Bleibt Tempo 30 oder nicht?

Marktgemeinderäte wollen das Thema endgültig von der Tagesordnung nehmen

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Die Tempo-30-Zonen sind in Kaufering heftig umstritten. Die Marktgemeinderäte wollen eine erneute Diskussion verhindern und das Thema von der Tagesordnung der nächsten Sitzung nehmen.

Kaufering – Die vom vorigen Bürgermeister Erich Püttner eingeführten Tempo-30-Zonen in fast ganz Kaufering erhitzen immer noch die Gemüter. Morgen Abend wird in der Marktgemeinderatssitzung das Ergebnis der Bürgerbefragung zum Thema und auch die juristische Überprüfung präsentiert.

Im Streit zwischen Gegnern und Befürwortern geht es weniger um Tempo 30 als um die damit verbundene Vorfahrtsregelung „rechts vor links“. Dagmar Kramer, damalige Bürgermeisterkandidatin der Freien Wähler, hatte im Vorfeld der Wahlen mehr als 2.000 Unterschriften für eine Beibehaltung der alten Vorfahrtsstraßenregelung auf einigen Hauptstraßen gesammelt.

Das juristische Problem dabei: Würde man die im Gespräch befindlichen Straßen wie die Dr.-Gerbl, die Iglinger oder die Ottostraße wieder zu Vorfahrtsstraßen erklären, müsste dort Tempo 50 eingeführt werden. Das wollen im Kern weder Gegner noch Befürworter der Tempo-30-Zonen.

Die Rathauschefin hatte als eine ihrer ersten Amtshandlungen eine Umfrage unter den Bürgern initiiert und eine juristische Prüfung der Straßenregelung durch ein Anwaltsbüro veranlasst. Beide Ergebnisse sollen nun in der morgigen Marktgemeinderatssitzung präsentiert werden. Nach Ansicht des von der Bürgermeisterin beauftragten Anwaltes sind Dr.-Gerbl-Straße, Bahnhofstraße und auch die Kolpingstraße eindeutig Vorfahrtsstraßen und müssen damit aus der Tempo-30-Zone herausgenommen werden.

Die Umfrage hat viele Anwohner, die in den Tempo-30-Zonen wohnen, richtig auf die Palme gebracht. Allein die Tatsache, dass nicht nur Anwohnern sondern auch Auswärtige sich an der Umfrage beteiligen konnten, wurde und wird heftig kritisiert. Ferner seien Lärm- und Umweltbelange nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Klaus Jakob ist Anwohner der Dr.-Gerbl-Straße. Der pensionierte Umweltingenieur der Stadt München zog mit einer Unterschriftenliste los, um für die Beibehaltung der Tempo-30-Zonen zu kämpfen, schon aus Lärmschutz- und Umweltgründen, wie er gegenüber unserer Zeitung betonte. 60 Unterschriften hat er in seiner Nachbarschaft gesammelt. Er habe offene Türen eingerannt, lediglich zwei Nachbarn hätten nicht unterschrieben, weil sie für eine Aufhebung der Tempo-30-Zonen gewesen wären. Sauer ist Klaus Jakob, weil seine gesammelten Unterschriften nicht in die offiziellen Ergebnisse der Meinungsumfrage des Rathauses eingeflossen seien. Die Umfragen sind uns bekannt und sie flossen in die politische Bewertung durchaus mit ein, sagte Rathauschefin Bärbel Wagener-Bühler auf Anfrage unserer Zeitung.

Sein Sohn Roland Jakob ist ebenfalls engagierter Kämpfer für die Tempo-30-Zonen. Am Sonntag war er mit seinem Mitstreiter Jürgen Strickstrock in den betroffenen Straßen unterwegs. In jedem Briefkasten landete ein gelber DIN A5 Zettel mit der Einladung an die „Befürworter der Tempo-30-Zonen in Kaufering“, zur Marktgemeinderatssitzung zu kommen und „durch zahlreiches Erscheinen unserer Meinung Ausdruck zu verleihen“. Rathauschefin Bärbel Wagener-Bühler dürfte gut beraten sein, für genügend Stühle im Gemeindesaal im Feuerwehrgerätehaus zu sorgen. Erfahrungsgemäß bringt dieses doch recht emotionale Thema viele Kauferinger in die Marktgemeinderatssitzung.

Ob es überhaupt zu einer Abstimmung für die Herausnahme von Dr.-Gerbl-Straße, Bahnhofstraße und Kolpingstraße aus der Tempo-30-Zone kommt, ist allerdings fraglich. Wie aus Kreisen des Marktgemeinderates zu erfahren war, gibt es eine große Mehrheit, die das Thema von der Tagesordnung nehmen wollen – und zwar endgültig.

Siegfried Spörer

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