Versteckte Neuigkeit

Brunnenpuzzle am Hauptplatz

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Zu wenig Platz auf der Baustelle: Der Marienbrunnen muss komplett zerlegt, auf dem Bauhofareal gesäubert und dann wieder zusammengesetzt werden.

Landsberg – Im vergangenen Jahr blieb der Marienbrunnen trocken, heuer wurde er schon nicht mehr bepflanzt und jetzt müssen sich die Landsberger endgültig auf ein Bild einstellen, das noch keiner von ihnen gesehen hat: Der Brunnen wird demontiert und verschwindet vorläufig vom Hauptplatz.

Versteckt war diese Neuigkeit recht beiläufig im jüngsten „Hauptplatz-Newsletter“ der Stadt. Dort erfährt man zwar auch, dass das Brunnenbecken saniert wird und ein neuer Estrich eingebracht werden soll, um Rohre und Beleuchtung zu verlegen. Von einer kompletten Zerlegung des Marienbrunnens ist dort aber explizit nichts zu lesen.

Näheres erfährt, wer sich selbst auf die Baustelle begibt und bei den Personen nachfragt, die an den Arbeiten beteiligt sind. Dort erfährt man dann, dass der Brunnen offenbar in seine Einzelteile zerlegt werden und abtransportiert werden soll. Eine Sanierung unter Baustelleneinrichtung sei nicht möglich. Nach Informationen des KREISBOTEN soll der Marienbrunnen auseinandergebrochen und die Einzelteile dann auf den Bauhof verbracht und dort bearbeitet werden.

Dieses Vorgehen, das im Gegensatz zu den Forderungen des Landesamtes für Denkmalschutz (LfD) steht, bestätigt Andreas Létang von der Presse­- stelle der Stadt und nennt auch den Grund dafür. Zwar hatte das LfD ausdrücklich verlangt, den Brunnen auf jeden Fall vor Ort zu belassen. In den Plänen zum Hauptplatzumbau ist er auch deshalb komplett in roter Farbe eingezeichnet – was bedeutet, dass er möglichst unangetastet bleiben soll.

Jetzt sei aber, so Létang, wegen der Zeitverschiebungen der Platz auf der Baustelle immer weniger geworden: „Die Archäologen sind mit dem Aufnehmen der Funde beschäftigt, die Stadtwerke verlegen gleichzeitig die Hausanschlüsse und die Pflasterer pflastern fleißig weiter.“ In einer Besprechung mit den Denkmalschützern holte sich die Stadt im April deshalb die Erlaubnis, die Brunnensteine in den Bauhof bringen zu dürfen, um sie dort zu reinigen. Dies solle etwa eine Woche dauern. Létang: „Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die zu erwartende Lärm- und Staubentwicklung keinen belästigen wird.“

Die komplett aus Marmor gearbeitete Brunnenschale mit den vier großen Kugeln wurde bereits 1701 am Hauptplatz aufgestellt und steht seitdem ohne Unterbrechung am selben Ort; die aus Kalk gehauene Marienstatue des Tiroler Bildhauers Joseph Streiter wurde 1782 aufgestellt.

Christoph Kruse

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