Die Apostel warten schon

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Den Heiligen Augustinus mit dem flammenden Herzen begutachten Reiner Sgoff und Peter Keck.

Dießen – „Im Marienmünster vergeht kein Tag ohne den Besuch von Handwerkern oder Restauratoren. Dabei stemmt die Kirchenstiftung ihre laufenden Aufgaben nur mit Mühe“, seufzt Kirchenpflege Peter Keck. Nun warten die vier Kirchenväter und die zwölf Apostel auf ihre Erneuerung.

90000 Euro werden die Arbeiten unter der Federführung von Restaurator Reiner Sgoff voraussichtlich kosten. Keck: „Sicher ist, wir sind auf wahnsinnig viele Spenden angewiesen.“ Bei der Maßnahme handelt es sich um eine Konservierung mit dem Ziel, den Bestand für die Nachwelt zu erhalten. Eine Restaurierung, die mehr ins Detail geht, würde noch teurer kommen. Das Problem ist, dass die Figuren aus dem 14. bis 17. Jahrhundert durch Temperatur­- schwankungen und hohe Luftfeuchtigkeit sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sind, erklärt Sgoff. Sie wurden von ihren namhaften Schöpfern, den Bildhauern Johann Babtist Straub und Ägid Verhelst, aus Lindenholz geschnitzt und in Gips weiß gefasst. 

Diese kunstvolle, mittlerweile zum Teil ergraute, poröse und beschädigte Weißschicht schafft die „barocke Materialillusion“ und lässt das Holz wie wertvollen Marmor erscheinen. Zutage traten die Schäden bereits vor zwei Jahren bei der Begasungsaktion gegen den Holz fressenden Käfer „Anobium punctatum“. Zu diesem Zweck wurden die bis zu 1000 Kilogramm schweren Figuren vorsichtig von ihren Podesten genommen und im Stickstoffzelt „entwurmt“.

179 Figuren

Mittlerweile hat Restaurator Sgoff eine „Gesamterfassung aller weiß gefassten Figuren im Marienmünster“ vorgelegt. Dazu gehören 24 überlebensgroße Figuren, 62 ganzfigürliche, mittelgroße Figuren und 83 Kleinfiguren wie Engel und Putten. Erfreulicher Weise, so Sgoff, seinen die Figuren oberhalb der Altarebene in besserem Zustand.

Die Kirchenstiftung hofft nun, dass es vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Regierung von Oberbayern eine Sonderförderung für den Erhalt der Kirchenväter und der Apostel gibt, denn normalerweise ist die Kirchenstiftung für den Erhalt der Innenausstattung selbst verantwortlich. Keck: „Sobald der Bescheid da ist werden wir angreifen“. Allerdings müssen die Temperaturen im Münster noch etwas steigen, dies sei nicht nur für den Restaurator sondern auch für die Bindefähigkeit der verwendeten Materialien sehr wichtig, betont Sgoff. Bezüglich der Arbeitszeit rechnet er mit eineinhalb Jahren – verteilt auf zwei Sommer.

Fliegengewichte

Die schwergewichtigen, überlebensgroßen Kirchenväter Augustinus mit dem flammenden Herzen und Hieronymus, sowie Gregor der Große und Ambrosius, dürfen bei der Konservierung links und rechts des Altars bleiben. „Sie von ihrem Podest zu holen war schon bei der Aktion vor zwei Jahren ein waghalsiges Unternehmen“, blickt Sgoff zurück. Heruntergenommen werden die zwölf Apostel, die paarweise die sechs Seitenaltäre flankieren. Sie sind mit 120 bis 180 Kilo echte Fliegengewichte.

Ursula Nagl

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