Kein Freund, der Kupferstecher

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Der Borkenkäfer macht den Fachleuten Sorgen: Hans-Jürgen Gulder, Nikolaus Stöger und Erwin Schmid (v.links).

Landkreis – Bis Ende Mai war alles noch fast in Ordnung. Trotz des milden Winters hat sich der Borkenkäfer nicht übermäßig vermehrt, da es im Mai doppelt so viel regnete wie sonst. „Der Käfer fliegt nicht bei Regen“, so Hans-Jürgen Gulder, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF). Aber schon im Mai waren einige Bäume durch Sturm Niklas beschädigt. Die Hitze und Trockenheit in den vergangenen Wochen hat den Fichten den Rest gegeben – ein Leckerbissen für den Borkenkäfer.

Dessen Weibchen siedeln sich zuerst an einem Baum an und senden Duftstoffe aus. „Die sagen: Los, kommt alle hierher“, beschreibt Erwin Schmid, Forstamtsrat des AELF. Ist der Baum voll, werde ein Ablenkstoff ausgesandt, sodass die umliegenden Bäume befallen würden. 

Erwin Schmid erklärt die seltsamen Namen der Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupfer- stecher: Sie fressen unterhalb der Rinde mehrere Gänge für die Eiablage. Von hier aus nagen sich die Larven rechtwinklig nach außen, und es entsteht das klassische Schadbild, ähnlich einer Buchseite. Deshalb Buchdrucker. Der Kupferstecher frisst lieber sternförmig, woraus ein kupferstichähnliches Schadbild entsteht. Beides zerstöre die saftführende Schicht – der Baum sterbe ab. 

Die Fichten sind in einem schlechten Zustand: „Da hat auch das bisschen Regen zwischendurch nicht geholfen. Der Bodenwasserspeicher ist leer“, sagt Gulder. Wegen der Trockenheit konnten die Bäume nicht genug Harz bilden, das sie vor Schädlingen geschützt hätte. 

Normalerweise konzentriere sich der Borkenkäfer auf kranke Bäume, erklärt Schmid. Bei der gerade vorherrschenden Massenvermehrung würden aber auch vollkommen gesunde Bäume befallen: „Die Käfer ähneln dann eher japanischen Kamikazefliegern.“ Den Befall erkenne man an den rot ver- färbten Nadeln, dann sei es aber schon zu spät. 

„Das Problem wird erfahrungsgemäß erst im nächsten Jahr seinen Höhepunkt haben“, mahnt Schmid. Denn im Sommer baue der Schädling die Population fürs nächste Jahr auf. Deswegen helfe nur eines: Jetzt bekämpfen! 

Die befallenen Bäume müssen weg. „Wir haben 26 Harvester im Einsatz“, sagt Nikolaus Stöger, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten. Das Holz, insgesamt 70000 Festmeter, müsse aber transportiert werden. „Ein Lkw fasst gerade mal 25 Festmeter, man kann sich ausrechnen, wie viele Ladungen das sind.“ Zudem seien die meisten Lager voll: Allein beim Holzverarbeiter Ilim Timber lägen 25000 Festmeter Holz auf Halde, „und unsere Lager sind voll bis unters Dach.“

Wenn deshalb Holz im Wald liegenbleibe, müsse sofort die Rinde entfernt werden, rät Stöger. „Der Käfer lebt da weiter, auch wenn es nur fünf Grad hat.“ Erwin Schmid hat es getestet und ein befallenes Rindenstück ins Tiefkühlfach ge- legt: „Die haben danach lustig weitergefressen.“ 

Um den Borkenkäfer einzudämmen sei die Vorsorge am wichtigsten, da sind sich die Fachmänner einig. Die natürlichen Feinde der Borkenkäfer seien keine Lösung für solche Massenaufkommen wie dieses Jahr. Grundsätzlich, rät Gulder, gelte: „Pflegen, pflegen, pflegen“. So sorge die Pflanzung von Tannen, Eichen und Buchen dafür, dass Monokulturen durchsetzt würden. Denn: „Die Fichte wird wegen des Klimawandels in unseren Breiten nicht mehr lange durchhalten“, prophezeit Gulder. 

Mit Tannen gibt es ein Problem: Sie sind die Lieblingsspeise der Rehe. Der Verbiss ist enorm, aber die nötigen Abzäunungen sind aufwändig. Also doch Buchen und Eichen? Eher nicht, denn Nadelhölzer sind für die Weiterverarbeitung lohnender als Laubhölzer, die wegen ihres breiten Wuchses beim Fällen überall hängenbleiben. Für Tannen brauche es eben die richtigen Jäger, sagt Stöger. „Lieber die Pacht etwas senken, dafür aber einen fähigen Jäger anstellen.“ 

Nach all den Hiobsbotschaften gibt’s aber noch eine gute Nachricht: Zum leidigen The- ma Springkraut rät Erwin Schmid zu einer einfachen Maßnahme: „Einfach ignorieren. In ein paar Jahren hat sich das von selbst erledigt.“

Susanne Greiner

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