KREISBOTEN-Serie »Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten«

Maria Schweiger aus Epfach: Feuer und Flamme fürs Theater

Maria Schweiger aus Epfach.
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Mundartdichterin, Theaterspielerin, Chorsängerin: Maria Schweiger aus Epfach.

Epfach – Feuer und Flamme fürs Theater ist Maria Schweiger aus Epfach. 25 Jahre war sie beim Trachtenverein „D’ Lechroaner“ die Theaterleiterin, ehe vor zwei Jahren ihre Tochter Christine übernahm. 15 Stücke hat sie selbst geschrieben. Im Sinne der Mundart, des Brauchtums und der dörflichen Kultur ist sie vielfach aktiv. Für ihre Verdienste wurde ihr das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten verliehen.

Maria Schweiger gehört zu den ungefähr 20 Frauen und Männern, die 2020 im Landkreis Landsberg das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten bekommen haben. Doch bei ihr ist die Besonderheit, dass sie bereits Ende vergangenen Jahres bei einem Festakt in der Münchner Residenz zu einem ausgewählten Kreis gehörte, als Regierungschef Markus Söder das Ehreneichen des Bayerischen Ministerpräsidenten an engagierte Personen aus dem Freistaat überreicht hatte. Mit dabei waren ihr Mann Eduard, Tochter Christine und Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger.

Im Landkreis Landsberg ist die 62-jährige Frau aus dem Weiler Guttenstall freilich unter den Personen aufgeführt, die heuer mit dem Ehrenzeichen bedacht worden sind und von denen wir einige in dieser Zeitung vorstellen werden. Doch wegen Corona konnte das Landratsamt noch keinen Termin für eine Feier ansetzen, auf der die Verleihung erfolgen soll.

Auch wegen der Corona-Pandemie mussten an Ostern letzten Jahres die Aufführungen der Epfacher Theaterer des Trachtenvereins „D’ Lechroaner“ leider abgesagt werden. „Neugier macht erfinderisch“, heißt das Stück aus der Feder von Maria Schweiger, das zehn Akteure ursprünglich auf die Bühne bringen wollten. Sie wünscht sich, dass es ein anderes Mal gespielt werden kann und ihre Tochter als Regisseurin die Darsteller (acht Männer und zwei Frauen) dafür wieder mal zusammenbringt.

Es ist schon gut zwölf Jahre her, aber die Erinnerung daran ist lebendig: Die größte Herausforderung war für Maria Schweiger das Freilichtspiel im Sommer 2008 in Schongau. Damals brachten 125 Mitwirkende aus Trachtenvereinen des Lechgaus das Historienspiel „Feuer und Flamme“ vor mehreren tausend Zuschauern auf die Bühne. Darin geht es um den Bauernaufstand im 16. Jahrhundert und um den Treueschwur auf dem Hohenpeißenberg. Maria Schweiger hatte eine historische Vorlage neu bearbeitet und in Szene gesetzt. „Das hat damals eine Gemeinschaft gegeben und die Leute zusammengeschweißt“, blickt die Epfacherin zurück.

Die Theaterleidenschaft liegt ihr im Blut. Vater und Bruder seien auch auf der Bühne gestanden. Schade findet es die Mundarddichterin, dass wegen Corona neben Theaterabenden auch Lesungen ausgefallen sind. Andererseits freue sie sich durchaus, dass sie nach Jahren regelmäßiger Auftritte – meist im Bereich Schongau und Landsberg – mal keine Termine habe.

Und wofür hat Maria Schweiger ein besonderes Faible? Es sind die Sketche des Karl Valentin oder auch der tiefgründige Humor eines Loriot. Theater darf nett sein und soll unterhalten, aber auch eine Botschaft rüberbringen. Doch solle man den Zuschauern nicht zu sehr den Spiegel vorhalten. Diese kämen ja zu den Vorstellungen, um selbst vom Alltag abschalten zu können.

„I bin a Bedarfskünstler“, bekennt die Epfacherin. Sie sei da zu finden, wo man gebraucht werde. Neun Jahre war sie im Gauausschuss, dem wichtigen Gremium des Lechgaus. Seit gut zehn Jahren singt sie im Kirchenchor. Und in Epfach ist sie zudem noch zweite Ortsbäuerin.

Stille in der guten Stube

Die drei Kinder Maria Schweigers und ihres Ehemanns Eduard sind erwachsen. Eine Tochter ist in Epfach verheiratet, die andere in Birkland. Der Sohn hat in Guttenstall eine freie Autowerkstatt. Dort arbeitet Maria Schweiger in Teilzeit im Büro. Täglich kocht sie für ihren Mann und für den Sohn. Sie selbst mag am liebsten einen herzhaften Rinderbraten mit Spätzle, Püree und Salat.

In der Küche und beim Essen mag sie Gesellschaft. Wenn sie aber ihre Gedanken für ein Büchlein oder für eine Lesung zusammenträgt, dann bevorzugt sie die Stille in der guten Stube. Heuer ist vieles anders – auch für die Mundartdichterin. Da kommt mit Blick auf Verse und Dialoge keine Hektik auf. Es sei in den zurückliegenden Jahren oft vorgekommen, dass sie erst kurz vor knapp etwas zu Papier gebracht hat. Ihr Mann hat es mal humorvoll so beschrieben: Dies sei dann die Zeit, in der Maria daheim „nimmer so viel Sprechstunden“ hat.
Johannes Jais

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