Aufwändige Sanierung

Die Kirche und der Druck von oben

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Auch in der Wallfahrtskirche Maria Schmerzen in Vilgertshofen steht seit April das Gerüst. Noch wartet man auf die Auswertung zur Voruntersuchung der Innenraumschale.

Vilgertshofen – Den Druck von oben nehmen, sprich die Statik deutlich verbessern: Das soll mit der umfangreichen Renovierung der Wallfahrtskirche Mariä Schmerzen in Vilgertshofen erreicht werden. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt (noch) am Kirchendach. Über den vier Apsiden werden 125 Fußpunkte ausgebessert, wo der Sparren in den Zerrbalken übergeht. Zudem werden sechs Hauptbinder über dem Deckengewölbe des Kirchenschiffs mit Stahlträgern und Zugbändern verstärkt.

Architekt Dr. Klaus Pilz aus Issing ist bei der aufwändigen Renovierung, die im Kostenplan auf 1,86 Millionen Euro veranschlagt ist, der verantwortliche Mann vor Ort. „Das Gewölbe muss sich selbst tragen“, erklärt er. Auf den Druck von oben sei auch der auffällige große Riss auf der Südseite des Gewölbes zurückzuführen. Dieser sei aber durch die Entlastung – die Hauptbinder sind mit Stahlverstärkungen versehen worden – nun auf die Mauern und Säulen abgeleitet worden.

Wesentliche Verbesserung der Statik. Am Dachstuhl sind Sparren und Zerrbalken (unten) erneuert worden. Links Architekt Dr. Klaus Pilz und Kirchenpfleger Franz Berger.

Im August sollen die wesentlichen Maßnahmen zur statischen Sicherung abgeschlossen werden, blickt Architekt Dr. Klaus Pilz voraus. Unterm Dach werden noch Holzböden eingezogen und einige Treppen angelegt. Das Dach muss zudem noch gedeckt werden, Spengler und Maler werden ebenso auf der Baustelle präsent sein. Die Hoffnung ist, dass Ende dieses Jahres die Maßnahmen abgeschlossen werden können. Im Inneren des barocken Gotteshauses, das Ende des 17. Jahrhunderts im Auftrag des Klosters Wessobrunns von Johann Schmuzer erbaut und mit Stuckarbeiten ausgeschmückt worden war, wurde das Gerüst an den Seiten und im Mittelschiff in zwei Etappen bis unter die Decke hochgezogen. Im Juli soll nach den Worten des Architekten Dr. Pilz die Voruntersuchung zur Innenraumschale ausgewertet werden – in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die entscheidende Frage dabei ist, welche Schäden an der Raumschale und an den Fresken auf statische Auswirkungen zurückzuführen sind bzw. welche eher „kosmetischer Natur“ sind.

Außen erhält das Gotteshaus einen anderen Anstrich. Auf der Nordwestseite ist nahe des Eingangs eine Musterachse angelegt worden. Der dominierende rötliche Farbton an allen vorstehenden Säulen und Gesimsen (seit der Renovierung Anfang der 60-er Jahre vorhanden) wird dezent an zurückliegenden Wandflächen eingesetzt. Wesentliche Bereiche sollen in einem weiß-grauen Ton gestrichen werden, erklärt der Architekt.

Kosten verteilen

Für die Kirchenstiftung ist diese Zuordnung von entscheidender Bedeutung. Denn im Fall einer statischen Ursache übernehmen Staat und Diözese einen Großteil der Kosten. Eine Säuberung des Stucks, der Fresken und der Raumschale, die auf Verschmutzung zurückzuführen sei, müsse die Kirchenstiftung dagegen allein stem- men, gibt Kirchenpfleger Franz Berger zu bedenken.

Eine Million Euro steuert zu den Renovierungskosten die Diözese Augsburg bei, 750000 Euro kommen vom bayerischen Staat; das Landesamt für Denkmalpflege ist in die Sanierung eingebunden. Gut 100000 Euro sind freilich vor Ort aufzubringen, bei einer Reinigung der Raumschale sogar noch mehr. Kirchenpfleger Franz Berger betont die Besonderheit, dass dieses Gotteshaus keinen eigenen Pfarrsprengel hat, sondern seit der Säkularisation 1803 eine Filialkirche der Pfarrei Stadl ist.

Wer sich näher informieren oder eventuell eine Spende geben will, wendet sich direkt an Kirchenpfleger Franz Berger in Stadl, Telefon 08194/200.

Johannes Jais

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