Wappnen gegen die Verkeimung?

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Soll auch in Zukunft von coliformen Keimen verschont bleiben: das Kauferinger Trinkwasser.

Kaufering – Coliforme Keime bereiten den Wasserverantwortlichen nach wie vor Kopfzerbrechen. Im Sommer fanden Fräsarbeiten an Baumwurzeln statt mit dem Ergebnis: Verkeimung des Trinkwassers. Nach Beanspruchung des Notverbundes mit Landsberg, von wo die Marktgemeinde über etwa vier Monate ihr Wasser bezog, sind die Leitungen nun zwar wieder sauber. Der nächste Sanierungsabschnitt inklusive Fräsen steht jedoch schon 2017 ins Haus und wirft die Frage auf: Ist dann wieder eine Trinkwasserverschmutzung zu befürchten? Bürgermeister Erich Püttner beantwortet diese Frage mit „ja“ und will die Marktgemeinde deshalb künftig gegen die Keimbedrohung rüsten.

Die Lösung schien bereits gefunden: Eine 70.500 Euro teure UV-Desinfektionsanlage sollte künftig sämtliche coliforme Keime abtöten und einer Vermehrung im Trinkwasser einen Riegel vorschieben. In der gestrigen Marktgemeinderatssitzung wollte Bürgermeister Püttner folgende Fragen geklärt wissen: Soll die Marktgemeinde eine UV-Anlage anschaffen oder nicht? Und wenn ja, soll das Wasser dann ganzjährig UV-bestrahlt werden oder nur punktuell?

Bevor die Diskussionsrunde eröffnet wurde, rückte aber wie schon zuletzt oftmals, die Transparenz in den Vordergrund. Frühzeitig zu informieren und auch alternative Maßnahmen zur UV-Anlage abzuwägen, sei mit einer endgültigen Abstimmung zu diesem Zeitpunkt nicht zu gewährleisten, so Andreas Keller (GAL). Der Marktgemeinderat stimmte mit dieser Meinung mehrheitlich überein, sodass der finale Beschluss zunächst auf Februar vertagt wurde. Deshalb galt es für die Gemeinderäte, sich umfassend mit der UV-Anlage auseinanderzusetzen, um sich bis Februar eine Meinung bilden zu können.

Für die Details der Anlage hatte Bürgermeister Püttner das Ingenieurbüro „Sixt, Heiß + Partner“ aus Markt Schwaben geladen. Geschäftsführer Klaus Sixt referierte über die technischen Möglichkeiten der Anlage und gab zu bedenken: „Die erste Frage die Sie sich stellen müssen, ist: Wollen Sie eine prophylaktische Desinfizierung oder nicht?“ Ob das Risiko einer Verkeimung in Zukunft größer wird, ist selbst für den Experten schwer zu beantworten. Er würde dennoch raten, die Anlage einzubauen, um künftig „auf der sicheren Seite zu sein“. Sobald der Entschluss zum Einbau gefallen sei, müsse die Gemeinde ferner entscheiden: Soll die Anlage im Dauerbetrieb laufen und damit vorrangig präventiv eingesetzt werden oder käme auch ein Wechselbetrieb infrage? Letzteren könne man in Einzelfällen, beispielsweise während der Fräsarbeiten, einsetzen und so die mögliche Keimvermehrung unterbinden. Nach Einschätzung von Klaus Sixt sei für einen dauerhaften Betrieb der Anlage mit Kosten von 3.400 Euro jährlich zu rechnen, im Falle eines punktuellen Einsatzes mit etwa 1.600 Euro. Aufgrund des vergleichsweise geringen Kostenunterschiedes empfahl Sixt die dauerhafte Variante, um in puncto Sicherheit gerüstet zu sein.

Kritik für die Anschaffung gab es von verschiedenen Seiten, beispielsweise von Dr. Patrick Heißler (GAL). Er sieht in der Anlage eine „vorgegaukelte Sicherheit“, die zudem sehr wartungsintensiv sei und womöglich höhere Kosten verursache, als das Ingenieurbüro Sixt angegeben habe.

Auch der Vorschlag, im Falle einer erneuten Verkeimung zu chloren und wieder auf den Notverbund mit Landsberg zurückzugreifen, wurde mehrfach angeführt. Dazu äußerte sich der neue Wassermeister Sebastian Filipp: „Wir können nicht einfach sagen, dass wir das Wasser aus Landsberg holen. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass wir auf eigenen Beinen stehen sollten.“ Auch Timo Exel, Werksleiter der Gemeinde, berichtete: „Lang hätten wir das Wasser aus Landsberg nicht mehr holen können.“ Zu weit sei der dortige Grundwasserstand schon abgesunken gewesen.

Nachdem nicht nur Norbert Sepp (Kauferinger Mitte) in den 2017 anstehenden Fräsarbeiten eine „Verkeimung mit Ansage“ sieht, plädierte auch Ratshauschef Püttner für die Beschaffung der UV-Anlage: „Wir investieren hier in Sicherheit für die Zukunft.“ Gesprächsbedarf besteht dennoch, weshalb auch Dr. Patrick Häußler zu dem Schluss kommt, es sei gut gewesen, „dass heute noch keine Entscheidung getroffen wurde.“

Marco Tobisch

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