Wenn's im Keller strahlt

In Dießen tobt der Kleinkrieg um die Funkwasserzähler

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Michael Deiniger, Chef des Dießener Wasserwerks, ist angesäuert über die „unwahren und falschen Behauptungen der Funkwasserzähler-Gegner“, die mit Flugblättern verunsichern. Die Gemeinde wehrt sich jetzt mit einem aufklärenden Schreiben von Bürgermeister Kirsch.

Dießen – Wie einst Don Quijote gegen Windmühlen kämpft in der Marktgemeinde Johannes Walter gegen „den Spion im eigenen Haus“. Damit meint der laut Visitenkarte als „Berater, Therapeut und Radiästhet“ (Wünschelrutengänger) tätige Dießener die „funkenden und strahlenden Wasserzähler“, die in Dießen wie auch in anderen Kommunen seit Jahren verbaut werden. Mit Flugblättern versuchen er und einige Mitstreiter, die Bürger zu verunsichern und einen Einbau-Stopp sowie Rückaustausch zu erzwingen.

Dagegen wehrt sich jetzt die Gemeindeverwaltung vehement. Bürgermeister Herbert Kirsch: „Zu den elektronischen Wasserzählern kursieren einige, man muss es leider so deutlich sagen, unwahre und falsche Behauptungen, mit denen die Wasserabnehmer aus unserer Sicht unnötig verunsichert werden.“ Darum bemühe sich die Marktgemeinde in diesen Tagen, mit persönlichen Anschreiben die Wasserabnehmer darüber aufzuklären, weshalb elektronische Wasserzähler verwendet werden, welche Daten damit gesammelt werden, was mit diesen Daten geschieht und letztendlich, dass der Einsatz „gesundheitlich vollkommen unbedenklich“ ist.

Letzteres hat Geschäftsleiter Karl Heinz Springer vom Landesamt für Umwelt schriftlich bestätigt bekommen. Darin heißt es: „Auf Grund der geringen Sendeleistung sind keine Auflagen (z. B. Sicherheitsabstände) erforderlich. Bei Sendeleistungen dieser Größenordnung kann ohne weitere Prüfung von der Einhaltung der Grenzwerte ausgegangen werden. Selbst bei Körperkontakt zur Antenne wären keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten“.

Der Behauptung von Johannes Walter im Flugblatt, „ein funkender Zähler ist verfassungswidrig“, entgegnet Kirsch: „Der Einsatz ist nicht verboten und deshalb natürlich auch nicht ver­fassungswidrig. Im Gegenteil. Der Landtag hat erst vor kurzem die Gemeindeordnung geändert und klargestellt, dass die Gemeinden berechtigt sind, elektronische Wasserzähler mit oder ohne Funkmodul einzusetzen und zu betreiben. Der Gesetzgeber habe dabei auch festgelegt, dass dem Einsatz der Funkfunktion widersprochen werden darf. Dies jedoch nicht, weil von den Funkzählern gesundheitliche Risiken ausgehen würden, sondern lediglich aus datenschutzrechtlichen Gründen.

Ohne Funkfunktion

Das sei auch in Dießen so, wie Wassermeister Michael Deininger erklärt. Wer die Funkfunktion deaktiviert haben möchte, könne dies grundsätzlich unter Einhaltung einer Frist von zwei Wochen schriftlich beantragen. Ein Mitarbeiter des Wasserwerks komme dann ins Haus und schalte die Funktion dauerhaft ab. Die Behauptung von Johannes Walter, die Gemeinde könne das iPerl-Gerät „unbe­merkt jederzeit von außen aktivieren und die Daten auslesen“, sei „schlichtweg falsch!“ Bürgermeister Kirsch rät nochmals ausdrücklich, sich nicht von den paar Funkwasserzähler-Gegnern verunsichern zu lassen. „Unsere Mitarbeiter klären die Bürger gerne persönlich auf, wie die Zähler funktionieren, welche Daten wir erheben und weshalb wir das tun.“

Der Marktgemeinderat Dießen hatte bereits 2014 den Einsatz elektronischer Wasserzähler mit Funkfunktion beschlossen. Im Vergleich zu herkömmlichen Flügelradzählern vermindern diese Zähler ein mögliches Verkeimungsrisiko, tragen kein Blei ins Trinkwasser und messen deutlich genauer. Die neuen Zähler vereinfachen den Mitarbeitern des Wasserwerks die Arbeit bei der Lecksuche und mindern den Aufwand beim Ablesen der Zählerstände. Übertragungsfehler bei der Gebührenabrechnung seien damit ebenfalls ausgeschlossen.

Von den Mitarbeitern des Wasserwerks würden grundsätzlich nur einmal im Jahr der Zählerstand, die Statuswerte sowie die Zählernummer per Funk in verschlüsselter Form ausgelesen. Die Vertraulichkeit der Daten sei durch die individuell verwendeten Schlüssel gesichert und entspreche der Empfehlung des Bundesamtes für Sicherheit und Informationstechnik. Das hohe Sicherheitsniveau sei bereits an der Schlüssellänge von 32 Stellen erkennbar.

Auf dem Flugblatt suggeriert die Bürgerinitiative um Johannes Walter, die Gemeinde könnte die gesammelten Daten verkaufen und zitiert dabei Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes: „Die Gemeinden verfügten über wertvolle Datensätze, die sie nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen, sondern verkaufen sollten“. Michael Deininger dazu: „Totaler Unsinn und an den Haaren herbeigezogen.“

Die Flugblatt-Behauptung, der Einbau der dauerfunkenden Wasserzähler in Dießen sei ein „riskanter Feldversuch an den Bewohnern ohne Rechtsgrundlage und Befugnis“ widerspricht die Aussage des iPerl-Herstellers Sensus, veröffentlicht auch auf der Webseite der Marktgemeinde Dießen. Um die Strahlendosis eines einminütigen Handyge­sprächs zu erreichen, müsste der iPerl 7,2 Jahre funken und der Mensch müsste die ganze Zeit (24 Stunden am Tag) neben dem Zähler stehen. Ein Wasserzähler ist in der Regel deutlich weiter als einen Meter von Personen entfernt und in der Regel dämpfen Wände und Stahlbetondecken die elektromagnetischen Felder zusätzlich ab. Die tatsächlich für den Menschen verbleibende biologische Einwirkungsdosis werde damit nochmals umso kleiner, dass sie rechnerisch nicht mehr sinnvoll dargestellt werden könne. Die beispielhafte Dosis eines einminütigen Handytelefonats könne in der 15-jähriges Einsatzzeit eines iPerl-Zählers demnach nicht erreicht werden.

Dieter Roettig

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