Abstimmen diese Woche noch möglich:

Erste Gewinner beim Schondorfer Bürger-Budget

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Die Sieger bei der Publikumswahl des Schondorfer Bürger-Budgets: Eva Maria Zotter, Tobias Heigl, Markus Wagner, David Bensmann und Adela Ploner (hintere Reihe von links). Vorne von links die Organisatoren Marius Polter, Jo-Ann Meding und Ilse Baumgarten.

Schondorf – Jetzt haben die bislang anonym im Internet veröffentlichten Konzepte für das Schondorfer „Bürger-Budget“ ein Gesicht bekommen. In der Aula der Grundschule fand ein „Marktplatz der Ideen“ statt, bei dem die Einreicher ihre Projekte persönlich präsentieren und erklären konnten. Nach der geheimen und schriftlichen Wahl kristallisierten sich bereits fünf Ideen heraus, die die Schondorfer gerne verwirklicht hätten. 10.000 Euro, also 2,50 Euro pro Einwohner, wurden dafür im Haushalt der Gemeinde reserviert.

Die meisten Stimmen konnte Tobias Heigl für seine Initiative „Für ein Mehr an Miteinander am Schondorfer Seeufer“ gewinnen. Dabei geht es Heigl darum, Seeufer im Privatbesitz der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: „Teilten sich Kelten, Römer, Augsburger und Einheimische das Seeufer noch gemeinsam, so verläuft in Unterschondorf eine große Hecke, die die Bürger unterteilt in diejenigen, die das Seeufer nutzen und diejenigen, die das See­ufer nicht mehr nutzen können.“

Laut Heigl sei das Miteinander am Schondorfer Seeufer verloren gegangen. In Breitbrunn, Buch, Stegen oder Holzhausen herrsche ein anderer Gemeinsinn und ein viel besseres Miteinander am Seeufer als in Schondorf. Heigl träumt von einem kommunalen Erholungsgebiet. Andere Gemeinden mit einem so schönen Seeufer würden sich „Kurort“ nennen. Heigl sucht Mitstreiter mit konstruktiven Ideen, die die Schlösser- und Seenverwaltung überzeugen könnten. Als Budget für sein „See-U“ nennt Tobias Heigl bescheidene 400 Euro.

Einen gemeinschaftlich genutzten Gemüsegarten kann sich der vorläufig zweitplazierte David Bensmann vorstellen. Dazu bräuchte er einen Acker von 1.000 Quadratmetern, der in Parzellen unterteilt wird. Hier könnten Schondorfer zusammen gärtnern, ins Gespräch kommen und gleichzeitig viel über die ökologische Anbauweise lernen. Natürlich mit einem Blühstreifen für Insekten und Workshops wie Saatgut­vermehrung oder Sauerkraut-­Einmachen. David Bensmanns Startkapital beträgt 3.500 Euro.

Um Klimaschutz geht es dem drittplatzierten Markus Wagner. Er braucht 1.250 Euro und möchte in Kooperation mit einem Förster möglichst auf waldnahem Gemeindegrund 50 Bäume pflanzen. Er kann sich vorstellen, sein Projekt beliebig nach oben zu erweitern wie „100 Bäume für Schondorf“ oder „Jeder Schondorfer Haushalt pflanzt einen Baum“.

Eva Maria Zotter ist „Fairteiler für gerettete Lebensmittel“. Sie bewahrt noch verwertbare, aber unverkäufliche Lebensmittel vor der Tonne und sucht einen Raum zum Lagern und Verteilen. Möglichst mit öffentlichem Zugang, Regalen, Kühlschrank und Stromversorgung. Die Viertplazierte stellt sich ein Projektbudget von rund 700 Euro vor.

Gleich zweimal wurde ein Büchertauschregal eingereicht, wobei Adela Ploner mit ihrer wetterfesten „Bücherbox am Bootssteg“ mit Platz 5 in die engere Auswahl kam. Hier am Steg stünden eine Sitzbank und Skulpturen, die die zum Blättern und Lesen geradezu einladen. Als Alternative schlägt sie die Nähe des Schachbretts oder den Leibl-Platz vor. Muster für die Bücherbox stehen gleich dreifach in Steinebach am Wörthsee. Die fertige Box würde rund 1.600 Euro kosten, wobei sich Ploner um Pflege und Ordnung der Box kümmern will.

Diese Platzierung und Auswahl ist nur eine vorläufige. Denn noch bis Ende der Woche haben die Schondorfer Zeit, bis zu drei Stimmen für ihre favorisierten Projekte im Einwohnermeldeamt des Rathauses abzugeben. Informieren kann man sich über die 24 Projektideenhier.

Welche Einreichungen letzzlich verwirklicht werden, entscheidet der Gemeinderat mit seiner Finanzhoheit am 2. Oktober. Der oder die siegreichen „Projekt-Paten“ haben dann ein Jahr Zeit, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Bürger-Budgets als Instrument der politischen Teilhabe gibt es bereits bundesweit in kleinen wie großen Kommunen. Die Verfahren ähneln sich, wobei das Kernstück drei Punkte sind: Bereitstellung eines Etats im Haushalt, rechtliche und satzungsgemäße Prüfung der Vorschläge sowie Bürgerbeteiligung zur Verwendung der Finanzmittel. In Schondorf wurde das Bürger-Budget von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ initiiert. Bürgermeister Alexander Herrmann brachte bei der Eröffnung des „Marktplatzes der Ideen“ seine Freude zum Ausdruck, dass so viele und interessante Projekte zum Wohle Schondorfs eingereicht wurden.

Dieter Roettig

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