Das Wunder von Kaufering

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Marika Nováková beim Gang durch die Ausstellung „Sie gaben uns wieder Hoffnung“ im Neuen Stadtmuseum. Sie zeigt auf ihre Mutter und sich als Baby (3. von rechts). Das Bild haben amerikanische Truppen nach der Befreiung gemacht.

Landsberg – Marika Nováková wurde in Kaufering geboren, unter grauenvollsten Umständen. Sie ist eines von sieben Kindern, das im KZ-Außenlager Kaufering I nicht nur das Licht der Welt erblickt sondern auch überlebt hat – zusammen mit ihrer 1987 verstorbenen Mutter Eva Fleischmannová.

Die heute 68-Jährige, die ihre wahre Lebensgeschichte letztlich erst durch Recherchearbeiten zu einem Dokumentarfilm des WDR vor einigen Jahren erfuhr, wirkte bescheiden und zurückhaltend. Und es war ihr anzumerken, dass ihr die Aufmerksamkeit um ihre Person eher etwas unangenehm war. Trotzdem stand sie als Überlebende im Mittelpunkt der Landsberger Ausstellungseröffnung „Sie gaben uns wieder Hoffnung – Schwangerschaft und Geburt im KZ-Außenlager Kaufering I“.

Sprechen zu den rund einhundert geladenen Gästen, darunter viele Lehrer, wollte die sympathische Marika Nováková nicht. Dazu sei sie zu schüchtern, meinte Museumschefin Sonja Fischer in ihrer Begrüßungsrede. Die Ausstellung, die das persönliche Schicksal der sieben jüdischen Mütter im historischen Kontext dokumentiert, ist bis zum 2. Juni im Neuen Stadtmuseum Landsberg zu sehen.

Von den sieben im KZ geborenen Kindern, drei Jungen und vier Mädchen, lebt keines mehr in Deutschland. Sie sind über die ganze Welt verstreut, in Brasilien, USA, Kanada, Israel oder wie Marika Nováková in der Slowakei, wo sie mit ihrer Mutter eine Heimat fand. Der Auftakt der Ausstellungseröffnung war musikalisch. Cornelia Utz begleitete den Jugendchor der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg auf dem Klavier. Die hebräischen Lieder „Shalom Chaverim“ „Eli, Eli“ und „Donna Donna“ gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen.

Landsbergs Bürgermeister Norbert Kreuzer hieß Nováková in der Stadt herzlich willkommen und verwies auf die Verpflichtung der Stadt, gegen das Vergessen, Schönreden oder bewusstes Leugnen zu mahnen. Einfühlsame Worte fanden Dr. Gabrielle Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau und die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Dr. Sabine Schalm und Eva Gruberová. Letztere hat als Buch- und WDR-Filmautorin die Geschichte von Schwangerschaft und Geburt im KZ maßgeblich bekanntgemacht. Sie sagte, dass es heute noch an ein Wunder grenze, dass die sieben Frauen und ihre Säuglinge überlebt hätten. Normalerweise wurden Schwangere im KZ sofort ermordet.

Eine der Besucherinnen der Ausstellungseröffnung war Ingrid Fischer. Sie ist Geschichtslehrerin am Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasium und findet das Ausstellungskonzept als Pädagogin sehr gut, weil Geschichte gerade durch die Vermittlung von Einzelschicksalen gut vermittelt werden kann. Mit ihren Schülern will sie dieses dunkle Kapitel deutscher und lokaler Geschichte aufarbeiten. Deshalb hat sie sich auch mit ihrer Klasse zu den „Zeitzeugengesprächen“ mit Abba Naor im Stadttheater Landsberg angemeldet. Abba Naor war als KZ-Häftling auch im Außenlager Kaufering. Er lebt in Israel und kommt regelmäßig nach Deutschland zu Zeitzeugengesprächen. Informationen zur Ausstellung und dem Begleitprogramm gibt es unter www.museum-landsberg.de.

Siegfried Spörer

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