal kurz durchgewinkt. In dem sitzen sowieso nur Statisten: Der gegenüber der Realität um einiges geschrumpfte Film-Stadtrat tagt in der schönen Kulisse des Hubert-von-Herkomer-Saals im Rathaus.

Dass der Film zu großen Teilen in Landsberg gedreht wurde, macht natürlich den besonderen Reiz für die Region aus. Wunderbar, die malerische Alte Bergstraße auf der Kinoleinwand zu sehen und zu erkennen, dass der Marktplatz mit Rathausansicht im Film sogar noch besser aussieht. „Landsberg ist eben nicht das propre Oberbayern mit Geranien vor den Fenstern“, schmunzelt die in Herrsching aufgewachsene Regisseurin Ronstedt. Auch Lisa Maria Pothoff gibt zu, sich während den Dreharbeiten „in die Stadt Landsberg verliebt“ zu haben. Was den Film ausmacht, ist sein eher leiserer Humor – wenn zum Beispiel die Leichen in Biotonnen entsorgt werden, eine „Mortadella to go“ alias „Kokswurst“ generiert wird oder Silvios mangelnde Sprachkenntnisse zu Marias geplatzter „Obstblase“ führen. Alles etwas feiner, als man es von den Eberhofer-Krimis kennt. Allerdings geht „Maria Mafiosi“ etwas von dem Handlungstempo ab, das nun wieder die Eberhofer-Krimis auszeichnet.

Dafür gibt es im Landsberg-Krimi ein wunderschönes Sonnenblumenfeld. Das fand das Filmteam allerdings nur in der Nähe von Odelzhausen. Dort regne es offensichtlich etwas seltener als in Landsberg, meint Ronstedt, „die Sonnenblumen in Landsberg waren noch zu klein“. Nur 26 Drehtage benötigte das Team samt Produzent Sven Burgemeister, um den Film im Kasten zu haben. Die Gaststätte, in der die Pizzeria lokalisiert wurde, hatte ihren ersten Filmauftritt schon in „Wer früher stirbt ist länger tot“. Die befinde sich in der Realität „in einem Vorort von Landsberg“, erzählt Burgemeister, „in München“. Nicht nur die Gaststätte, auch Ronstedt hatte als Lehrerin Dorstreiter ihren Auftritt in dem Rosenmüller-Film von 2006, dem Urgestein der neuen bayerischen Filmkomödie.

„Wir haben eine grenzenlose Fantasie für einen zweiten Teil“, macht Burgemeister den Zuschauern den Mund wässrig. „Deshalb schickt eure Verwandten, Freunde und Bekannte ins Kino.“ Insbesondere auch ins Olympia, denn Landsberg könne froh sein, „so ein tolles Kino mit so engagierten Betreibern am Platz zu haben“. Vorerst läuft der Film zwar nur in Bayern, aber vielleicht schwappt er ja über die Grenzen. Und wenn die Kinokassen klingeln, rauscht vielleicht auch Maria Moosandl demnächst wieder durch die Alte Bergstraße.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wahrzeichen in neuem Glanz
Wahrzeichen in neuem Glanz
Inselbad bleibt, was es ist
Inselbad bleibt, was es ist
Neuer Radweg nach Ummendorf
Neuer Radweg nach Ummendorf

Kommentare