Alles im Griff: Szenario Schweinepest

Was macht der Landkreis, wenn die Afrikanische Schweinepest kommt

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Für große und kleine Wildschweine ist die Afrikanische Schweinepest lebensbedrohlich. Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich.

Landkreis – Im Osten Tschechiens ist ein Fall im März entdeckt worden. Und im April fand sich ein infiziertes Tier östlich von Budapest. Sie ist noch nicht in Deutschland, aber sie ist relativ nah: die Afrikanische Schweinepest (ASP). Die Tierseuche betrifft Wild- und Hausschweine und ist hochgradig ansteckend. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Was ist zu tun, wenn der Erreger bei einem Tier in Bayern gefunden wird? Diese Frage stellte sich auch der Landsberger Jägerverein bei seiner jährlichen Hegeschau (der KREISBOTE berichtete). Es zeigt sich: Landsberg hat wohl alles gut im Griff.

Drei Bereiche sind von Bedeutung, wenn ein an ASP erkranktes Tier auftaucht: die Kernzone, das gefährdete Gebiet und die Pufferzone. „Die Kernzone umfasst mehrere Dutzend Hektar“, erklärt Sachgebietsleiter beim Veterinäramt Landsberg Dr. Michael Veith. Ein Gebiet, das nach einem ASP-Fund möglichst weitgehend eingezäunt werde. „In Tschechien hat eine Kombination aus Elektro- und Duftzäunen gut funktioniert. Dem Gedanken gehen wir hier auch nach.“

Auch sollten in dieser Zone alle Wildschweine möglichst schnell getötet und die Kadaver entfernt werden. Zudem werde man eventuell weitere Maßnahmen andenken müssen, sagt Veith: „Freilaufende Hunde können das Virus aufnehmen und weitertragen, auch wenn sie selbst nicht erkranken.“

Um diese Kernzone befindet sich im Umkreis von 15 Kilometern das sogenannte Beobachtungsgebiet. Auch hier sollten „so viele Wildschweine wie möglich geschossen werden“, konkretisiert Veith. Zudem eigne sich Gras, Stroh und Heu, das im gefährdeten Gebiet gewonnen werde, nicht mehr als Einstreu oder zur Fütterung von Schweinen. Schließlich wird noch die Pufferzone im Umkreis von 30 Kilometern um das infizierte Tier eingerichtet. Wichtig sei auch, dass „nach dem letzten Fund der Seuchenschutz für mindestens ein halbes Jahr aufrechterhalten wird“, betont der Sachgebietsleiter. Denn solange bleiben die Erreger im Boden viral.

Für den Menschen ist ASP vollkommen ungefährlich: Die Pest ist nicht zwischen Tier und Mensch übertragbar. Dennoch könne der Mensch Überträger des Virus sein: „Da reicht zum Beispiel schon eine Semmel mit rohem Wildschweinschinken, die unachtsam an einer Autobahnraststätte weggeworfen wurde und dann von einem Wildschwein gefressen wird“, malt der Sachgebietsleiter aus.

Tiere übertragen die Krankheit im direkten Kontakt durch Körperflüssigkeiten. Aber auch auf indirektem Weg, zum Beispiel über „Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschließlich Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung“ wird der Virus übertragen, heißt es beim Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Die meisten infizierten Wildschweine seit erstem Januar dieses Jahres wurden bisher in Polen (1317) und Litauen (928) gefunden. Bei den infizierten Hausschweinen belegt die Ukraine mit 32 infizierten Tieren Platz 1.

Eine Übertragung der Seuche auf Hausschweine in denen hier üblichen Mastbetrieben hält Veith für unwahrscheinlich: „Die Schweine sind ja im Stall.“ Generell gelten dort „Biosicherheitsmaßnahmen“. Wer zum Beispiel auf den Betrieb kommt, also eine Zugangsbeschränkung samt Hygieneschleuse: „Ein Jäger aus einem infizierten Gebiet sollte einen Schweinebestand auf keinen Fall besuchen.“

Probleme sieht Veith, wenn überhaupt, bei Freiland- und Auslaufhaltung. Aber auch hier bestehe nur dann Gefahr, wenn nicht richtig eingezäunt werde. Was ein richtiger Zaun sei, zeige das Wildschweingehege im Wildpark Landsberg. Auch sonst sei der Landkreis auf einen möglichen Ausbruch gut vorbereitet, betont Veith. Inzwischen gebe es zudem Schulungen vom Veterinäramt und Arbeitskreise mit Jägern, Polizei und dem Technischen Hilfswerk sowie bayernweite Notfall-Übungen aller Veterinärämter hätten sich formiert. Insgesamt ein gut durchdachtes Rundum-Paket für den Notfall.

Susanne Greiner

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