Der Papageno des Kabaretts

Martin Frank überzeugt mit Humor und Gesang

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Der niederbayerische Kabarettist Martin Frank in seiner Rolle als Opernsänger – die er mit gewaltiger Stimme ausfüllt.

Landsberg – An Martin Frank ist ein Opernsänger verloren gegangen. Souverän trällert er Bizet und Händel mit Schmelz und Verve. Auch sein Kabarettprogramm birgt Qualitäten: leichte und gute Unterhaltung zum Thema Alltag. Themen, die jeder kennt, und über die deshalb auch jeder gerne lacht. Samt spontanen Reaktionen aufs Publikum. Ein netter Abend – und das „nett“ ist hier durchaus positiv gemeint.

Im Fernsehen ist ein Warm Up Usus. Ein Animateur übt mit dem Publikum begeistertes Johlen, das dann punktgenau zum Auftritt des Moderators erschallen soll. Auch Martin Frank greift zu dieser Maßnahme. Gleich der Katholischen Kirche, „bei der ist das Warm Up nämlich der Rosenkranz“. Franks Rosenkranz ist der Gang in die leidgeprüfte erste Reihe des Stadttheaters. Humorvoller Small-Talk mit pointierten Sticheleien. Die Stimmung ist gut, fast schon am Siedepunkt. Und entlädt sich in einem frenetischen Applaus, als der Kabarettist, der laut Ansage „ohne Kaba morgens nicht aus dem Haus geht“, die Bühne zum zweiten Mal betritt.

Ein Niederbayer, wie er im Buche steht. Schon allein der Dialekt verortet den 26-Jährigen im Landkreis Passau samt „angeborener Gefühlslosigkeit“. Genauer gesagt, er kommt aus Hutthurm, direkt vom Bauernhof. Seine Karriere begann als Standesbeamter – „die nehmen jeden“ – und Kirchenorganist, bevor er dann ausbrach: Abitur nachgeholt, dreijährige Schauspielausbildung in München gemacht und schwupps! mit 19 Jahren zum ersten Mal samt abendfüllendem Programm auf der Kabarettbühne.

Auf der er seinen Werdegang amüsant verarbeitet. Vom Pausenbrot in der BayWa-Tupperdose über den Enkelwunsch-Druck seitens der geliebt-gehassten Oma bis hin zum Fremdfühlen, weil man beim Brunch statt Avocado mit Quinoa lieber ins biedere Marmeladenbrot beißt. Und dann noch dieser Tiefschlag! Denn eigentlich wollte Frank Opernsänger werden. Das wollte das Mozarteum in Salzburg aber nicht. Ein Schlag in die Magengrube, das Leben eben: „Da willst du Bischof werden und zack! wirst Papa!“, umschreibt es Frank. Seine Mozarteum-Prüfung spielt er gleich nach. Singen will er den Torrero-Marsch aus „Carmen“. Doch irgendwie klappt‘s mit dem Text nicht so. Weshalb sich plötzlich Ratz und Katz bei Bizet einnisten – ein No-Go fürs Mozarteum. Aber ein grandioses Erlebnis für die Zuschauer. Denn Franks Stimme ist hervorragend. Nicht umsonst hat er seit seinem 16 Lebensjahr professionellen Gesangsunterricht.

Jetzt ist er in München gelandet, samt den Tücken der Großstadt wie Neun-Quadratmeter-Zimmer zum Wucherpreis und laut telefonierenden Managerinnen in der U-Bahn. Doch ab und zu findet er noch in seine Heimat. Wo dann Brigitte aus Norddeutschland Ferien auf seinem Bauernhof macht und entsetzt vor einem toten Hendl steht. Eine Abschiedsarie am Misthaufen muss her. Und was würde sich fürs Hendl besser eignen als das herzzerreißende „Ombra mai fu“. Der Komponist: Händel.

Franks äußerst unterhaltsames Kabarett kommt an. Ausverkaufter Theatersaal, fröhliches Publikum, tosender Applaus. Was will man da mehr?

Susanne Greiner

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