Verlockendes Angebot:

Eine Wirtschaft macht noch keinen Wirt

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Neuer Eigentümer der ehemaligen Traditionswirtschaft „Drei Rosen“ in der Schützenstraße ist die Marktgemeinde Dießen. Über die künftige Nutzung der Gebäude und des Areals wurde noch nicht entschieden.

Dießen – Die Marktgemeinde wird nicht Wirt, obwohl sie gerade die ehemalige Wirtschaft „Drei Rosen“ in der Schützenstraße gekauft hat. Mit dem Erwerb wollte man verhindern, dass die „Drei Rosen Besitzgesellschaft GbR“ den Saal auf dem 1.700 Quadratmeter großen Areal abreißt und ein dreistöckiges Wohngebäude errichtet, was zu einer städtebaulichen Fehlentwicklung führen könnte. Eine entsprechende Anfrage der Eigentümer wurde vom Dießener Bauausschuss behandelt und abgelehnt. Als diese dann Verkaufsabsichten äußerten, griff die Gemeinde zu. Der Kaufpreis soll bei 1,53 Millionen Euro liegen.

Geplant war von den Eigentümern der Bau eines dreistöckigen Wohngebäudes auf einer Grundfläche von 280 Quadrat­metern mit einer Wandhöhe von neun Metern und einer Firsthöhe von 14 Metern. In der Tiefgarage sollten 19 Autos Platz haben. Laut den festgesetzten Baugrenzen im Bebauungsplan liegt das geplante Gebäude aber außerhalb des Plans. Deshalb der ablehnende Bescheid vom Bauausschuss. Und ohne Bebauungsplan im Innenbereich muss sich ein neues Gebäude in den Umgebungsbestand einfügen. „Drei Rosen“ liegt nur einen Steinwurf vom Seniorenwohnstift Augustinum entfernt. Dieser bis zu sechs Stockwerke hohe Gebäudekomplex könne aber nach Auffassung der Gemeinderäte nicht als Bezugsgröße herangezogen werden.

Im Frühjahr 2015 wurde in den „Drei Rosen“ das letzte Bier ausgeschenkt. Mehreren Pächtern war es in den letzten Jahren nicht gelungen, das Traditionswirtshaus mit Fremdenzimmern wieder zum Laufen zu bringen, das 1864 als „Tafernwirtschaft“ gegründet wurde. Der Wirt hatte damals behördenseits die Auflage, wandernde Handwerksgesellen zu beherbergen.

Eine Herberge wurde „Drei Rosen“ nach der endgültigen Schließung wieder. Denn das Landratsamt Landsberg griff zu und mietete das Objekt für die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Der Mietvertrag läuft zwar noch bis 2020, aber bereits Ende März dieses Jahres endet auch diese Ära. Das betreuende SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech sieht keinen Bedarf mehr, da die jungen Flüchtlinge in die Selbständigkeit oder in betreute Wohngemeinschaften entlassen werden. Anfangs hatten 22 Flüchtlinge hier gewohnt, derzeit sind es noch zwölf. Eventuell will das Landratsamt Landsberg nach deren Auszug Flüchtlingsfamilien oder Fehlbeleger in der ehemaligen Gaststätte unterbringen.

Wie die Marktgemeinde Dießen nach 2020 das Gebäude nutzen wird, ist noch völlig offen. Im Gespräch ist unter anderem die Schaffung von Wohnungen mit sozial verträglichen Mieten.

Dieter Roettig

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