Oft ist der Himmel weit weg

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Die Marienstatuen aus dem Marienmünster Dießen: die Gekrönte, die Tränenreiche und die Freudenreiche.

Dießen – Mariä Himmelfahrt ist ein besonderer Feiertag in Dießen: Am 15. August feiert das Wahrzeichen der Marktgemeinde, das barocke Marienmünster, Patrozinium. Heuer haben besonders viele Menschen das Hochfest der Marienverehrung samt Kräuterweihe miterlebt und sich verzaubern lassen von der Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, die im Salzburger Dom vermutlich 1776 uraufgeführt wurde – 37 Jahre, nachdem in Dießen das heutige Marienmünster eröffnete und der Festprediger unter den barocken Deckenfresken jubelte: „Ich seh‘ einen neuen Himmel offen.“

Unter diesem berühmten und weithin bekannten „Dießener Himmel“ erklang zum Patrozinium Mozarts kirchenmusikalisches Meisterwerk, das Johan- nes Buxbaum an der Königsorgel mit dem Münsterchor, dem Orchester und vier Solisten großartig in Szene setzte. Die Spatzenmesse begleitete das feierliche Hochamt, bei dem Pfarrer Hans Schneider den Lebensweg Mariens in den Blickpunkt rückte: „Maria hat ein Ziel erreicht, zu dem wir alle noch unterwegs sind.“ Er betonte die Aufnahme Mariens in den Himmel und fuhr fort, dass dieses Fest nicht so einfach zu feiern sei, obwohl es auf dem Altarbild so schön dargestellt ist.

„In unserem Leben ist der Himmel oft weit weg“, sagte der Pfarrer, „weil wir mit dem Irdischen voll und ganz beschäftigt sind.“ Dennoch sei uns der Himmel nahe, was Redewendungen wie „ich fühle mich wie im siebten Himmel“, oder „das ist ja wirklich himmlisch“ andeuten. Dies sei auch der Beweis, dass der Himmel in unseren Alltag hinein gehöre. Mariä Himmelfahrt wolle uns auch signalisieren, dass Gott am Werk ist, nicht die Menschen. Auch dafür sei die Mutter Gottes der Beweis: Sie habe ihren Auftrag, ein Kind zu gebären, ernst genommen und auch den steinigen, damit verbundenen Weg ertragen. Weil sie vertraut und geglaubt hat, hätte sie das schlimmste überwunden, was einer Mutter geschehen kann. Er zitierte die schweren Stationen von der Herbergssuche, der Geburt im Stall, der Flucht nach Ägypten, bis zum Tode ihres Sohnes am Kreuz.

Maria sei beispielgebend, weil sie ihr Leben angenommen hat, wie es ihr bestimmt war. Dies zeigen auch die drei Marienstatuen, die mit Blumen geschmückt im Altarraum standen. Der Pfarrer wies auf die mit den geöffneten Händen hin, die symbolisch auffordert das Leben mit Freude anzunehmen, „dazu gehört jetzt aktuell, dass wir die Flüchtlinge aufnehmen.“ Daneben die Tränen- oder Schmerzensreiche, die man am Taschentuch erkennt. „Maria sagt uns, dass wir konkret helfen mögen, auch wenn es schmerzt.“ Er zitierte als Beispiel die Hospizbewegung, „die immer mehr wächst und Menschen hilft, in Würde den Schritt von der Welt in die Ewigkeit zu tun.“ Die gekrönte Mutter Gottes lehre uns, dass sich hinter der barocken Pracht die göttliche Wirklichkeit verbirgt.

Weihe und Abschied

Peter Cammerer (rechts) von der Kirchenverwaltung verabschiedete Organist Johannes Buxbaum (links).

Pfarrer Schneider beendete den Gottesdienst mit der Kräuterweihe, einem Brauch der seit dem 9. Jahrhundert bekannt ist. Dabei werden am Hochfest Maria Himmelfahrt Kräuter zu einem Strauß gebunden und im Anschluss an den Gottesdienst vom Priester gesegnet. Die Kräuterweihe zählt zu den Sakramentalien. Der Heimat- und Trachtenverein „d‘ Ammertaler Dießen-St. Georgen“ hat die Kräuterbüsche für den Gottesdienst gebunden und die Marienfiguren mit Blumen geschmückt. Sie wurden feierlich ins Münster getragen, gefolgt von den Fahnenabordnungen der Dießener Vereine.

Am Ende des festlichen Gottesdienstes verabschiedete Peter Cammerer von der Kirchen- verwaltung Mariä Himmelfahrt den Organisten der Königsorgel und Kirchenmusiker Johannes Buxbaum, der neue beruf- liche Weg geht. Mit einem herzlichen Applaus bedankten sich die Kirchenbesucher bei ihm für zwei kostbare musikalische Jahre.

Beate Bentele

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